Zwei Studierende der Universität Kassel im Gespräch über die städteplanerische Klimazukunft der Stadt Halle (Saale). (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de | Hintergrundbild: Pixabay.com)

Klimatopia Halle

Studierende der Universität Kassel entwerfen „Klimastadt der Zukunft“

Wie geht eine Stadt mit dem Klimawandel um, der längst Realität ist?“ Mit dieser Frage beschäftigen sich Studierende der Universität Kassel, gemeinsam mit Beteiligten der Universidad Central de Las Villas aus Kuba. Dafür kamen sie unter Leitung von Harald Kegler (Institut für urbane Entwicklungen der Universität Kassel) in die Saalestadt, um gemeinsam mit Bevölkerung, Verwaltung und Zivilgesellschaft  sowie ihrer eigenen Expertise  einen Plan zu entwickeln.

Im ersten Stockwerk des Lichthauses sind alle Wände mit Plakaten, Stadtkarten und runden Klebezetteln behangen. Ein Raum voller junger Studierenden, die auf den Beginn eines Workshops warten. Seit Dienstag beschäftigt sich die Gruppe mit der Frage: „Wie geht eine Stadt mit dem Klimawandel um, der längst Realität ist?

Initiiert und geleitet wird das Projekt von Harald Kegler, vom Institut für urbane Entwicklungen der Universität Kassel. Angesiedelt ist das Institut im Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung der Universität. „Klimatopia – Die Klimastadt der Zukunft“, unter diesem Motto steht die Exkursion in die Händelstadt. Es geht um Klimaresilienz. Mit seinen Student:innen ist Harald Kegler dafür seit Dienstag in Halle an der Saale.

Harald Kegler (Universität Kassel) im Gespräch mit Mereth Garbe (WUK Theaterquartier). Das Theaterquartier hatte den Studierenden zuvor einen Raum für einen weiteren Workshop geboten. Garbe ist Beauftragte für Nachhaltigkeit am WUK Theaterquartier, das selbst zwischen Industrie und Natur steht. Sie nahm ebenfalls am Workshop im Lichthaus teil. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)
Harald Kegler (Universität Kassel) im Gespräch mit Mereth Garbe (WUK Theaterquartier). Das Theaterquartier hatte den Studierenden zuvor einen Raum für einen weiteren Workshop geboten. Garbe ist Beauftragte für Nachhaltigkeit am WUK Theaterquartier, das selbst zwischen Industrie und Natur steht. Sie nahm ebenfalls am Workshop im Lichthaus teil. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Man sprach in dieser Woche mit Bürger:innen, zivilgesellschaftlichen Akteur:innen sowie Angestellten der Stadtverwaltung. Etwa aus dem Dienstleistungszentrum der Stadt sowie dem Geschäftsbereich Stadtentwicklung und Planung. Die Stadtverwaltung freue sich über die Impulse von außen und den Austausch, so Kegler, denn die eigenen Ressourcen erschwerten wohl eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Fragestellung: Wie verändert man eine Stadt, angesichts des Klimwandels?

Eine Ringbahn für die Innenstadt von Halle? Nur eine der Ideen von Befragten, die den Workshopraum im Lichthaus schmückten. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)
Eine Ringbahn für die Innenstadt von Halle? Nur eine der Ideen von Befragten, die den Workshopraum im Lichthaus schmückten. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)
Historisches Interesse

Harald Keglers Interesse an Halle kommt nicht von ungefähr. Studiert hat Kegler selbst unter Joachim Bach in Weimar. Bach war einer der beteiligten Ingenieure an der Planung für den Bau von Halle Neustadt. 1984 habe es an der Hochschule Weimar bereits eine solche städteplanerische Exkursion nach Halle gegeben, so sagt er. Für vier Wochen sei man damals bereits in der Stadt gewesen. 2021 hatten Studierende unter Harald Kegler die Orte der damaligen Exkursion erneut besucht, im Rahmen eines Seminars zum Vergleich der Städteplanung zwischen Ost und West.

Im Rahmen dieses Seminars sei dann auch die Idee entstanden, sich der Stadt unter Klimagesichtspunkten zu nähern. Das erste Planungstreffen dafür, fand ebenfalls im vergangenen Jahr statt. Vertreter:innen der mit der Universität Kassel verpartnerschaftlichten Universidad Central „Marta Abreu“ de Las Villas aus Kuba, nahmen ebenfalls teil. Sie interessiere insbesondere der Forschungsaustausch, so eine der Teilnehmerinnen.

Ideen zu Planwagen

Mit einem Planwagen und der Klimafunktionskarte der Stadtverwaltung – auf der die klimatischen Schwerpunkte der Stadt verzeichnet sind – kamen die Studierenden am Dienstag ins Gespräch mit den Einwohner:innen. Jeweils am Marktplatz, Schülershof und dem Neustadt-Zentrum. Was würde man am Ort ändern, um diesen klimatisch – aber auch für das soziale Stadtklima – aufzuwerten?

Befragte konnten anhand der Karte unter anderem eigene Problemstellen für das Stadtklima aufzeigen, aber auch Orte, die aus Sicht der Beteiligten bereits gut aufgestellt sind. Charette-Verfahren (frz. „Wagen“) nennt sich diese Methode.

Die Klimafunktionskarte der Stadt. Rote bis gelbe Bereiche gelten als besonders betroffen vom Klimawandel und benötigen ein besonderes Augenmerk für die zukünftige Stadtentwicklung unter klimatischen Gesichtspunkten. Die farbigen Punkte stammen noch aus den Befragungen von Anwohner:innen und decken sich mit den Annahmen der Stadt. (Foto/Beabeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de | Originalkarte vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH, im Auftrag der Stadt Halle)
Die Klimafunktionskarte der Stadt. Rote bis gelbe Bereiche gelten als besonders betroffen vom Klimawandel und benötigen ein besonderes Augenmerk für die zukünftige Stadtentwicklung unter klimatischen Gesichtspunkten. Die farbigen Punkte stammen noch aus den Befragungen von Anwohner:innen und decken sich mit den Annahmen der Stadt. (Foto/Beabeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de | Originalkarte vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH, im Auftrag der Stadt Halle)
Vom Workshop bis zur Skyline

Während des Workshops im Lichthaus, wechseln drei Gruppen zwischen verschiedenen Projekttischen. An einem dieser Tische wird ausgewertet, welche Ideen für die drei Standorte – Marktplatz, Schülershof und Zentrum Neustadt – realistisch sein könnten. Würde eine Ringbahn die Innenstadt entlasten? Ist das planerisch realisierbar? Auch auf die Bürgerabstimmung zur autoarmen Innenstadt kommt man zu sprechen.

An einem weiteren Tisch geht es um die Hochstraße nach Halle Neustadt. Eine der „letzten ihrer Art in Deutschland“, so Harald Kegler. Unter verschiedenen Gesichtspunkten sammelt man Ideen zur Zukunft der Verkehrstrasse. Teilsperrung einer Spur, um auf der anderen Seite eine Fahrrad-Schnellstraße einzurichten? Eine Umgehungsroute werde ja derzeit bereits geplant. Verbot von LKW-Verkehr auf der Straße? Eine komplette Umgestaltung zu einem Fahrrad-/Fußgängerweg, im Sinne der New Yorker High Line?

Auf einer ehemaligen Bahntrasse (High Line) hat man in New York einen grünen Park geschaffen. (Foto: Beyond My Ken / Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ | Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Schließlich wird am letzten Tisch noch über die allgemeine Stadtentwicklung reflektiert. Mehr Photovoltaik? Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr? Innerstädtische Abkühlung durch bessere Bepflanzung, die Schaffung von Wasserflächen sowie mehr weißen Fassaden?

Studierende der Universität Kassel überlegen unter den Stichworten „Zukunftsstadt, Unabhängigkeit, Greentopia und Do-Topia“ über Stadtentwicklung in Halle an der Saale. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)
Studierende der Universität Kassel überlegen unter den Stichworten „Zukunftsstadt, Unabhängigkeit, Greentopia und Do-Topia“ über Stadtentwicklung in Halle an der Saale. (Foto/Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Am 16. Juli werde man die Ergebnisse der Exkursion im Stadtmuseum Halle präsentieren, so Kegler. Wer Interesse an der Vorstellung und anschließenden Diskussion hat, sollte im Programm des Museums die Augen offenhalten.

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