Tim Röhn: „Ich bin Querdenker“

Gespräch mit einem Journalisten von WELT

Der Journalist Matthias Meisner (taz) erhielt eine Unterlassungserklärung von Tim Röhn (WELT). Um beide ist es seit Anfang des Jahres nicht ganz ruhig. Zeit, sich eingehend mit Röhn zu unterhalten. Ein junger charakterstarker Autor, dem es um bedingungslose Aufklärung geht. Ein Gespräch über Querdenken, seine Vorstellung von Journalismus und einem Staat, der aus seiner Sicht zur vierten Gewalt werden muss. Eine Satire.

Tim Röhn. Ein Ausnahmejournalist. Mit Mitte 30 ist Röhn bereits Chefreporter der WELT und in über 30 Ländern tätig. Vor 2021 berichtete Röhn vor allem über die Flüchtlingskrise. Corona ist jetzt auch seine persönliche journalistische Krise. Eine Krise, in die erreingerutscht“ sei. Reingerutscht wie etwa 7,9 Milliarden andere Menschen auf diesem Planeten. Doch was unterscheidet Röhn von diesen Menschen?

Um das herauszufinden, haben wir uns bei Zoom verabredet. Skype lehnte er ab, da dieses Microsoft gehört. „Ich unterstütze keine Produkte von Bill Gates.“ Als ich ihn darauf hinweise, dass Gates Microsoft Anfang 2020 verlassen hat, antwortet er mit einem ominösen Clown-Emoji. Ein Link zu einem Tweet folgt.

Von Broder umschmeichelt

Seit Tim Röhn sich verstärkt mit Corona beschäftigt, ist er wieder viel gefragt. Medienjournalist:innen wollen mehr über seine Methoden wissen. Bei Kress News erklärte er seinen Journalismus als das „Ringen um die Wahrheit“ und „als Ringen mit sich selbst.“ Viel Demut, denn man „tut auch mal jemandem Unrecht und muss um Entschuldigung bitten.

Dabei hätte Röhn gar keinen Grund für Demut. Aus „kleinen Verhältnissen“ stamme Röhn. So wurde er vor wenigen Monaten von Henryk Broder in der Weltwoche porträtiert. Broder schmeichelt dem Journalisten. „Röhn muss ein drittes Auge haben“, schreibt dieser und konstatiert: „Inzwischen stellt er alles in Frage, bis auf die Tatsache, dass es das Virus gibt.

Ein drittes Auge sehe ich während unseres Interviews nicht auf seiner Stirn. Röhn seufzt. Im Hintergrund das Meer. Er sitzt in einem BMW. Ledergarnitur. Manchmal starrt er auf die Meerenge. Gibraltar. Sein Haar bewegt sich kaum. Liegt es am Haarspray, oder hat der Wind sich gelegt?

Es gibt aufrechte Journalisten, die meine Arbeit schätzen“, betont er. Es folgt eine perfekte Sprechpause. Dann: „Die Sache mit Matthias Meisner hat mich sehr mitgenommen.“ Er spricht, wie er schreibt. „Viel, schnell und vor allem gut – sehr gut“ (Henryk Broder).

Im Januar begann Röhn eine Auseinandersetzung mit Meisner auf Twitter. Meisner sprach von „Coronaleugnern“ auf einer Demonstration in Bautzen. Röhn widersprach und hakte sokratisch nach: „Waren Sie vor Ort?“. Spontan schießt er ein Bild von seinem Lenkrad, als ich ihn an die Geschichte erinnere. „Ich habe gelernt, dass man nur den Dingen vertrauen kann, die man auch selbst gesehen hat“, seufzt Röhn. Man merkt es ihm an. Das Ringen um die Wahrheit.

„Ich bin Querdenker“

Röhn ist ein Kollege auf Augenhöhe. Freundlich fragt er, ob es mich stören würde, wenn er während des Gesprächs eine Kleinigkeit verzehrt. Er öffnet eine Dose Thunfisch und greift mit bloßen Fingern in die salzige Lake. „Man muss sich die Finger schmutzig machen“, schmatzt er. Ein Lächeln.

Ohne Vorwarnung wird er ernst. „Ich bin Querdenker.“ Wir schweigen. Röhn blickt von der Kamera weg auf das Meer. Als wäre das Gesagte nur ein Traum, hebt er mit fischigen Händen seine Spiegelreflex nach oben und macht ein Bild von mir. „Authentische Reaktionen sind wichtig“, flüstert er und ärgert sich kurzerhand. Die Abdeckung war noch auf der Linse.

Screenshot von Gunnar Hamann (Ostprog.de). Weitere Abbildungen via Pixabay.com. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Das Bild meiner Reaktion haben wir später nachgestellt. (Screenshot von Gunnar Hamann (Ostprog.de). Weitere Abbildungen via Pixabay.com. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Natürlich bin ich kein Querdenker“, dann hebt er die Stimme an: „Es gibt keine gefährlichen Gedanken, das Denken an sich ist gefährlich“, zitiert er nun Hannah Arendt. „Und: Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Sagte bereits Franz Beckenbauer.“ Mich beschleicht der Eindruck, dass Röhn nun Profilbiographien seiner Follower auf Twitter zitiert. Ich hake nach und erinnere ihn an meine Recherchen, die seine offenen Interaktionen mit Accounts aus dem Umfeld von Querdenken auf Twitter belegen.

Kontaktschuld“, entfährt es ihm. Scheinbar unwillkürlich. Er kratzt sich mit der Thunfischdose im Gesicht. Ein Stück bleibt an seiner Stirn hängen. Wie ein drittes Auge blickt es mir entgegen. „Der Fisch stinkt vom Kopf her. Deshalb müssen wir als Journalisten uns auf unseren Geruchssinn verlassen.

Er spricht jetzt über Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), Christian Drosten (Virologe, Charité Berlin) und Stefan Huster, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Evaluation der Pandemiemaßnahmen. All jene, die er kontrolliert. Robert-Koch-Institut, Charité und Gesundheitsministerium.

Wir sind die vierte Gewalt“, droht er, während sein drittes Thunfischauge mich kritisch durchleuchtet. Am liebsten wäre er vierte Gewalt „im Staate Dänemark“, fügt er shakespearisch hinzu. Röhn steigt kurzerhand aus dem BMW. Er habe das Kennzeichen seines Autos fotografiert. „Sicherheitsmaßnahme“, sagt er, so als sei dies keine weitere Erklärung wert. Im Hintergrund sieht man dunkle Wolken aufziehen. Röhns Haare bewegen sich. Kein Haarspray. Alles ist natürlich an ihm. „Authentizität ist King.

Ein Steuermann in dunklen Zeiten?

Ich habe eine eindeutige journalistische Ethik. Der Staat ist unethisch.“ Woran das seiner Meinung nach liege, frage ich. Mit zusammengekniffenen Augen – das Thunfisch-Öl läuft bereits seine Wangen herunter – entgegnet er: „Es fehlt an Kontrolle. Ein Steuermann in dunklen Zeiten.

Sein Blick ist ernst. Wie der einer Gottheit, die sich gerade durch einen Dschungel an Daten gekämpft hat, nur um diese schließlich resigniert an die Gefolgschaft weiterzureichen. Diese wissen nicht so recht, was sie daraus machen sollen und daher bauen sie ihrer Gottheit einen Turm, den dieser aus Zorn zum Einsturz bringt. So deutet Röhn sein eigenes Gesicht, nachdem er ein Foto davon gemacht hat. Er leckt sich die Reste des Thunfisches vom Finger.

Wolken und Meer sind zu einer grauschwarzen Masse vereint. Blitze zucken. Vom Himmel sowie seiner Spiegelreflex. „Wer eine Kamera trägt, trägt auch Verantwortung. Für uns alle!“, schreit er mir entgegen. Starkregen prasselt auf das Dach seines BMW. Die Fenster lässt er geöffnet. Er müsse das alles mitbekommen. Hautnah. Am eigenen Leib.

Was er tue, um sich nicht zu sehr im Beruf zu verlieren? „Ich trage eine Bürde, die ich nie verlieren werde.“ Anscheinend kann er mich nur noch schlecht verstehen. Unsere Verbindung wird unterbrochen. Die Zeitbegrenzung von Zoom wurde überschritten. Das Standbild zeigt einen Röhn, wie er authentischer nicht sein könnte. In seinem Auto schwimmen Thunfischreste und eine Ente.

Kurze Zeit später, lädt er mich erneut ein. Neben dem Link, schickt er noch wie zur Entschuldigung ein Clown-Emoji hinterher. Der Sturm ist vorbei. Röhn sitzt plötzlich in einem kleinen Boot. „Ich bin da einfach so reingerutscht“, sagt er. Er habe nur kurz einen Schnappschuss von eben jenem unbemannten Boot machen wollen. Das Wasser in seinem Auto habe ihn direkt dort hineingespült. Zum Glück hatte er Kamera und Laptop noch fest umklammert.

Röhn steht mit dem Rücken zum Laptop. Die Hände fest am Steuer. Zum Sprechen dreht er immer wieder den Kopf. Vielleicht klebt noch ein Stück Thunfisch an seinem Hinterkopf. Anders lässt sich nicht erklären, wie er so fest den Kurs hält. Wohin es denn gehe, frage ich. Röhn steuert nicht auf das Festland zu.

Wer weiß das schon? Paraguay? Tansania? Zurück nach Solingen? Die WELT steht mir offen.“ Er pfeift ein Lied. Kein Seemannslied. Ist es „Dieser Weg wird kein leichter sein“? Wer weiß das schon? Vermutlich nicht einmal Tim Röhn selbst. Die See ist ruhig. Während die Verbindung immer schlechter wird und schließlich komplett abbricht, winke ich ihm hinterher. Reisende soll man nicht aufhalten.

Manche treten dich
Manche lieben dich
Setz‘ dein Segel nicht
Wenn der Wind das Meer aufbraust.

Auszug aus dem Lied "Dieser Weg" von Xavier Naidoo (Rechte: Naidoo Records)

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2 Comments

Silvia Müller · 27. Mai 2022 at 9:38

Das ist der erbaermlichste Artikel den ich seit langen gelesen habe – auch nicht gut genug um als Satire durchzugehen. Welchen Zweck Author und Artikel verfolgen ist ebenfalls nicht ersichtlich. Vielleicht sollte Gunnar Hamann in Zukunft Dosenfisch in all seinen Artikeln thematisieren, so hätte er inhaltlich zumindest einen roten Faden, ein Thema . Statt dessen suggeriert er auf Bild Niveau im Artikel Kontakte zu Querdenken und Xavier N. – die gar nicht vorhanden sind. Tim Röhn ist ein talentierter investigativer Journalist , der sich durch genaue und fundierte Recherchen auszeichnet . Der Horizont und Texte des Autors G.H. jedoch beschränken sich generell auf Diffamierungen von Einzelpersonen. Er versucht krampfhaft möglichst prominente Leute ins Visier nimmt, um ihnen eine Verbindung zur rechten Szene zu unterstellen.. je prominenter desto mehr Aufmerksamkeit erhofft er sich. Und tappt völlig im Dunkel seiner eigenen Profilierungsnot

    Gunnar Hamann · 27. Mai 2022 at 15:52

    Danke. Aber ein Clown-Emoji hätte mir als Antwort auch gereicht. Beste Grüße!

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