Kristina Schröder, Klaus Stöhr, Kindertruppe – Wer ist Axel Koch?

Die „Kindertruppe“ als Twitter-Netzwerk für zweifelhafte Familieninitiativen

Dr. Axel Koch erscheint als namentlicher Unterstützer auf einem Appell der Initiative Familien. Ein Verein, dessen offene Verbindungen zu Querdenken kaum noch abzustreiten sind. Vieles deutet nun darauf hin, dass Koch selbst Berührungspunkte zum Milieu von Verschwörungsideolog:innen und Impfgegner:innen hat. Und: Der Fall gibt nun noch weitere Belege für die Involviertheit von Kristina Schröder (CDU) im Netzwerk. Eine Recherche über einen Rechtsanwalt, der auch in der sogenannten „Kindertruppe“ auf Twitter kein Unbekannter ist.

Titelbild: Logo der Initiative Familien via Homepage der Initiative. Schattenumriss via Pixabay.com. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Mit der Unterschrift eines Dr. Axel Koch unter dem neuesten Schreiben, hat sich die Initiative für ihre eigene Lesart des Sachverhalts bezüglich Querdenken und Impfgegnerschaft nun wahrscheinlich keinerlei Gefallen getan. Und: Der Fall deutet darauf hin, dass weitere Personen involviert sind. Darunter erneut auch die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die mit einem kürzlichen Tweet zu Masken eine möglicherweise unglückliche Assoziation hervorrief.

Um mich juristisch abzusichern, erwähne ich den Namen des Accounts von Axel Koch nicht und verwende auch keinerlei Screenshots. Interessierte Journalist:innen können zur Überprüfung der hier geschilderten Fakten auf mich zukommen. Anfragen an Koch sowie die Initiative Familien wurden vorab gestellt und bisher nicht beantwortet.

Dr. Axel Koch und die Impfgegner

Im Dezember 2021 veröffentlichte die Initiative Familien einen offenen Brief, der von einem „Dr. Axel Koch, Rechtsanwalt“ unterstützt wurde. Der Brief bezog sich zu Beginn auf das Bundesland Bayern und wurde erst später um einige weitere Länder erweitert. Mittlerweile hat man den Namen entfernt, aber über Archive.org lässt er sich noch einsehen. Nachtrag vom 8. August: Auf Twitter machte mich Suat Özgür darauf aufmerksam, dass besagter Axel Koch bereits im August 2021 auf einer Unterschriftenliste der Initiative auftaucht. Dort sogar mit Bezug auf München und der Bezeichnung als Rechtsanwalt.

In Deutschland gibt es mehrere Rechtsanwälte mit diesem Namen, aber nur zwei Einträge für einen Rechtsanwalt mit diesem Namen in Bayern, wie im Verzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer einsehbar. Die für Bayern zuständige Rechtsanwaltskammer München gibt einen einzigen Treffer aus. Somit ist klar, dass es in Bayern nur eine Person unter diesem Namen gibt, die als Rechtsanwalt tätig ist.

Warum soll es sich dabei aber um ausgerechnet diesen Axel Koch handeln? Die Antwort führt auf Twitter. Ein dort aktiver Account der zu Querdenken offenen „Kindertruppe“ lässt sich aufgrund verschiedener Indizien dem Rechtsanwalt zuordnen. Der Accountinhaber gibt beispielsweise an, in München wohnhaft zu sein. Außerdem verwendete Koch dort in der Vergangenheit zwei verschiedene Avatare mit privaten Bildern, welche ihn eindeutig abbilden. Über den Account wurden zudem mehrfach offene Briefe und Stellungnahmen der Initiative Familien geteilt. Darunter auch das Schreiben, auf dem Koch selbst aufgeführt wird.

Doch es spricht noch mehr dafür, dass es sich um den Rechtsanwalt handelt. So behauptet der Accountinhaber in verschiedenen Tweets selbst, Anwalt zu sein und spricht sogar davon, eine Popularklage eingereicht zu haben.

All dies trifft auch auf Axel Koch aus München zu, der im Auftrag des Vereins Initiative freie Impfentscheidung e.V. (IFI) im Dezember 2021 eine solche Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgericht eingereicht hat. Der Eilantrag zur Klage wurde im Januar 2022 abgelehnt. Auf seinem anonymen Account auf Twitter behauptete Koch, dass sich die Klage finanziell nicht für ihn lohne. Worum ging es in dieser Klage, wer steht dahinter und welche anderen Aspekte könnten für Koch eine Rolle gespielt haben, wenn es nicht finanzielle Anreize waren?

Angelika Müller: Impfgegnerin und Verschwörungsnarratologin

Die Initiative freie Impfentscheidung wurde unter anderem von Angelika Müller gegründet, die ebenfalls Begründerin der Interessengemeinschaft EFI – Eltern für Impfaufklärung ist. Impfgegnerin Müller ist Vorsitzende von IFI, einem Verein der laut Psiram eng mit einem weiteren Verein namens Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung (ÄFI) zusammenarbeitet. Laut Müller sei die Gründung von IFI sogar auf Impuls von ÄFI hin geschehen. Zitat: „[W]ir brauchen die Position von Nichtärzten als Ergänzung.“

ÄFI ist wiederum in der Vergangenheit beispielweise Kooperationen mit Querdenkern wie Sucharit Bhakdi eingegangen. Ein prominentes Mitglied des Vereins – Martin Hirte – ist auf Demonstrationen von Querdenken regelmäßig mehrfach als Redner in Erscheinung getreten.

Offiziell behauptet ÄFI, dass man über Impfungen lediglich aufklären wolle. In der Realität haben Mitglieder wie Steffen Rabe (ÄFI-Mitbegründer)und Martin Hirte wiederholt Falschinformationen zur Coronaimpfung verbreitet.

Doch auch IFI-Gründerin Angelika Müller ist keine Unbekannte und schon lange vor Corona dem Kreis der Impfgegner:innen zuzuordnen. Laut eigener Angaben engagiert sich Müller seit über 25 Jahren „für die Impfaufklärung“. Psiram berichtet hingegen von zahlreichen Falschaussagen der Softwareentwicklerin.

Einige Eltern legten mit Unterstützung von IFI und ÄFI am 1. März 2020 mehrere Eilanträge und Beschwerden beim Bundesverfassungsgericht vor. Streitthema: die Impfpflicht gegen Masern. Ein Teil der Anträge wurde vom Gericht im Mai 2020 abgelehnt. Bislang steht eine Entscheidung zur Verfassungsbeschwerde noch aus. Kurze Zeit nach der Entscheidung forderte Müller auf Telegram dann: „AM SAMSTAG MUSS ALLES AUF DIE STRAßEN, WAS BEINE HAT!

Müller und ihr Verein scheinen in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend zu sein, was die Teilnahme oder Bewerbung von Demonstrationen für Querdenken angeht. Kontakt mit dem Umfeld gab es mindestens im Sommer 2021. Angelika Müller nahm an einem Gespräch mit der Querdenken zuzuordnenden Partei dieBasis teil. Laut Wertinger Zeitung soll sie damals gesagt haben: „Es ist kein Geheimnis, dass die Regierung von Psychologen beraten wird. Die Cosmo-Studie zeigt zum Beispiel genau, wann jeweils die Daumenschrauben angezogen werden.“ Eine Aussage, die sehr an gängige Verschwörungsnarrative der Querdenkenbewegung erinnert.

Zudem soll sie zur Coronaimpfung folgende Falschinformation verbreitet haben: „Vielmehr bergen gerade diese Spike-Proteine die Gefahr von Gewebeschäden, die zu schweren und auch tödlichen Thrombosen geführt haben.“ Es wurde mittlerweile mehrfach darauf hingewiesen, dass es aus der Wissenschaft für diese Hypothese bezüglich der zugelassenen mRNA-Impfstoffe keine Evidenz gibt.

Für vektorbasierte Impfstoffe, auf welche Müller sich aber laut dem Bericht explizit nicht bezieht, gibt es einen möglichen Mechanismus zur Förderung von Thrombosen, der noch weiter erforscht werden muss. Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca wird seit Dezember 2021 in Deutschland grundsätzlich nicht mehr verabreicht.

Angelika Müller ist außerdem auch Autorin und veröffentlichte 2015 ihr – gemeinsam mit Impfkritiker Hans Tolzin – geschriebenes Buch „Ebola unzensiert“ im Kopp Verlag. Der Verlag ist bekannt dafür Werke mit Verschwörungsmythen zu vertreiben und bedient laut Rechtsextremismus-Experten Matthias Quent eine „Nische, in der sich (…) auch viele Rechtsextreme tummeln.

Rechtsextremes Gedankengut bietet das Buch von Müller und Tolzin wohl eher nicht. Allerdings heißt es auf der Rückseite des Buchs: „Was Sie zum Thema Ebola in den Medien erfahren, ist das, was Sie über Ebola glauben sollen.“ Und weiter: „Mit von der Partie ist eine inzwischen global vernetzte medizinische Forschungsgemeinschaft (…), die eifrig drastische Selbstzensur betreibt, weil sie direkt oder indirekt am finanziellen Tropf einer mächtigen und fast unkontrollierbar gewordenen Industrie hängt.

Ebenfalls heißt es: „Ebola ist nach Ansicht von Angelika Müller und Hans Tolzin nicht die erste erfundene Seuche, könnte aber die letzte gewesen sein (…). Dies ist jedoch die größte Angst der Regisseure dieses globalen Szenarios.

Um hier einmal Bernd Harder von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) teilweise zu zitieren: „Wenn wir uns an den üblichen Kennzeichen einer Verschwörungstheorie orientieren (Nichts ist so, wie es scheint; alles, was auf der Welt geschieht, wird von Hintergrundmächten in negativer Absicht planvoll manipuliert) – “, wie soll man Müllers und Tolzins Werk dann anders nennen?

Popularklage auf Grundlage eines umstrittenen Gutachters

Die Klage, die Axel Koch im Auftrag des Vereins von Angelika Müller beim Bayerischen Verfassungsgericht eingereicht hat, beruht auf dem Gutachten eines Dietrich Murswiek. Das Rechtsgutachten trägt den Titel „Die Verfassungswidrigkeit des indirekten COVID-19-Impfzwangs“. Verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie werden als indirekter Impfzwang definiert.

Am 28. Januar lehnte das Gericht den Eilantrag ab. Laut Verein sei das Hauptsacheverfahren anhängig. In der Entscheidung heißt es unmissverständlich: „Entgegen der Auffassung des Antragstellers beinhalten die angegriffenen Kontakt- und Zugangsbeschränkungen keinen mittelbaren oder indirekten Impfzwang, sondern belassen den Normadressaten die Freiheit, sich für oder gegen eine Impfung zu entscheiden.

Murswiek ist eine weitere Persönlichkeit, für die ein genauerer Blick lohnt. Dieser, so macht es den Anschein, pflegt bereits seit längerem enge Verbindungen zur Partei Alternative für Deutschland (AfD). Berührungsängste mit der Partei hat der Rechtswissenschaftler jedenfalls nicht. 2018 fand ZEIT ONLINE Belege dafür, dass Murswiek jeweils im April 2013 sowie Dezember 2015 Spenden in Höhe von 1.000 Euro an die Partei überwiesen hatte. 2016 verteidigte er die AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft juristisch. Auf Anfrage der ZEIT nannte er das Bestehen der AfD einen „Segen für die Demokratie.

Ende 2019 und Anfang 2020 trat Murswiek jeweils auf dem YouTube-Kanal der Partei in Erscheinung. Anlass war ein weiteres Gutachten des Rechtswissenschaftlers, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz die Partei im Januar 2019 als Prüffall bezeichnet hatte. Seit März 2022 darf die Bundespartei vom Verfassungsschutz sogar als Verdachtsfall geführt werden. Die AfD unterlag damit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln. Die Einstufung als Verdachtsfall ermöglicht eine genauere Kontrolle der Partei.

Seitdem findet sich nur noch wenig bezüglich eines direkten Engagements durch Murswiek. Das Rechtsgutachten zum „indirekten Impfzwang“ hat jedoch bei einigen Kreisverbänden der AfD eine positive Resonanz hervorgerufen. Auch die Partei dieBasis nahm das Rechtsgutachten dankend an.

Der verlinkte Beitrag auf den die Partei auf Twitter einging, wurde von Murswiek selbst auf dem neurechten Blog Tichys Einblick verfasst. Murswiek veröffentlichte im Verlauf der Pandemie dort drei Artikel, die sich explizit mit dem Thema Corona befassen. Murswiek taucht auch in einem Onlinevideo bei Tichys Einblick auf.

Das Projekt Gegneranalyse des Zentrums Liberale Moderne schreibt über Tichys Einblick: „Die Publikation versammelt auch renommierte Autorinnen und Autoren, die sich anscheinend genauso wenig wie ihre Leserinnen und Leser an populistischen Tönen bis hin zur Verächtlichmachung der parlamentarischen Demokratie und ihrer Repräsentanten stören.“ Im März 2022 wies das journalistische Portal Correctiv auf irreführende und falsche Informationen des Blogs zur Coronapandemie hin.

Am 31. März nahm Murswiek an einem Telefoninterview des Verschwörungsnarratologen Ken Jebsen bei KenFM zum ThemaGesetzeslage in Zeiten der Corona-Krise“ teil. Ken Jebsen wurde bereits vor der Pandemie vorgeworfen, Verschwörungsnarrative und antisemitische Inhalte zu verbreiten.

Im Mai 2021 nahm Murswiek sogar an einer Sitzung der sogenannten Stiftung Corona Ausschuss des Querdenkers Reiner Füllmich teil, der laut Recherchen von Correctiv am Aufbau eines europaweiten Netzwerks von Corona-Leugnern beteiligt war.

Der Verein Initiative freie Impfentscheidung stellt bezüglich der Popularklage fest: „Politische Parteien, andere Verbände oder weitere Dritte sind nicht beteiligt.

Ein sich selbst radikalisierendes Netzwerk

Koch und die, die mitkochen

Nachdem ich am 5. August auf eine mögliche Verbindung zu Koch und der Initiative auf Twitter aufmerksam gemacht hatte, ließ sich beobachten, wie der fragliche Account im Verlauf der folgenden Tage den Twitter-Handle mehrfach veränderte. Eine Anfrage an Axel Koch vom Samstag blieb bislang unbeantwortet. Am Sonntag löschte Axel Koch schließlich seinen Account. Entsprechende Hinweise und erwähnte Tweets sind jedoch zum Nachweis gesichert. Ein anonymer Account fragte Koch im Februar, ob sich solche Klagen für ihn finanziell rechnen. Er selbst behauptet: Finanziell? Nein.

Koordinationen zwischen Zarah Abenschön-Sawall, der Querdenkerin Nele Flüchter und dem Account von Axel Koch lassen sich auf Twitter im Oktober 2021 nachweisen.

Erst vor wenigen Wochen konnte die Identität eines weiteren bis dahin anonymen Nutzers der Kindertruppe festgestellt werden, der nachweislich die Initiative Familien bei der Organisation von Demonstrationen zum sogenannten „Kidsfreedomday“ unterstützt hat und auf Twitter in der Vergangenheit bereits mit dem Twitteraccount radikaler Querdenker:innen von ElternStehenAuf interagierte.

Im Februar wurde bekannt, dass die Querdenkerin Nele Flüchter sich ebenfalls hinter einem Pseudonym unter dem Hashtag „Kindertruppe“ auf Twitter bewegt. Nele Flüchter ist ehemaliges Gründungsmitglied des Vorläufers der Initiative Familien, jedoch weiterhin in direktem Austausch mit Mitgliedern der Initiative auf Twitter. Eine Abgrenzung fand nach meinem Wissen nicht statt.

Im März stieß ich zudem auf Hinweise für einen mutmaßlichen weiteren anonymen Account der Querdenkerin Nicole Reese, der ebenfalls in der entsprechenden Blase etabliert war, den Verweis auf die lose Bewegung jedoch anscheinend nie explizit nutzte.

Der Hashtag „Kindertruppe“ wurde am 6. Juli 2021 von einem Account der späteren Kindertruppe etabliert. Eine Netzwerkrecherche von mir zur Kindertruppe vom 24. November 2021, in der ich erste Verbindungen zu Querdenken bei den anonymen Accounts nachweisen konnte und Beziehungen zur Initiative Familien konstatierte, wurde von David Kaldewey – Geschäftsführender Direktor des Forums Internationale Wissenschaft der Universität Bonn, welches sich unter anderem mit Demokratieforschung beschäftigt– zu verschiedenen Zeitpunkten als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet.

Die Initiative Familien soll sich ebenfalls an UnmaskOurKids gewandt haben, um sich zu vernetzen, so Matthias H. von UnmaskOurKids. Für diese Initiative ließen sich ebenfalls starke Verbindungen zu Querdenken nachweisen und Like für typische Slogans und Aussagen der Bewegung. Zum Beitrag dazu gelang man, indem man auf die Abbildung klickt. Screenshot aus der Facebookgruppe der Initiative Familien.

Wie ich nachweisen konnte, interagiert Kaldewey auf Twitter selbst regelmäßig mit Accounts, die sich eindeutig dem Spektrum von Querdenken zuordnen lassen. Kaldewey führte selbst zeitweise den Hashtag in seiner Profilbeschreibung. Bereits im Februar – etwa einen Monat nach dem Vorwurf an mich – nahm er den Hashtag aus dem Profil.

Zwischenzeitlich zeigte sich mehrfach, wie Impfgegner und Querdenkerdarunter auch Steffen Rabe – den Hashtag im Namen des Accounts führten. Einer davon, Jürgen Müller, ist anscheinend auch mit Nicole Reese weitergehend vernetzt. Müller ist Mitbegründer der Querdenken-Initiative Kinderrechte Jetzt und wurde trotz dieser Tatsache in der WELT durch Jörg Phil Friedrich im Februar 2022 interviewt. Dies erinnert geradezu an den Meinungsbeitrag, den die WELT später Nicole Reese ermöglichte.

Konstantin Kaip sprach in der Süddeutschen Zeitung bezüglich des Vorgehens des Vereins von Jürgen Müller von einer „perfiden Strategie.“ Mit Blick auf die Homepage des Vereins, verfestigt sich dieser Eindruck.  Auf der Homepage wird weiterhin folgende Falschinformation wiedergegeben: „Insbesondere sind sie aktuell gefährdet durch eine Impfkampagne, die mittlwerweile [sic!] auf Kinder und Jugendliche ausgeweitet wurde, obwohl diese von der Impfung in aller Regel keinen Nutzen haben, jedoch einem noch nie dagewesenen Risiko ausgesetzt sind.

Gefordert werden zudem Strafanzeigen gegen „Ärzte, Schulleiter und Lehrer (…), die sich an der Impfkampagne beteiligen.“ In dem sehr ausführlichen Beitrag bezieht man sich unter anderem auf die sogenannte Pathologie-Konferenz. Über die Konferenz hat der Volksverpetzer bereits ausführlich berichtet.

Auf dem Telegramkanal des Vereins verweist man auf das Wir-Gemeinsam Bündnis, aber auch auf FriedlichZusammen. Ersterem gehört ebenfalls Jürgen Müller an. Letzteres wurde mitbegründet von Nicole Reese und Nele Flüchter.

Der Account von Axel Koch, dessen Timeline mir als Sicherung vorliegt, interagierte mit zahlreichen Personen der Kindertruppe und Querdenken. Dem „Querdenker-Hass-Pranger“ (Volksverpetzer), den der anonyme Account Mic de Vries auf Twitter einstellte, gab er fast vollständig Likes. Darunter auch für den Tweet, der die Stiftung Gedenkstätten und Mittelbau-Dora erwähnt.

Kristina Schröders Beteiligung

Im Juni 2020 berät Kristina Schröder den Vorläufer der Initiative Familien. Neue Informationen zeigen: Informell gab es weiteren Kontakt. Quelle: https://www.initiativefamilien.de/.
Im Juni 2020 berät Kristina Schröder den Vorläufer der Initiative Familien. Neue Informationen zeigen: Informell gab es weiteren Kontakt. Quelle: https://www.initiativefamilien.de/.

Im Verlaufe meiner längeren Recherchen habe ich bereits frühzeitig versucht direkte Antworten von Kristina Schröder zu erhalten. Sei es via Mail oder auf Twitter. Schröder hat nie Stellung bezogen. Was sie dagegen nachweislich getan hat, ist die Vorgängerinitiative der Initiative Familien zu beraten und aufzubauen.

Schröder hat in der Vergangenheit selbst offenbart, dass sie informell offensichtlich in regem Austausch mit Personen aus diesem Umfeld steht oder zumindest über ein schnelles anderweitiges Netzwerk verfügen muss, das für sie die Augen offenhält. Das hat sich im März bei ihrer Interaktion mit Nicole Reese gezeigt. Mindestens zeigt dies ihr reges Interesse an diesen Personen.

Schröder hat auf Twitter wiederholt Accounts auf Twitter ihre Reichweite geschenkt – sei es durch Retweets oder Likes –, die sich sehr eindeutig dem Umfeld von Querdenken zuordnen lassen. Darunter auch Accounts der Kindertruppe wie Nele Flüchter, Florian G. sowie Axel Koch. Auch René Becke, der zu fast allen der sich ebenfalls fest im Umfeld der Initiative Familien sowie von Nicole Reese als auch Nele Flüchter bewegt. Siehe dazu mein Artikel im Volksverpetzer. Das neuste Schreiben der Initiative bewirbt sie unbeirrt.

Doch die Geschichte um Koch enthüllt noch etwas anderes. In einem Tweet vom Mai antwortet Schröder dem anonymen Account von Koch und macht deutlich, dass sie von einer Klage des Rechtsanwalts weiß und ihm dafür offensichtlich zugeneigt ist. Es gibt von Axel Koch nach meinen Recherchen keine andere Klage, mit der dieser namentlich verbunden ist. Eine Reihe weiterer Personen likten ohne Nachfrage zum Inhalt den Tweet von Schröder, in dem sie sich auf die Klage von Koch bezieht. Darunter auch Johannes Hübner (Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin) sowie Oliver Beige, aber auch Agnes Horvath (Initiative Familien Hessen) und zahlreiche weitere anonyme Accounts von Querdenken und Kindertruppe.

Ein weiteres Indiz für eine starke persönliche Involvierung von Schröder in das Netzwerk der Kindertruppe. Die Vermutung liegt nahe, dass Schröder hier ihren Dank für eine Klage von Impfgegner:innen ausspricht.

Der Account von Johannes Hübner. Quelle: Twitter | @HuebnerJohannes. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Hat sich Johannes Hübner bei Axel Koch über Kristina Schröder für seine Klage bedankt, die er im Auftrag für einen Verein von Impfgegner:innen durchgeführt hat? Bildquelle: Twitter | @HuebnerJohannes. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Klaus Stöhr und die „Corona Strategie“

Auch Klaus Stöhr taucht erneut unter dem Schreiben der Initiative namentlich auf. Stöhrs Offenheit oder Ignoranz gegenüber Personen aus dem Umfeld von Querdenken auf Twitter habe ich in der Vergangenheit bereits dargelegt. Ich habe – im Gegensatz zu Behauptungen von Querdenken – dabei nicht nur auf Accounts gesehen, denen Klaus Stöhr folgt, sondern mich mit seinen Interaktionen auf Twitter beschäftigt.

Klaus Stöhr hat neben anderem die Lobbygruppe „Corona Strategie“ ins Leben gerufen. Eines dieser Mitglieder ist Ursel Heudorf, die ebenfalls namentlich im Schreiben der Initiative genannt wird. Seit Sonntag findet sich dort auch plötzlich der Name von Detlef Krüger, Unterstützer der Lobbygruppe.

Stöhr und Beteiligte der „Corona Strategie“ haben regelmäßig Schreiben der Initiative unterstützt. Auch dann noch, als ich diesen auf die Verbindungen und Toleranz der Initiative zu Querdenken aufmerksam gemacht habe.

Bis heute steht der Querdenker Andreas Sönnichsen auf der Unterstützerliste von Stöhrs Gruppe, der von der Medizin-Uni Wien gekündigt wurde, nachdem er Studierende dazu aufgefordert haben soll, Coronaregeln zu missachten. Dabei sind noch nicht einmal die vorherigen Verfehlungen von Sönnichsen erwähnt worden, wie etwa die Verteidigung von Inseraten in Tageszeitungen, die Falschinformationen zur Schutzwirkung von Masken sowie die Aussagekraft von PCR-Tests betreffen. Oder auch seine Kandidatur für die Querdenken-Partei dieBasis zur Bundestagswahl 2021.

Stöhr trat, so der Journalist Oliver Rautenberg, zwischen „Verschwörungsideologen, Impfgegnern und Anthroposophen bei #AllesAufDenTisch“ auf. Stöhr tauschte sich mit dem Impfgegner Steffen Rabe von ÄFI aus. Klaus Stöhr trat im März vergangene Jahres beim für „Verschwörungsmärchen“, so der Tagesspiegel, bekannten Portal OvalMedia auf.** Im Juni war Stöhr zu Gast bei ServusTV, einem Sender der kürzlich seine Kooperation mit der WELT bekanntgab.

Im Februar 2022 zeichnete Stöhr einen offenen Brief der Initiative MVfuerKinder mit. Zu den Erstunterzeichnern gehört auch die Partei sowie die Initiative von Nicole Reese und Nele Flüchter. Gründer dieser Initiative: René Becke. Einige bemerkenswerte Interaktionen der Initiative auf Twitter habe ich hier festgehalten.

Fazit und Kommentar

Ein Rechtsanwalt, der sich laut eigener Profilbiographie gegen Faschismus einsetzt, reicht eine Popularklage auf Basis eines bekannten Gutachters der AfD ein, finanziert von einem Verein, dessen Vorsitzende mit Verschwörungsnarrativen hausierte, Falschinformationen zur Impfung verbreitete und im Kontakt mit Querdenken stand.

Dieser Rechtsanwalt also steht zudem im Kontakt mit Kristina Schröder sowie der Initiative Familien, die dessen Klage jeweils mutmaßlich kennen, tolerieren und sogar unterstützenswert finden. Wobei letztere immer wieder behauptet hat, sich von Querdenken und AfD-Positionen zu distanzieren. Meine letzte Netzwerkanalyse eines Teils der Kindertruppe ergab jedoch, dass ungefähr die Hälfte der Mitglieder auf Twitter offen für neurechte Accounts sowie die AfD sind.

Die Initiative belügt sich selbst und andere über die wahren Ausmaße ihrer Verbindungen zu Querdenken und Imfgegner:innen. Die Mitglieder, die nach dem letzten größeren Ausstieg verblieben sind, tragen alle gemeinsam diesen Kurs mit.

Die CDU Wiesbaden und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sollten sich gut überlegen, ob Kristina Schröder so noch länger tragfähig ist. Gleiches gilt für Medien, die Klaus Stöhr weiterhin als unabhängigen Experten laden. Nach der Einladung von Stöhr in die Evaluierungskommission auf Vorschlag der Bundes-CDU, zwei Fälle, in denen die Partei Personen hofiert, die für eine Normalisierung von Querdenken und Impfgegner:innen stehen.

Welche Werte ein solches Agieren und Tolerieren beinhalten soll, überlasse ich den Leser:innen.

* Titelbild: Logo der Initiative Familien via www.initiativefamilien.de. Schattenumriss via Pixabay.com. Montage / Bearbeitung von Gunnar Hamann, Ostprog.de

** Korrektur vom 14. August: Ursprünglich hieß es, Klaus Stöhr habe im März 2022 an einem Gesprächsformat bei OvalMedia teilgenommen. Dieses fand jedoch im März 2021 statt. Korrektur im Text ist erfolgt.

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2 Comments

„Initiative Kindeswohl“ – Sommer, Sonne, Aluhut - OSTPROG · 17. August 2022 at 18:32

[…] Am 22. Juni dieses Jahres verfasste Aya Velázquez einen längeren Thread auf Twitter. Darin bezeichnet sie Masken für Kinder als „Verbrechen“, spricht von einem „Krieg gegen die Kinder“ und bezieht sich auch auf die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). […]

Warum ich die Initiative Familien jetzt offiziell Querdenken zuordne · 20. August 2022 at 11:11

[…] war in der Vergangenheit auf Twitter unter Pseudonym im Austausch mit Mitgliedern der Initiative. Wie sich herausstellte, hat Koch in Bayern die Popularklage eines Vereins von Impfgegner:innen mit dem Namen Initiative […]

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* Titelbild: Erstellt mit Artbreeder.com. Einzelne Abbildungen via Pixabay.com und Wikipedia. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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