Ohne Kerosin nach Berlin – Zwischenhalt in Halle (Saale). Klara Bosch (Fridays For Future München)

Ohne Kerosin nach Berlin – Zwischenstopp in Halle (Saale)

Von Nürnberg in die Hauptstadt. Ein Gespräch mit Klara Bosch (Fridays For Future München)

Von Dienstag bis Donnerstag machte die Fahrraddemonstration von „Ohne Kerosin nach Berlin“ einen Zwischenstopp in Halle an der Saale. Auf dem Gelände der Galle eine Pause. Die Demo begann in Nürnberg und fuhr elf Tage, bis sie in der Saalestadt ankam. Über ihr Engagement und die bisherige Tour sprach ich dazu mit Klara Bosch (16) von Fridays For Future München.

Am Mittwoch traf ich mich mit Klara Bosch, sechszehn Jahre alt und Mitglied der Ortsgruppe München von Fridays For Future (FFF), auf dem Gelände des soziokulturellen Freizeitzentrums Galle in Halle (Saale). Am Tag zuvor war sie mit einer Gruppe von etwa 35 überwiegend Jugendlichen und jungen Erwachsenen dort angekommen. Die meisten Teilnehmer:innen stammen aus verschiedenen Ortsgruppen der Bewegung der Students For Future und Fridays For Future.

Die als Fahrraddemonstration angemeldete Aktion „Ohne Kerosin nach Berlin“ begann für die Teilnehmer:innen an der Route „Süden“ am 24. August in Nürnberg und soll am 7. September in der Bundeshauptstadt ankommen. Insgesamt rechnet Klara Bosch mit etwa 400 Teilnehmer:innen in Berlin, die aus ganz Deutschland mit dem Rad ein Zeichen für mehr Klimaschutz setzen wollen.

Ein paar Eindrücke von der Tour finden sich auf dem Account von HalleZero auf Instagram.

„Nimm dir Essen mit, wir radeln durch Sachsen-Anhalt…“

… so könnte man es in Anlehnung an den Musiker Rainald Grebe sagen. Für das Bundesland haben sich die Teilnehmer:innen einiges vorgenommen. Von Jena radelte die Demonstration – immer unter Begleitung der Polizei, denn es handelt sich um eine angemeldete Fahrraddemonstration – in Richtung Naumburg. Mit der dortigen Ortsgruppe von FFF ist man durch die Stadt gefahren, um auf sich aufmerksam zu machen. Weiter ging es nach Merseburg. Auf dem Marktplatz organisierten die Teilnehmer:innen eine Spontandemonstration, die, so Klara Bosch, von einigen Rentnerinnen als Lärmbelästigung empfunden wurde. 

Zwei Aktivist:innen versuchten sich an einem Gespräch. Die Reaktion der Rentnerinnen auf die Demonstration klingt bekannt. Die Demonstrant:innen sollten sich doch, so Klara Bosch, eine Arbeit suchen. Ähnliche Antworten erhielt auch Alina Baisch (FFF Halle), wie sie mir im Gespräch am Rande des Klimacamps Ost erzählte.

Im Osten“, so Klara Bosch, gäbe es „ein ganz anderes Dogma: »Ich habe was gearbeitet, ich habe was geleistet«“. Ihre Antwort auf den Vorwurf lautet: „Wir möchten daran teilhaben, wie wir unser Leben gestalten.“ Für sie sitzt das DDR-System noch relativ tief in einigen der Menschen hier in Sachsen-Anhalt. Darin sieht sie auch einen strukturellen Unterschied zum Westen.

Bevor die Demonstration in Halle ankam, war man noch in Schkopau, zur Demonstration vor dem dortigen Kohlekraftwerk. Zu der Frage, was der Kohleausstieg – der in Sachsen-Anhalt für 2038 geplant ist – mit den Mitarbeiter:innen dort macht, gibt es ein Video des Mitteldeutschen Rundfunks über das Revier im Burgenlandkreis. Für die Aktivist:innen ist ein Ausstieg im Jahr 2038 zu spät, denn sie müssten unter den Auswirkungen der Kohleverstromung noch über Jahrzehnte leiden und betonen die Vorzüge eines Ausstiegs zum Jahr 2030.

„Ich würde gerne, dass sie meine Sorgen verstehen“

Für Klara Bosch geht es um mehr als nur das Thema Klimagerechtigkeit. Es geht darum, dass man sie ernstnimmt, wie sie mir erklärt. „Ich würde gerne, dass sie meine Sorgen verstehen und ihnen die Klimakrise so bewusstwird und am Herzen liegt, wie mir.“ Die Klimakrise, so betont sie, sei „die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts für die Menschheit.

Trotz der Abstraktion des Problems – bei dem man schon mal „sehr philosophisch“ werden könne und sich die Frage stelle, „warum sich eine Art selbst ausrottet“, sieht sie auch die konkrete Verantwortung und Handlungsfähigkeit der Menschen als wichtig an. Etwas, was sie mit der Energie, mit der sie sich mit dem Thema beschäftigt, allen klarmachen will. „Man kann in diesem System auch konkret jetzt Maßnahmen ergreifen, damit sich die CO2-Konzentration verringert.

Die Aktivist:innen haben die Saalestadt gestern bereits verlassen. Der nächste größere Halt der Demonstrationsgruppe von „Ohne Kerosin nach Berlin“ aus dem Süden führte heute nach Magdeburg, in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

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