V.l.o.n.r.u..: Andreas Godenrath (FDP), Thomas Godenrath (CDU) und Kerstin Godenrath (CDU).
V.l.o.n.r.u..: Andreas Godenrath (FDP), Thomas Godenrath (CDU) und Kerstin Godenrath (CDU).

Querdenker der Lokalpolitik

Über Andreas Godenrath (FDP) und seine abstrusen Ansichten zu Pandemie, Klimawandel und was die Alternative für Deutschland damit zu tun hat

Der FDP-Politiker Andreas Godenrath aus Halle an der Saale (erste Person v. links oben) leugnet den menschgemachten Klimawandel, hält Corona für eine Grippe und bezeichnet Kritik an der Alternative für Deutschland als Anti-Demokratisch. Eine Betrachtung des Hallensers, seiner verschwörungstheoretischen Äußerungen in den sozialen Medien und der Frage: Was hat eigentlich die CDU Halle damit zu tun?

Andreas Godenrath ist von Beruf Versicherungs- und Finanzmakler für akademische Heilberufe. Er ist Inhaber der Firma transverendum aus Halle (Saale), die als zertifizierter Vorsorge-, Ärzte- und Zahnärzteberater in Erscheinung tritt. Godenrath hat also direkten Kontakt zu Ärzt:innen.

Umso erstaunlicher ist dessen durchgehend ablehnende Haltung zu jedweden Maßnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie. So kritisierte Godenrath bereits am 24.03.2020 die Bundes-FDP, als diese im Bundestag der Feststellung der Pandemielage zustimmte. Carmen Niebergall (CDU), ehemalige Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt, zeigte sich fassungslos über die Äußerung Godenraths und bekam auf Facebook Zustimmung von Godenraths Parteikollegin Helga Schubert.

Godenraths nicht-endende Kritik an der Bundes-FDP mündete am 4. November 2020 sogar in offene, wenn auch wohlmeinend formulierte, Kritik von Katja Raab (FDP und Mitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung in Halle). Sie schrieb unter einem Kommentar von Godenrath: „Wenn es dann in Richtung Wahlkampf geht, würde ich mich freuen, wenn Sie/Du sich mehr am politischen Mitbewerber abarbeiten würden/würdest, als wie bisher ausschließlich an den eigenen Leuten. Vielleicht wäre das doch mal ein geeigneter Zeitpunkt damit anzufangen.“ Godenrath lehnte dies ab.

Corona ist doch nur eine Grippe

Im August 2020 verfasst Thomas Godenrath (CDU Halle) einen mittlerweile gelöschten Tweet, in dem er schreibt: „Leider fehlt die Anzahl de [sic!] Anzahl der Tests mal wieder. Die sind nämlich auch doppelt so hoch wie im April.“ Leider ist nicht ganz nachvollziehbar, worauf er sich bezieht, da das entsprechende Bild nicht mehr abrufbar ist. Seiner Aussage ist jedoch zu entnehmen, dass es sich um Fallzahlen zum Coronavirus handeln muss.

Sein Bruder Andreas Godenrath antwortet darauf: „Zum einen dies. Zum anderen sagt es nichts aus, ob es COVI19 oder ein anderer Virus der Coronafamilie war. Auch nicht, ob der positiv getestete nicht schon im April, im Februar oder gar letztes Jahr positiv war. Auch nicht wer und wenn ja mit welchen Symtomen [sic!] überhaupt erkrankt.

Da damit zu diesem Zeitpunkt nur PCR-Tests gemeint sein können, ist die Aussage falsch und wird weiterhin gerne von Querdenkern verbreitet. Das Recherchenetzwerk CORRECTIV hatte diese Behauptung zu PCR-Tests bereits im April 2020 widerlegt. Thomas Godenrath gefällt der Beitrag seines Bruders übrigens.

Am 17. Oktober reagiert Andreas Godenrath auf eine Meldung des FOCUS. Er schreibt: „Lieber Focus. Es ist zu begrüßen, dass Sie diesen Artikel bringen. Nur wollen Sie die Fakten dann doch wieder deuten, wie zum Beispiel, dass COVID-19 mehr Sterbefälle verursacht als eine Grippe, dass [sic!] ist unseriös. Sterbezahlen [sic!] ohne Verhältnis zur Bevölkerungszahl ebenso.

Am 17.12.2020 folgt dann diese Aussage von Godenrath:

Der Klimawandel ist natürlich „natürlich“ und Öffentlich-Rechtliche sind Staatsfunk

Andreas Godenrath ist nicht nur ein Corona-Verharmloser sondern auch Leugner des menschgemachten Klimawandels. So spricht er am 08. Juli 2019 unter einem Beitrag von Christian Lindner (FDP) von der „Klimalüge“. Wenige Tage später schreibt er folgendes auf Twitter:

Das ist eine irreführende Behauptung. Wieso diese Zahlen nicht korrekt sind und das Argument dahinter falsch ist, kann man beim FOCUS und dem Bayerischen Rundfunk nachlesen. Insgesamt hat die Menschheit seit der Industrialisierung ca. 44-45% zum CO²-Gehalt in der Atmosphäre beigetragen. Nachträglich wies mich der Twitter-Nutzer @HalleVerkehrt noch auf diesen sehr ausführlichen Artikel des Klimawissenschaftlers Stefan Rahmstorf hin, der am Ende auch noch einmal ausführlich auf die von Godenrath hier genannte Prozentzahl eingeht. Rahmstorf erklärt: „Auch dies ist eine klassische, seit vielen Jahren immer wieder benutzte Irreführung der Laien. Hier werden Umsatz mit Gewinn verglichen, nämlich der natürliche CO2-Umsatz der Biosphäre von ca. 770 Milliarden Tonnen pro Jahr (der aber keine netto-Emission darstellt, sondern einen geschlossenen Kreislauf) mit den anthropogenen Emissionen, die dem System netto jedes Jahr 22 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Quellen hinzufügen.

Godenrath wurde übrigens von Christian Lindner auf Twitter blockiert. Nachdem Godenrath sich ablehnend zur Kritik von Lindner an der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit dem Stimmen von CDU, FDP und AfD geäußert hatte. Er macht seinen Unmut dazu am 4. März 2020 Luft und erhält Unterstützung auf Twitter vom Ehepaar Kerstin und Thomas Godenrath.

Am 27. Januar 2020 teilt Godenrath eine alte ARD Reportage. Dazu schreibt er: „Es gab Zeiten, als zum Beispiel eine ARD sich noch nicht in einer Art am Lügen, weglassen oder bewusstem Des- und Falschinformieren beteiligt hat, wie heut zu Tage [sic!]. Ganz zu schweigen der offenen Parteinahme für die Regierung und deren Politik.

Diese ARD-Reportage ist aus mehreren Gründen sehr interessant. Zunächst einmal zum Inhalt der Reportage. Darin kommt Bjørn Lomborg zu Wort. Die öffentliche Rezeption und Kritik von Wissenschaftskolleg:innen an seiner Arbeit ist beeindruckend einhellig. Zudem ist einer der Journalisten, die sich für die Reportage verantwortlich zeichnen, der nicht ganz unbefleckte Günter Ederer. Ederer ist bekannt für seine unkritische Übernahme von Behauptungen der Klimawandelleugner, einer nachgewiesenen Verbindung zur Lobby-Organisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und ist sogar ehemaliger Hauptzeichner bei der Gründung der Alternative für Deutschland.

Das ist leider ein wiederkehrendes Kommunikationsmuster von Andreas Godenrath. Substanzlose Kritik am Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk – wenn, dann ließe sich hier allenfalls die Übernahme der Berichterstattung von Ederer kritisieren – sowie eine unkritische Einstellung in der Auswahl der geteilten Inhalte. 

Besonders symptomatisch dafür ist diese von Godenrath auf Facebook geteilte Darstellung:

Inhaltlich geht es ihm hier offensichtlich um eine Kritik an der CO²-Steuer. Folgt man dem Link, wird allerdings klar, dass es sich dabei um einen kritischen Faktencheck der Plattform MIMIKAMA handelt. Die Faktenchecker stellen gut dar, wieso der Inhalt der Abbildung eben nicht die ganze Wahrheit wiedergibt. Wer den Artikel liest erkennt außerdem, dass dieser in seiner Grundannahme eindeutig klarstellt: Der Klimawandel ist keineswegs natürlichen Ursprungs. Der Slogan von MIMIKAMA lautetet übrigens: „Zuerst denken, dann klicken.

Andreas Godenrath und seine Nähe zur Ideologie der AfD

Godenrath teilt am 3. Januar 2020 einen Twitter-Beitrag. Zu sehen sind Menschen, die zu Silvester in Berlin mit Schreckschusspistolen schießen. Godenrath schreibt dazu: „Naive und gefährliche „Offenheit“ und seine Auswüchse.“ Unklar ist, ob es sich bei den gezeigten Personen im Video um Ausländer handelt. Auch die Behauptung, dass es sich im Video um automatische Waffen handelt, wie von manchen behauptet, wird nicht belegt. Dass es sich ganz offensichtlich um Schreckschusspistolen handelt, untermauert auch die Berichterstattung des Tagesspiegels zur Silversternacht in Berlin. Der Twitternutzer dessen Tweet Godenrath teilt, spricht im gleichen Thread davon, dass es nur noch 6o Jahre bis zur Einführung der Sharia wären.

Am 23.06.2020 schreibt eine Nutzerin auf Twitter zur Einwanderungspolitik: „Die Folgen dieser Politik habe ich im Herbst 2015 meiner älteren Tochter gegenüber so formuliert: „In ein paar Jahren bekommen wir bürgerkriegsähnliche Zustände und in 30 Jahren müssten wir vielleicht Kopftuch tragen.““ Andreas Godenrath gefällt diese Einschätzung und er antwortet: „Nicht nur deswegen.

Am 15.08.2020 schreibt ein weiterer Nutzer unter einem Video aus Belgien folgendes: „Sie kommen in fremde Länder und tun alles dafür, damit diese in die gleichen Shitholes [sic!] verwandelt werden, die [sic!] die Länder, aus denen sie kommen.“ Andreas Godenrath gefällt dieser Beitrag nicht nur, er teilt ihn auch auf seinem Profil und fügt noch hinzu: „Das möchten wir hier in Ostdeutschland nicht.

Am 10. November 2020 schreibt Godenrath einem Nutzer auf Twitter, er „kenne Mitglieder der AfD oder Sympathisanten, die nichts mit dem Gemein haben, was Sie der AfD pauschal unterstellen. Die stehen mitten im Leben und haben im Leben etwas erreicht und mehr für dieses Land getan wie jene, die dies vorgeben getan zu haben.

Das Godenrath den rechtsgerichteten Journalismus von Boris Reitschuster, Tichys Einblick und der Epoch Times teilt, sei hier ebenfalls erwähnt. Zudem war Godenrath Gast bei einer umstrittenen Veranstaltung mit Hans Georg Maaßen (CDU Werteunion und Kandidat der südthüringischen CDU) in Halle (Saale). Veranstaltet wurde der Vortrag von Marco Tullner (CDU Halle und Bildungsminister von Sachsen-Anhalt) sowie Christoph Bernstiel (MdB, CDU Sachsen-Anhalt). Bei seiner Rede zum Thema „Wie sicher ist unsere Demokratie?“ erwähnte Maaßen den wenige Monate zuvor begangenen Anschlag von Halle mit keiner Silbe, wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet.

Godenrath und die GODENRATHS

Godenrath erhält für seine Äußerungen in den sozialen Medien oft Rückendeckung von CDU-Parteimitgliedern in Sachsen-Anhalt und tauscht sich dort auch häufig mit seinem Bruder Thomas Godenrath aus. Insbesondere in der Coronakrise haben beide ein ähnliches Argumentationsmuster an den Tag gelegt, wie die Querdenker, deren Gruppierungen nun auch zum Teil vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich ebenfalls, dass Thomas Godenrath ähnliche Quellen wie sein Bruder zur Bewertung der politischen Lage heranzieht. Dabei handelt es sich um Journalismus, der von „Lügenpresse“, „Klimalüge“ und dergleichen spricht und bei der Berichterstattung wertend statt sachlich berichtet. Eine gute Auswertung der Manipulationen von Boris Reitschuster hat der Volksverpetzer geliefert. Fazit dort: „Wer Reitschuster liest, will getäuscht werden.

Am erstaunlichsten ist jedoch, dass die Lebensgefährtin von Thomas Godenrath  Kerstin Godenrath (CDU Halle und Kandidatin zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt) – sich ebenfalls derartiger Quellen bedient. Auf Twitter folgt sie sogar dem Compact-Magazin, das auch im Kiosk des KOPP-Verlags beworben wird. Das Compact-Magazin gilt als „Sprachrohr der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung“. Zudem werten „Wissenschaftler und Journalisten (…) die Zeitschrift als verschwörungsideologisches Querfront-Magazin und ordnen sie dem Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus zu.“ Das Magazin wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft.

Die AfD scheint damit bereits mitten in der CDU von Halle (Saale) angekommen zu sein. Besonders bedenklich, weil Kerstin Godenrath als Kandidatin für den Landtag in Sachsen-Anhalt aufgestellt wurde. Dementsprechend ist fraglich, ob die Distanzierung der CDU Sachsen-Anhalt von der AfD nicht einfach nur ein Feigenblatt darstellt, wenn man bedenkt welche Einstellungen dort – im wahrsten Sinne des Wortes geteilt werden. Marco Tullner hat auf meine Anfragen dazu am heutigen Tag bislang nicht reagiert und Kerstin Godenrath hat mich auf Twitter blockiert. Als Beweis habe ich dieses Bild gesichert:

Und was Andreas Godenrath von der FDP in Halle (Saale) angeht: Wer offen rechtsextremes Gedankengut teilt, Corona mit einer Grippe vergleicht, von der Klimalüge spricht, breite wissenschaftliche Erkenntnisse ohne Fachwissen als falsch deklariert, die Idee der Europäischen Union per se in Frage stellt, den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk pauschal Lügen bezichtigt und sich dann selbst als demokratisches Bollwerk der Freiheit sieht, der hat in der Politik nichts verloren oder sollte in eine Partei wechseln, die all diese Einstellungen ebenfalls teilt. Die Alternative für Deutschland in Sachsen-Anhalt steht ihm offen.

*Nachtrag: 03.05.2021 - Telefonat mit Kerstin Godenrath

Noch am gestrigen Tag, kurz nach der Veröffentlichung des Artikels, blockierte mich Kerstin Godenrath nicht nur auf Twitter sondern auch mit ihrem separaten offiziellen Account als Kandidatin zur Landtagswahl auf Instagram. Ich hatte kurz zuvor auf Instagram eine Story erstellt um auf meine Recherchen aufmerksam zu machen. In der Story hatte ich ihren politischen Account verlinkt, um auch dort Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Am heutigen Internationalen Tag der Pressefreiheit habe ich die Gelegenheit genutzt, um Kerstin Godenrath telefonisch zu fragen, welche Gründe sie zu diesem Schritt veranlasst haben.

Godenrath stieg in das Gespräch ein mit den Worten: „Sie verurteilen meine Person„. Laut Godenrath würde ich mit dem Beitrag ein komplett falsches Bild zeichnen. So warf sie mir vor, dass ich ihr und Andreas Godenrath eine, Zitat, „enge Bindung“ unterstellt hätte und sie als Querdenkerin und Extremistin verunglimpfe. Beides, erwiderte ich, sei sachlich nicht korrekt, denn ich bezeichne sie in meinem Artikel nie als eine Querdenkerin oder Extremistin. Auch das Zitat einer „engen Bindung“ fehlt. Korrekt ist jedoch – und dafür liefere ich Belege , dass Kerstin Godenrath auf Twitter Accounts folgt, die dem rechtsradikalen bis rechtsextremistischen Spektrum angehören. Boris Reitschuster als prototypischer Journalist für Coronaleugner und gemäßigte Querdenker ist dabei nur ein Beispiel. Da die Unterstellung von Extremismus ein sehr scharfes Schwert ist und ich auch von meiner rein subjektiven Betrachtung Godenrath nicht als solche einschätze, wäre ich auch nie auf die Idee gekommen sie also solche zu bezeichnen. Auch das sage ich ihr deutlich am Telefon.

Der Titel des Beitrags „Querdenker in der Lokalpolitik“ ist mehrdeutig. Dennoch wird im einleitenden Teaser namentlich nur klar Bezug auf Andreas Godenrath genommen. Ihm widme ich ja auch den Großteil meines Beitrags. Dass ich bei der Recherche natürlich über Kerstin Godenrath und ihren Mann gestolpert bin, ist keine „Sippenhaft„, wie Kerstin Godenrath es am Telefon nennt. {Nachträgliche Ergänzung, 18.05.2021: Auf der Google-Suche mit den Begriffen „Godenrath“ und „Halle“ stößt man zwangsläufig auch auf die Politiker:innen Godenrath. Es handelte sich um eine natürliche Entwicklung meiner Recherche}. Und da ich dies im Artikel auch thematisiere, ist es für die Berichterstattung notwendig, den Leser:innen zu erklären, dass es im Artikel um mehr als nur eine Person geht. Daher verwende ich die Bilder von Andreas, Thomas und Kerstin Godenrath (in dieser Reihenfolge).

Kerstin Godenrath sagte, sie würde diesem Accounts nur folgen, aber nicht deren Inhalte teilen. Für COMPACT trifft dies zu. Allerdings gab es faktisch mehrere Retweets von Artikeln von Boris Reitschuster durch den mittlerweile komplett auf privat geschaltenen Account von Kerstin Godenrath. Laut Godenrath habe COMPACT ihren Account zuerst verfolgt. Daraufhin habe sie ohne Prüfung der Inhalte das Magazin zurückgefolgt. 

Was man dazu wissen muss: Wenn man auf Twitter einem Account folgt, so sieht man dessen geteilte Inhalte in der eigenen Timeline auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit. Beispiel: Wenn mich als Journalist das Thema Astrophysik nicht interessieren würde, dann sollte ich es tunlichst vermeiden entsprechenden Accounts zu folgen.

Außerdem habe ich, so Kerstin Godenrath weiter, sie vor der Veröffentlichung auch nicht kontaktiert, um mir eine Gegenmeinung einzuholen. Das ist korrekt. Allerdings hatte ich auch vorerst keine Nachfragen, da die Faktenlage für meinen Artikel klar ist. Da Kerstin Godenrath neben COMPACT noch anderen Publikationen aus dem rechtsradikalen bis rechtsextremen Spektrum folgt (bspw. Exxpress.at), halte ich die Aussage zunächst einmal für unglaubwürdig. Insbesondere deshalb, weil es auch kein Unrechtsbewusstsein zu geben scheint. Auch nach meiner Berichterstattung hat Kerstin Godenrath weder das fraglich Magazin noch Boris Reitschuster aus ihrer Liste an Personen genommen, der sie folgt.

Meiner Bitte die Sperre für meinen Account auf Instagram aufzuheben, wolle Godenrath nicht nachkommen, da sie sich offenbar als Opfer einer verfälschten Berichterstattung sieht. Ich solle mich an ihren Anwalt wenden oder eine Mail schreiben. Sie würde dann entscheiden, worauf sie antworten werde. Dass dies nicht gleichzusetzen ist mit der Informationsqualität einer direkten Information durch ihren politischen Account auf Instagram, sollte nachvollziehbar sein.

Es ist für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar, wenn Politiker:innen in ihrer Parteifunktion Journalisten sperren. Insbesondere dann nicht, wenn die Kommunikation ohne Beleidigungen abgelaufen ist. Letzteres würde ich nachvollziehen können. Dass ich jedoch aufgrund einer sachlich-kritischen Berichterstattung von Kerstin Godenrath gesperrt werde, sollte ein Skandal für die CDU in Halle und in Sachsen-Anhalt sein.

Andreas Godenrath schrieb übrigens vor wenigen Stunden das hier:

Das ist eine unverhohlene juristische Drohung. Na dann, einen schönen internationalen Tag der Pressefreiheit.

Bildungsminister Marco Tullner und Ministerpräsident Haseloff (CDU) reagierten auf meine Anfragen bisher weiterhin nicht.

*Nachtrag: 04.05.2021 - Des einen Journalist...

Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass Kerstin Godenrath am Telefon gesagt hat, ich sei für sie kein richtiger Journalist. Harter Tobak, da ich bereits unter anderem für Radio LOTTE Weimar und Radio Corax (Halle) gearbeitet habe. 2015 habe ich für meine Arbeit den Länderpreis Thüringen beim Bürgermedienpreis „Rundfunkpreis Mitteldeutschland 2015 – Bürgermedien Hörfunk und Fernsehen“ gewonnen. Eine kleine Auswahl meiner journalistischen Arbeiten findet sich hier.

Nochmal: Ich wünsche nachträglich einen schönen Internationalen Tag der Pressefreiheit.

*Nachtrag: 09.05.2021 - Erpressung und Abschied

Andreas Godenrath erscheint seit kurzem nicht mehr auf der Seite des FDP-Kreisverbands in Halle (Saale). Dementsprechend gehe ich davon aus, dass man intern eine Entscheidung zu Ungunsten von Godenrath getroffen hat.

Gleichzeitig spielt sich auf Seiten der CDU ein sehr ungewöhnlicher Machtkampf ab, in den scheinbar auch Thomas Godenrath involviert ist. Kürzlich eröffneten einige  Internetauftritt Neue-CDU-LSA. Die Internetpräsenz sammelt Stimmen, die sich klar gegen eine mögliche Kooperation mit der AfD nach der Landtagswahl ausspricht.

In der vergangenen Woche tauchte jedoch kurzfristig der folgende Text auf der Seite auf, den ich hier vollständig zitieren möchte (Hervorhebungen von mir). Ein Screenshot befindet sich hier.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich finde ihre öffentliche Aufforderung kurz vor der Wahl zur Abgrenzung zur AfD eine Frechheit und soll offensichtlich uns schaden. Wenn eine stabile Regierung nur gebildet werden kann, in dem die AfD zur Verantwortungsübernahme gebeten wird, sollte dies vorurteilsfrei geprüft werden, welche Schnittmengen bestehen. Hier geht es um Verantwortung für unser Land und nicht um persönliche Postenwünsche.

Entscheident [sic!] ist, dass Marco Tullner wieder in ein Ministeramt kommt. Jeder sollte wissen, wie schwierig dies 2016 war und nur durch die Erpressung gegenüber Reiner Haseloff möglich wurde, in dem die Delegierten aus den südlichen Landesteilen einem Koalitionsvertrag sonst nicht zugestimmt hätten. Nur dadurch, dass die CDU Halle alle ihre Wahlkreis-Kandidaten aus dem Ortsverband Halle-Süd vorgegeben bekommen hat, wird sichergestellt, dass im Interesse von unserem Marco alles abläuft.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Godenrath
Vorsitzender CDU Halle-Süd

*Nachtrag: 10.05.2021 - Richtigstellung zum letzten nachtrag

Stefanie Elger vom CDU Kreisverband Halle (Ortsverband Mitte) wies mich per Mail zu Recht darauf hin, dass die Seite Neue-CDU-LSA keine offizielle Seite der CDU ist. Es handle sich um den Zusammenschluss „engagierter Mitglieder aus einigen Ortsverbänden“.

Zudem, so Elger, sei der im Internet kursierende Screenshot mit dem angeblichen Schreiben von Thomas Godenrath nicht echt, bzw. stamme nicht von Godenrath selbst. Dies habe man aufgrund abweichender Kontaktdaten festgestellt und sei momentan darum bemüht, den oder die Verfasserin ausfindig zu machen.

Dementsprechende habe ich die besagten Stellen im Nachtrag gestrichen.

*Nachtrag: 24.05.2021 - Die Ruhe vor dem Sturm und das "Juristische Nachspiel"

Ich erhielt zu Beginn dieser Woche einen Brief von einem Rechtsanwalt. Genauer gesagt von Thomas Leimbach (CDU), der zwischen 1998 und 2012 stellvertretender CDU-Landesvorsitzender war. Die Mandant:innen die er vertritt heißen Kerstin und Thomas Godenrath. Das sechs Seiten umfassende Schreiben zu zitieren wurde mir untersagt. Es handelt sich jedoch nicht um eine Unterlassungserklärung oder die Aufforderung zur Veröffentlichung einer Richtigstellung, sondern um eine Bitte zur Korrektur. Ganze neun Stellen sollen unsauber recherchiert worden sein und würden die Persönlichkeitsrechte und den Ehrenschutz der Godenraths berühren.

Nach Rücksprache mit einem gestandenen Journalisten, einem angehenden Juristen sowie weiteren Personen, die sich mit Medienrecht auskennen – und die anhand der Vorwürfe und meines Beitrags den Sachverhalt geprüft haben – habe ich mich entschlossen der Aufforderung zu entsprechen und Anpassungen vorzunehmen.

Ich gehe hier auf einzelne Abschnitte ein die im Schreiben kritisiert wurden und liefere weitere Belege für meine Thesen. Da zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines Beitrags beide Accounts noch zugänglich waren, ging ich davon aus, dass meine Leser:innen die Angaben leicht nachprüfen konnten. Dies ist nun nicht mehr länger der Fall, da Thomas und Kerstin Godenrath ihre Accounts kurz nach der Veröffentlichung auf „privat“ gesetzt haben. Daher hier meine akribische Nachrecherche:

„Godenrath erhält für seine Äußerungen auf den sozialen Medien oft Rückendeckung von CDU-Parteimitgliedern in Sachsen-Anhalt und tauscht sich dort auch häufig mit seinem Bruder Thomas Godenrath aus. Insbesondere in der Coronakrise haben beide ein ähnliches Argumentationsmuster an den Tag gelegt, wie die Querdenker, deren Gruppierungen nun auch zum Teil vom Verfassungsschutz beobachtet werden.“

Gunnar Hamann

Diese Aussage ist korrekt. So interagiert Godenrath beispielsweise mit einem Tweet von Christoph Lütge. Folgt man dem Link zum Status von Thomas Godenrath (auf Twitter @ketzapp1), so wird man weitergeleitet auf diesen Tweet. Darin schreibt Lütge: „Überall wird geöffnet. Ohne Testwahn, ohne indirekte Impfpflicht. Außer in Deutschland, denn Merkel, Söder und Co wollen es nicht. Sie wollen keine positiven Perspektiven für die Menschen. Sie wollen offenbar nur noch Spaltung und Zerstörung. Die Bürger müssen jetzt aufwachen.

Weiterleitungen kommen nur dann zustande, wenn ein Tweet von Nutzer:innen weiterverbreitet wird. Ein Hinweis auf eine kritische Distanzierung von Thomas Godenrath ist im Archiv nicht zu finden.

Zur Erinnerung, Lütge wurde als Experte im Bayerischen Ethikrat abgesetzt, nachdem er mit seinen vorherigen Äußerungen für einige Verwirrung gesorgt hatte. Nachzulesen auch bei mir in einem früher erschienen Beitrag. Lütges Aussagen werden auch gerne von Querdenkern geteilt. Lütge hat kürzlich ein Buch mit Michael Esfeld veröffentlicht. Der Titel: „Und die Freiheit? Wie die Corona-Politik und der Missbrauch der Wissenschaft unsere offene Gesellschaft bedrohen“. Dafür wurde er von „Frische Sicht“ – dem laut Eigendarstellung „Presseportal für unabhängigen Journalismus“ –  befragt. Unter der Rubrik „Menschen mit Mut“ interviewte das „Presseportal“ übrigens im Januar 2021 Frank Höfer von NuoViso. Mehr über diese Plattform findet sich in einem Artikel auf ZEIT Online.

Kurz vor der Veröffentlichung meines Beitrags hatte ich übrigens ein Gespräch mit Thomas Godenrath auf Twitter, dass man in drei Teilen in Gänze hier nachlesen kann (Link #1, Link #2, Link #3). Thomas Godenrath versteht die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel nicht, dass die Impfungen zu einer veränderten Bewertung der Inzidenzzahlen führen. Ich versuche ihm dies zu erklären, aber er weicht unter anderem auf Trump aus und meint, dieser habe die Pandemie wunderbar gemanagt.

Thomas Godenrath teilt ebenfalls den Tweet des Journalisten Henning Rosenbusch. Der CDU-Mann Godenrath verlinkt zu einem Beitrag von Cicero mit einem von Rosenbusch noch einmal hervorgehobenen Zitat: „»Ein kanadischer Ökonom hat 80 Studien zum Nutzen dieser Lockdown-Politik ausgewertet – und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis.«“ Die Studie (in englischer Sprache) kann man hier einsehen.

Douglas W. Allens Studie ist übrigens nicht Peer-Reviewt, das heißt sie wurde bisher nicht wissenschaftlich auf ihre Methodik überprüft. Allen ist außerdem lediglich Ökonom und kein Epidemiologe oder Virologe. Diese Fakten sprechen nicht dagegen, dass die Studie korrekt ist, sie stellen jedoch zumindest die volle Glaubwürdigkeit dieser möglicherweise in Frage. Auf Twitter haben Miriam Hollstein (Chefreporterin Politik bei Funke) sowie Marcus Ewald (Unternehmer) sich kritisch mit der Studie auseinandergesetzt. Der englische Wikipedia-Artikel zu Douglas W. Allen ist sehr empfehlenswert.

Zudem ist es wichtig auch ein paar Worte zu Rosenbusch zu verlieren. Er ist Autor der Nachdenkseiten und dem Lager der Coronaskeptiker zuzuordnen. Er verwendet hier beispielsweise eine irreführende Abbildung, die den Anschein erweckt, dass Deutschland und Schweden eine ähnliche Anzahl an Coronatoten auf die Gesamtbevölkerung berechnet zu beklagen haben. Einen sehr lesenswerten und differenzierten Artikel zum Sonderweg von Schweden findet man auf der Internetseite von Quarks & Co.

Apropos andere Länder. Markus Söder schreibt im Dezember auf Twitter: „Die steigende Zahl der Todesfälle zeigt den Ernst der Lage. Wir sind nicht bereit, das so hinzunehmen. Das ständige Kleinreden und Leugnen von Corona ist ein Problem. Die Grundphilosophie heißt jetzt: Daheim bleiben.“ „Sie verstehen nicht, das Schema F nicht funktionieren wird. Chinamethoden funktionieren in Europa nicht. Auch wenn Sie die am liebsten hätten“, schreibt Thomas Godenrath ihm und antwortet in diesem Thread noch auf einen weiteren Kommentar mit den Worten: „Merkel hat die (Anmerkung: gemeint ist China) ja schon gelobt. Demokratische Länder müssen andere Antworten finden. Siehe Tübingen oder Schweiz.

Godenrath unterstellt hier der Kanzlerin und Markus Söder eine Orientierung an autoritären Regimen. Damit weist Thomas Godenrath ein wichtiges Merkmal von Anhänger:innen der Querdenken-Bewegung auf. „Widerstand gegen einen Staat, der zur Diktatur verkommt“, wie Elvira Rosert in ihrem Artikel für die Zeitung Neues Deutschland ausmacht. Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunde erklärte das Modellprojekt in Tübingen übrigens in einem Interview mit NTV aus dem April für „mehr oder wenig gescheitert.“ Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter

Was die Schweiz angeht, so reicht ein Blick auf diese Abbildung im Schweizer Rundfunk, um das von Godenrath gezeichnete Bild ins Wanken zu bringen. Der Anstieg an Neuinfektionen in der Schweiz, insbesondere im Zeitraum von Oktober bis November ist im Vergleich zu Deutschland überwältigend und zeigt einmal mehr, welche Gefahr von einem exponentiellen Wachstum von Viruskrankheiten ausgeht.

Einen weiteren Einblick in seine Gedankengänge gibt Thomas Godenrath in diesem Gespräch. Darin behauptet er am 12. Dezember, dass ein Schutz der betroffenen Altersgruppen anderen Maßnahmen gegenüber vorzuziehen sei, weil: „es nicht daran liegt, dass sich die Leute nicht daran (Anmerkung: gemeint sind die Coronamaßnahmen) halten, sondern an der Strategie, nicht die Risikogruppen zu schützen, sondern die Kräfte auf breiter Front zu verschleißen.“ Auf den nachfolgenden Kommentar des Nutzers antwortet er nicht mehr. 

Damit liegt Godenrath auf einer Linie mit der sogenannten „Great Barrington Declaration“. Diese wird von Deutschlands führenden Expert:innen seit langem mit guten Argumenten abgelehnt, wie dieser Artikel von Quarks & Co. aus dem Oktober 2020 darlegt. Die Gruppe „Querdenken 741 – Ravensburg“ sei hier beispielhaft genannt, denn auch sie beruft sich auf die „Great Barringon Declaration“ und schreibt in ihrer Quellensammlung, mit Verlinkung auf einen Artikel der BILD: „Der Beweis, dass die Great Barrington Declaration funktioniert.

Wer also vielfältige seriöse Informationsquellen heranzieht, sollte dies wissen. Welche Partei hat in Sachsen-Anhalt übrigens im Februar 2021 gefordert: „Risikogruppen schützen – Lockdown beenden“? Es handelt sich um die AfD. Halte ich Thomas Godenrath nun aber für einen Querdenker? Ich würde aufgrund der genannten Faktenlage den Schluss ziehen, dass er keinesfalls ein Coronaleugner ist. Er ist in meinen Augen auch niemand, der sich an einer Demonstration gegen die Maßnahmen direkt beteiligen würde. Die Argumentationsmuster sind jedoch vergleichbar mit denen von Coronaskeptikern im Gefilde von Querdenken, die die Gefahr die vom Virus ausgeht, herunterspielen.

Ich habe im letzten Abschnitt bereits das Wort „Informationsquellen“ verwendet. Darum soll es nun hier im nächsten Punkt der Korrektur gehen:

„Nicht unerwähnt lassen möchte ich ebenfalls, dass Thomas Godenrath ähnliche Quellen wie sein Bruder zur Bewertung der politischen Lage heranzieht. Dabei handelt es sich um Journalismus, der von „Lügenpresse“, „Klimalüge“ und dergleichen spricht und bei der Berichterstattung wertend statt sachlich berichtet. Eine gute Auswertung der Manipulationen von Boris Reitschuster hat der Volksverpetzer geliefert. Fazit dort: »Wer Reitschuster liest, will getäuscht werden.«“

Gunnar Hamann

Ja, Thomas Godenrath teilt und kommentiert Beiträge von Boris Reitschuster. Wieso dieser Abschnitt überhaupt beanstandet wurde, ist mir ein Rätsel. Er kommentiert hier, hier, hier und hier ebenfalls. Er retweetet Reitschuster bspw. hier und hier. Thomas Godenrath kommentiert auch bei Roland Tichy und retweetet diesen ebenfalls. Er reweetet auf seinem Account auch früher das islamophobe und mittlerweile auf Twitter gesperrte @onlinemagazin. Das Reitschuster gerne die Validität der Medien und der Klimakrise mit unwissenschaftlichen Argumentationen in Frage stellt, ist kein Geheimnis. Selbes gilt auch für Thomas Godenrath, wie ich gleich noch hier zeigen werden. Doch zunächst:

„Am erstaunlichsten ist jedoch, dass die Lebensgefährtin von Thomas Godenrath – Kerstin Godenrath (CDU Halle und Kandidatin zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt) – sich ebenfalls derartiger Quellen bedient. Auf Twitter folgt sie sogar dem Compact-Magazin, das auch im Kiosk des KOPP-Verlags beworben wird. Das Compact-Magazin gilt als „Sprachrohr der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung“. Zudem werten „Wissenschaftler und Journalisten (…) die Zeitschrift als verschwörungsideologisches Querfront-Magazin und ordnen sie dem Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus zu.“ Das Magazin wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft.“

Gunnar Hamann

Kerstin Godenrath bedient sich in der Tat „derartiger Quellen“. Wie ihr Mann, scheint auch sie Andreas Hallaschka wahrzunehmen. Zumindest kommentiert sie einen seiner Tweets in einer Art, die auf ein Wohlwollen ihm gegenüber schließen lässt. Hallaschka wird übrigens von Argonerd beworben, der zum Inventar der rechten Twitter-Bubble gehört, die mit Desinformationen arbeitet und zu der auch der Autor Reitschuster zählt. Kerstin Godenrath hat selbst mindestens zwei Tweets von Argonerd geteilt. 

Via Link kann ich das nicht mehr nachweisen, da Kerstin Godenrath ihren Account auf „privat“ gestellt hat. Erstens hat sie mir dies im gemeinsamen Telefonat mündlich bestätigt und Argonerd dabei verteidigt und zweitens habe ich kurz vor unserem Telefonat noch einige der entsprechenden Tweets die sie geteilt hatte, in einem Word-Dokument protokollieren können. Dass sie Reitschuster kommentiert, ist jedenfalls nicht unstrittig (siehe auch hier). Die Accounts denen Kerstin Godenrath folgt habe ich darüber hinaus bereits lange vor der Veröffentlichung des Beitrags protokolliert und auf Twitter veröffentlicht. Über diesen Link kann man auf das entsprechende Dokument zugreifen und die Metadaten selbst abgleichen. Zudem fand die Debatte auch nicht in einem luftleeren Raum statt. Was die Follower und von Kerstin Godenrath verfolgten Accounts angeht, gibt es sicherlich einige Zeugen auf Twitter:

Hinweis: Das Compact-Magazin gehört nicht direkt zum KOPP-Verlag, wie ich hier fälschlicherweise schreibe, sondern wird dort lediglich beworben.

Außerdem habe ich ebenfalls vorher ein Dokument mit meinen Recherchen zur Verfügung gestellt, welches hier abgerufen werden kann und auf das ich mich im folgenden Gespräch auf Twitter beziehe:

„Die AfD scheint damit bereits mitten in der CDU von Halle (Saale) angekommen zu sein. Besonders bedenklich, weil Kerstin Godenrath als Kandidatin für den Landtag in Sachsen-Anhalt aufgestellt wurde. Dementsprechend ist fraglich, ob die Distanzierung der CDU Sachsen-Anhalt von der AfD nicht einfach nur ein Feigenblatt darstellt, wenn man bedenkt welche Einstellungen dort – im wahrsten Sinne des Wortes – geteilt werden. Marco Tullner hat auf meine Anfragen dazu am heutigen Tag bislang nicht reagiert und Kerstin Godenrath hat mich auf Twitter blockiert. Als Beweis habe ich dieses Bild gesichert:“

Gunnar Hamann

Auch an dieser Aussage halte ich fest. Thomas Godenraths Befürwortung von Trump und seine Versuche ihn immer wieder vor Kritik zu schützen, seine Retweets der AfD-nahen Presse und Befürwortung von Hans Georg Maaßen (siehe hier, hier, hier oder hier), der wie kein anderer für einen Kuschelkurs mit der AfD steht, lassen diese Meinungsaussage zu. Hier ist der Retweet einer besonders interessanten Quelle durch Godenrath, die die Verschwörungstheorie verbreitet: „‼️‼️🇺🇸🇺🇸 Die Demokraten haben ihre Armee aktiviert!?! Die Demokraten müssen alles tun, damit #Trump die Wahl verliert……sonst kommen alle ihre Taten ans Licht….wir müssen jetzt vorsichtig aber bestimmend agieren 🇺🇸🇺🇸‼️‼️ @realDonaldTrump“. 

Thomas Godenrath nimmt hier beispielsweise die AfD indirekt in Schutz. Eine Nähe zur AfD ist daher keine Konstruktion von mir, sondern liegt für mich im Anbetracht der Sachlage sehr nahe. Ähnlich gilt das auch für Kerstin Godenrath. Sie setzte sich klar für eine Wahl von Kemmerich (FDP Thüringen) mit den Stimmen der AfD in Thüringen ein. So etwa hier oder auch eher indirekt hier. Sie bezeichnet in letzterem Link die Entlassung des Ostbeauftragten Christian Hirte als „Rundumschlag“ und stellt das Demokratieverständnis der Bundeskanzlerin in Frage. Hirte wurde zum Rücktritt gedrängt, nachdem er Kemmerich (FDP Thüringen) zur Wahl als Ministerpräsident mit den Stimmen der AfD gratuliert hatte. Zur Causa sagt Kerstin Godenrath ebenfalls: „Traurig wie hier mit Demokratie und Meinungsfreiheit umgegangen wird. Traurig wie Menschen behandelt werden, die von der Meinung der Kanzlerin abweichen. Traurig, wenn man sich fragt, wohin das führen soll.“ Wohin das führen soll, lässt Kerstin Godenrath offen.

Auch das ist ein typisches Muster von Anhänger:innen der AfD. Die Unterstellung, dass Pressefreiheit und Demokratie nur eine Fassade seien. Ihr Mann äußert sich beispielsweise folgendermaßen: „Nicht neutral berichten und abkassieren =WDR“ oder auch so: „Der WDR sollte aufgelöst werden.“ Ähnlich positioniert sich auch der AfD-Politiker Christian Blex aus der Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen. Er schreibt in populistischer Manier: „Deutschland braucht keinen Staatsfunk.

Kerstin und Thomas Godenrath verbindet auch die große Skepsis gegenüber den Auswirkungen des Klimwandels. Thomas Godenrath stellt die für Klimawandelskeptiker typische Frage: „Vermisst noch jemand den Jahrhundertsommer auf Grund des menschengemachten Klimawandels, der uns immer bei Anne Will versprochen wird?“ Kerstin Godenrath antwortet: „Ich könnte jetzt „Ich“ rufen, aber vielleicht würde man mir Befangenheit unterstellen… 😇“ Andreas Godenrath antwortet auf letzteres: „Aber was soll’s. Diesmal folge ich der Klima-Koryphäe Frau Neubauer, FFF und all den Klimajüngern. Falls ich einmal den Verstand verlieren sollte.“ Kerstin Godenrath schreibt zurück: „Wenn’s soweit ist, geben wir dir Bescheid.“ 

Diese Konversation ist hier und hier in Gänze nachzulesen. Dies erinnert inhaltlich auch an Äußerungen von Klimawandelskeptikern wie Olaf Opitz, der für Reitschuster im Februar 2021 einen entsprechenden Gastbeitrag auf dessem Blog veröffentlichte.

Kerstin Godenrath sagte zuvor auch über die beiden Umweltaktivistinnen Hannah Blitz (Fridays For Future) und Nike Malhaus (Ende Gelände): „2 Gören (…). Vielleicht wird es Zeit, dass die beiden mal Konsequenzen ihres »Ungehorsams« zu spüren bekommen.“ Das Wort „Klimaunion“ ist Thomas Godenrathpeinlich“. Wie der Südwestrundfunk berichtet, sind Anhänger:innen von AfD und Donald Trump bestens mit Klimawandelskeptikern vernetzt. Der Kreis schließt sich für mich.

Wer nach all diesen Sachverhalten an meinen Aussagen weiter zweifeln kann, der sollte gute Gründe dafür vorbringen. Ich lasse mich jedoch nicht einschüchtern, insbesondere dann nicht, wenn ich die Faktenlage auf meiner Seite habe.

In den kommenden Tagen folgt auf meiner Seite ein neuer Beitrag, der meine begründeten Annahmen weiter bestätigen wird. (Nachtrag: 28.05.: Der Beitrag wird nicht erscheinen, da ich die mir zugetragenen Informationen nicht mehr als glaubwürdig einstufen kann). Bis dahin bitte ich um Geduld und bedanke mich bei allen, die mir die Treue halten. Über diesen Link können meine Leser:innen die Recherchesammlung für diesen Nachtrag einsehen. Darin finden sich auch weitere Zitate und Sachverhalte, die ich hier nicht alle einbauen konnte.

P.S.: Die einzigen Anpassung die ich heute am ursprünglichen Beitrag vorgenommen habe ist eine Umbenennung einer vorigen Unterüberschrift sowie eine Änderung des Beitragsbilds. Der Inhalt hat sich nicht verändert.

*Nachtrag: 28.05.2021 - Interview zum Thema auf Radio Corax

Am Mittwoch zeichnete Aljoscha von Radio Corax Halle ein Interview mit mir zur Sache auf. War bestimmt nicht einfach zu schneiden 😉

Hier mein Mitschnitt von der heutigen Sendung des Studierendenradios:

*Nachtrag: 04.06.2021 - Radio-Corax-Link und die Blockierung der Pressefreiheit

Ich möchte hier noch den Link zum Interview im Studierendenradio von Radio Corax bereitstellen: KLICK MICH.

Dann noch eine weitere Begebenheit und eine kleine Vorgeschichte dazu: Kurz nachdem mein Hauptaccount auf Instagram (@ostprog) vom offiziellen CDU-Account von Kerstin Godenrath auf Instagram blockiert wurde, wechselte ich auf meinen Zweit-Account (@ostsalat), um auf meine Recherchen zu ihrer Person hinzuweisen. Als Journalist bin ich dazu berechtigt. 

In diesem Fall sehe ich es kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aber sogar als meine Pflicht an, auf diese Recherchen aufmerksam zu machen. Am Dienstag, dem zweiten Juni, stellte ich dann plötzlich fest: Nun wurde auch mein Zweit-Account von Kerstin Godenraths Account blockiert. Warum ich das für einen unzumutbaren Zustand halte, darauf werde ich am heutigen Tag noch in einem Statement auf meiner Seite eingehen, wenn sich an diesem Zustand nichts ändern sollte.

Zurück zum Sachverhalt: Ich setzte mich daraufhin noch am selben Tag, dem zweiten Juni, mit dem Rechtsanwalt von Kerstin Godenrath in Verbindung. Zur Skizzierung der darauf folgenden Interaktion, hier mein Twitter-Thread, den ich kurze Zeit nach dem Gespräch zur weiteren Protokollierung nutzte:

Mehr schreibe ich dazu in diesem Nachtrag vorerst nicht. Nur ein Hinweis sei gegeben, falls sich an diesem Zustand am heutigen Tag nichts mehr ändern sollte, wie ich in einer Mail an den Rechtsanwalt von Kerstin Godenrath noch am selben Tag (02.06.2021) festhielt:

Sehr geehrter Herr Leimbach,

ich erwäge eine Anzeige Ihrer Mandantin Kerstin Godenrath für den Fall, dass Sie mich weiterhin mit meinen beiden Instagram-Accounts blockiert. Es handelt sich um die Accounts @ostprog (https://www.instagram.com/ostprog/) und @ostsalat (https://www.instagram.com/ostsalat). Ich habe Sie heute telefonisch bereits kontaktiert, da ich bzgl. Ihrem Schreiben vom 08. Mai und meinen darauffolgenden Korrekturen keine Rückmeldung von Ihnen, bzw. Ihren Mandant:innen (Thomas und Kerstin Godenrath) erhalten habe. Zudem gaben Sie bzgl. meiner Blockierung auf Instagram an, dass Ihre Mandantin Kerstin Godenrath diesbezüglich keine Aussage treffen würde.

Ich weise Sie und Ihre Mandantin auf §5 GG und die Pressefreiheit hin, Zitat:

"(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."

Bei dem Account Ihrer Mandantin Kerstin Godenrath @kerstin.godenrath.cdu (https://www.instagram.com/kerstin.godenrath.cdu/) handelt es sich um einen Account der CDU zur Landtagswahl 2021. Entsprechend wird hier meine Berichterstattung und auch mein als auch das Recht der Öffentlichkeit zur persönlichen Information eingeschränkt.

Eine Ehrverletzung ist nicht erfolgt. Derartige Vorwürfe weise ich entschieden von mir. Sollten Sie bis zum morgigen Abend nicht auf meine Forderung reagieren, sehe ich mich andernfalls leider am Freitag (04.06.2021) zu diesem Schritt gezwungen.

Sollte ich bis Freitag keine Antwort erhalten haben, werde ich Sie vorab telefonisch erneut informieren.

Hochachtungsvoll,

Gunnar Hamann

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7 Comments

Benjamin Flux · 24. Mai 2021 at 9:38

Danke für die umfangreiche und spannende Recherche. Bezeichnend, dass statt Aufklärung und kritischem demokratischem Diskurs von Seiten der CDU nur Post vom Rechtsanwalt kam.

    Gunnar Hamann · 24. Mai 2021 at 20:15

    Vielen lieben Dank,

    hat mich auch eine ganze Weile auf Trab gehalten. Ich habe kürzlich einen Patreon-Account eingerichtet (https://patreon.com/ostprog). Wer Geld übrig hat (andernfalls bitte nicht!), kann mich dort gerne unterstützen. Ich erhalte für meine Arbeit bislang keine finanziellen Zuwendungen und werde den Patreon auch wieder deaktivieren, sobald ich eine Anstellung finde oder als freischaffender Journalist von meiner Arbeit leben kann.

    Beste Grüße und danke für das Lob,
    Gunnar Hamann

Choc it · 29. Mai 2021 at 17:02

Ich schließe mich Benjamin Flux an – gute und vor allem wichtige Arbeit, Herr Hamann, danke dafür. Kämpfen Sie im Allgemeinen bitte weiter gegen Intransparenz und für Gerechtigkeit. Alles Gute für Sie.

Statement zu Kerstin Godenrath (CDU Halle) | Pressefreiheit | OSTPROG · 4. Juni 2021 at 17:18

[…] Beitrags gehe ich hier aus Zeit- und Platzgründen nicht weiter ein. Dazu bitte ich darum, den entsprechenden Beitrag zu lesen, um sich ein Bild zu […]

Ein Pyrrhussieg für die Demokratie | OSTPROG · 7. Juni 2021 at 21:53

[…] man kein Journalist mehr, wenn man einen Fehler macht und diesen sogar eingesteht? Wieso folgte und retweetete Kerstin Godenrath auf Twitter dann den Journalisten Boris Reitschuster, der nachgewiesenermaßen und regelmäßig alle Maßstäbe guten Journalismus vergisst? Liegt es an […]

Datenglosse – Too 😎 for School? | OSTPROG · 30. Juni 2021 at 8:22

[…] Sonnenbrillen-Emoji – immer näher gekommen. Wenn das doch nur ein paar seiner Parteikolleg:innen auch berücksichtigt hätten. Doch während die Anzahl seiner Tweets nach 2018 insgesamt rapide gesunken ist, steigt […]

Falsche Ausgewogenheit im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk | OSTPROG · 14. August 2021 at 15:27

[…] „Staatsfunk“, wie Enrico Seppelt für DuBistHalle berichtete. Auch ich nahm diesen Eindruck bei CDU-Anhänger:innen auf Twitter wahr. Anfang des Monats urteilte Karlsruhe nun endlich, zur großen Erleichterung vieler, dass das […]

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