Walger Texas Ranger

Roundhouse*klick* der DGKH

Peter Walger ist Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Am 3. März führte ich ein Telefonat mit ihm. Meine Fragen zu Luftfiltern beantwortete er bereitwillig und nahm sich dafür einiges an Zeit. Als ich jedoch abschließend noch auf seine Unterstützung für die querdenkennahe Initiative Familien zu sprechen kam, beendete er das Gespräch. Eine Glosse über den vermutlich schnellsten Finger beim Auflegen eines Telefons im Westen.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein undankbarer Auftrag. Zumindest dann, wenn nicht die Fragen gestellt werden, die man gerne hören möchte. So geschehen, als ich Peter Walger von der DGKH am Telefon fragte, weshalb er und weitere Mitglieder weiterhin – und unter Nennung des Fachverbands – offene Briefe der Initiative Familien unterstützen. Zuletzt haben Peter Walger und Walter Popp vom DGKH den offenen Brief „Kinder gehören in die Schule!“ vom 17. Januar unterstützt.

Eine ernstzunehmende Aufarbeitung seitens der Initiative zu ihren Interaktionen mit gewaltbereiten Querdenker:innen ist bislang nicht erfolgt (Kontext). Obwohl man im Zeitraum von Januar bis Februar an mehreren Webinaren beim Goldenen Aluhut teilgenommen hat, haben sowohl der Verein als auch prominente Mitglieder ihr Onlineverhalten bislang nicht verändert. Darüber reden wollte Walger jedoch nicht, obwohl er meine Schreiben kenne. Stattdessen sagte er sogar: „Die ganze Initiative können wir komplett unterstützen.

Wild Wild Walger

Walger ist seit August 2020 bei Twitter angemeldet, scheint dem Netzwerk aber nichts abgewinnen zu können. Aktiv ist er jedenfalls nicht. Das unterstütze ich ausdrücklich, denn was bedeuten schon soziale Netzwerke für die Öffentlichkeitsarbeit? Die DGKH selbst ist schließlich auch nicht auf der Plattform vertreten.

Wenn man in die Geschichte zurückblickt, dann war die DGKH vor Corona zumeist dann in der Öffentlichkeit präsent, wenn es beispielsweise um multiresistente Krankenhauskeime ging. Jetzt scheint man jedenfalls multiresistent gegenüber Fakten zu sein. Die Pandemie ist zur Wild-West-Phase für einige Fachverbände geworden, um die eigene Bedeutung hervorzuheben. Einerseits sieht man so in der Krise eine Goldgrube, andererseits wird man damit auch gleichzeitig selbst zur Goldgrube für Medien. Da ist man doch immer gern für ein Zitat bereit.

Fast alles im Umfeld glänzt golden. Wie auch das Logo der Initiative Familien, die den Verband immer wieder für Pressemitteilungen und in den sozialen Medien zitiert. Auf nach Klondike?

Ist nicht alles Gold, was glänzt?

Ein bekannter Witz über den Schauspieler Chuck Norris lautet: „Chuck Norris kann bis zur Unendlichkeit zählen. Zweimal.“ Man kann beim ersten hören darüber lachen. Weil es absurd ist. Unmöglich. Die Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten kennt. Es sind Witze, die zwischen dem Menschen und der Rolle von Chuck Norris keinen Unterschied machen.

Wir wissen auch, dass der Mensch Chuck Norris im echten Leben wohl nur wenig vom Walker Texas Ranger hat. Er ist ein evangelikaler Christ, hält die Evolutionstheorie für falsch und ist durch homophobe Kommentare aufgefallen.

Zwischen der Rolle, mit der wir Norris verbinden und dem Menschen, darin liegt eine komische Tragödie. Sobald man begreift, dass diese menschliche Seite es aber ist, die im echten Leben viel Leid verursacht hat, bleibt einen das Lachen irgendwann im Halse stecken. Keines dieser Attribute trifft auf Walger oder die DGKH zu. Was aber ähnlich ist: Zwischen der Selbstwahrnehmung in der eigenen Rolle und dem Handeln, gibt es einen gewissen Abstand.

Ich möchte über Peter Walger, die Initiative Familien und alle ihre hochrangigen Unterstützer lachen können. Manchmal hilft das. Gleichzeitig sehe ich genau das. Menschen, die sich abschotten von berechtigter Kritik und somit zur Kunst- oder – je nach Perspektive – zur Lachfigur werden. So etwa geschehen, als sich Mitglieder der Initiative Familien in Hamburg zu Beginn dieser Woche  trotz des Kriegs in der Ukraine  als Clowns und Schulkinder kostümierten, um ein Ende der Maskenpflicht an Schulen zu fordern.

Wer zuletzt lacht…

Man kann selbstverständlich mit Initiativen kooperieren, die es offensichtlich nötig haben, sich mit Querdenker:innen zu verbünden. Wer macht das nicht? Von 27 Abstimmungsberechtigten an der S3-LeitlinieMaßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen“ – die bislang in keinem Bundesland umgesetzt wird – sind mir drei Fachgesellschaften bekannt, die offenbar kein Problem mit einer Kooperation mit der Initiative Familien haben. Da ist noch einiges an Potential nach oben möglich.

Wäre es mal nicht schön, statt immer nur die Epoch Times, als Quelle in einer entsprechenden Telegramgruppe auch einmal ein Bulletin des Robert Koch-Instituts zu finden? Oder wenn das Deutsche Kinderhilfswerk nach Tansania fliegt, um sich mit Stefan Homburg über das „Corona-Regime“ zu unterhalten?

Wie wäre es, wenn das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung Bezug nehmen würde auf das Bundesvorstandmitglied der Initiative Familien – Zarah Abendschön-Sawalldie auf Twitter vom „Kinderhasserland“ der Regierung Baden-Württemberg fabuliert?

Man muss schließlich differenzieren. Aber niemals vergessen: Wer differenziert, schließt ebenfalls aus. Also etwas mehr Offenheit bitte bei den anderen Fachverbänden für die Initiative Familien. Lasst uns alle integrieren, die sich gegen die Wissenschaft stellen. Wird schon gut gehen. Verbrüderung, statt Roundhousekicks.

Ist Peter Walger und der Vorstand der DGKH vielleicht einfach ein verkanntes Blumenkind? Wird auch er bald als Clown verkleidet vor einem Rathaus stehen? Wann werden wir endlich alle erkennen, dass Hass und Hetze von Journalist:innen gegen unschuldige Elterninitiativen aufhören müssen? Diese muss mittlerweile so schlimm sein, dass man dafür sogar mit einem Interview bei der WELT belohnt wird. Ein Interview mit einem aktiven Autor der Nachdenkseiten, wohlgemerkt, der seit Wochen wirklich Kampagnen gegen Schüler:innen der Aktion #WirWerdenLaut fährt. Die Gruppe von Personen, die die Initiative Familien angibt, beschützen zu wollen. Ein Jeck, wen das in irgendeiner Form an Karin Priens vergangene Reaktion auf Twitter erinnert.

Man kann sich wie der Walker Texas Ranger fühlen. Ob man aber nicht schließlich als Witzfigur wahrgenommen wird, das hängt vor allem davon ab, ob das Handeln auch mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmt.

In diesem Sinne: Auf den entlarvenden Humor. Howdy und: Hoi! Hoi! Hoi! „Komm, wir spielen Cowboy und Indianer“.

Titelbild: Foto von Peter Walger von der Seite der DGKH. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Teile die Vision:

Dir gefällt was du liest? Dann unterstütze mich auf Patreon:

2 Comments

Initiative Familien trifft Goldener Aluhut - OSTPROG · 8. März 2022 at 17:29

[…] die späteren Recherchen, schwieg Stöhr jedoch. Der Pressesprecher der DGKH – Peter Walger – beendete ein Telefongespräch am 3. März, als ich ihn auf die Initiative […]

Ein Rōnin kämpft gegen das Infektionsschutzgesetz - OSTPROG · 15. Mai 2022 at 12:34

[…] Ampel. Zu dieser Zeit hatte Deutschland die Phase des Containments längst hinter sich gelassen, so Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), einige Wochen vor der Verabschiedung […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Avatar placeholder

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ampel mit dem Schriftzug "Should I stay or should I go?" In der gelben Ampel ist das Logo der Initiative Familien sichtbar.

Initiative Familien – Mit Meinung gegen den Expertenrat

Der zu Querdenken offene Verein Initiative Familien veröffentlicht ein Positionspapier. Darin wirft man dem Expertenrat unter anderem vor, in einem „Netz von interessengeleiteten Fehlentwicklungen gefangen zu sein“. Über ein Positionspapier ohne Belege und mit nachweislichen Desinformationen, das auf eines hindeutet: Die Initiative Familien scheint mittlerweile in einem Netz von radikallibertär anmutenden Coronamythen gefangen zu sein, das sie selbst mitgesponnen hat. Ein Kommentar.

Fortschreiten »
Foto von Bettina Stark-Watzinger von Bundesregierung/Guido Bergmann. Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung. Weitere Abbildungen via Pixabay.com. Bearbeitung/Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Masken und Spracherwerb: Auf der Suche nach der Evidenz

Bundesbildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) gab am 25. Juni ein Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Studien – so Stark-Watzinger – besagten, dass Masken einen negativen Effekt auf den Spracherwerb von Grundschulkindern hätten. Viel wichtiger jedoch, was die Ministerin dabei nicht erwähnt. Eine Einordnung mit Kommentar.

Fortschreiten »
Ulrike Guérot, Martin Sprenger and Andre Kerbl. Standbilder aus dem Film "Eine andere Zukunft" (Schutzfilm). Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Filmkritik: „Eine andere Zukunft“

Der Dokumentarfilm „Eine andere Zukunft“ versucht sich an einer alternativen Erzählweise der Coronapandemie. Dass die Filmemacher:innen dafür auch nicht vor der Instrumentalisierung von Kindern und Jugendlichen zurückschrecken, ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Eine Filmkritik.

Fortschreiten »