* Titelbild: Foto von Martin H. von der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag via Wikipedia. Lizensiert unter CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0. Maske via Pixabay. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de

„Wir Politiker werden verarscht, von denen da oben!“

Maskenpflicht im Bayerischen Landtag – Das stille Leid des Martin H.

Im Deutschen Bundestag herrscht weiter Maskenpflicht. Und auch im Bayerischen Landtag sieht es leider nicht anders aus. Trotz „Freedom Day“ (FDP) und der „Entlarvung der Pandemie-Lüge“ (sinngemäß: Querdenken). Initiativen wie Politiker in der Krise versuchen daran etwas zu ändern, werden aber anscheinend kaum gehört. Sind das Bundesparlament und Landtage die heimlichen Hotspots der Republik? Ich sprach mit Martin H., der bereit ist das offen auszusprechen, was viele Parlamentarier sonst nur hinter hervorgehaltener Maske zu sagen bereit sind. „Wir Politiker werden verarscht von denen da oben!“ Eine Satire.

Am Wochenende startete ich einen Aufruf auf Twitter. Gesucht waren Politiker:innen oder deren Angehörige, die über die Auswirkungen der Maskenpflicht im Deutschen Bundestag berichten wollen. Leider fand sich bis heute niemand für ein Gespräch, zu einer oft übersehenen Problematik. Vielleicht ist es der öffentliche Druck der Maskenlobby oder die Angst von anderen in die Schublade „Querdenker“ abgeschoben zu werden.

Am gestrigen Abend meldete sich dann aber zumindest ein Abgeordneter des Bayerischen Landtags. Dort wird auch nach den Osterferien weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht gelten. Martin H. – so heißt der Abgeordnete, der mit vollem Namen nicht genannt werden möchte – gehört einer Landtagsfraktion im südlichen Bundesland an.

„Das Gaslighting der Risikogruppen ist verstörend“
Martin H. ist gegen die Ausgrenzung von Querdenken. Risikogruppen werden dafür sicherlich viel Verständnis haben. (Foto: Pixabay.org).

Ostprog:Sie haben sich entschlossen mit mir zu reden. Ich verrate sicherlich nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass wir bisher auf Twitter eher aneinandergeraten sind.

Martin H.:Ich sage es frei heraus. Es war eine schwierige Zeit im Dezember vergangenen Jahres. Sie waren anhänglich, während ich mir mehr soziale Distanz vom Journalismus gewünscht hätte.

Ostprog:Sind Sie nicht selbst bei der…

Martin H.: „Ich weiß, was Sie meinen. Korrekt, ich habe bei der BILD ein Interview gegeben. Die Silvesterraketen hatten wir noch von meiner Wahl in den Landtag zwischengelagert. Ich bin nicht so der Typ für den Knall. Mir geht es in erster Linie um den Impact, den ich auf meine Wählerschaft habe.

Ostprog: Gehört zu Ihrer Wählerschaft auch das Nahfeld von Querdenken? Ich frage nur, weil Ihre maßnahmenkritischen Tweets dort häufig Beifall aus einer bestimmten Ecke ernten.

Martin H.: Ich finde: Wir müssen mit diesen Leuten im Gespräch bleiben. Populismus ist da ein gangbarer Weg, um Brücken zu bauen. Daher auch mein Foto bei der BILD, mit den Silvesterraketen. Darauf wird man dann aber leider als Politiker zu sehr reduziert. Die sehen dann nur noch das Bild von Martin mit den Raketen oder die Likes von Pürner oder – ich glaube sogar einmal – Stefan Homburg. Politik ist aber das Bohren von harten Brettern mit anderen Mitteln, hat schon Carl von Weber gesagt. Das Gaslighting der Risikogruppen gegen meine menschliche Versöhnungspolitik ist verstörend.

Ostprog: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Martin H.: Ich habe am Tag des Massakers von Butscha einen Tweet verfasst: »Guten Morgen! Heute ist ein schöner Tag.« Ich habe den Tweet natürlich sofort gelöscht, als ich mitbekommen habe, was da in der Ukraine geschehen ist. Dabei war es auch ein schöner Tag für mich. Dass ich nicht jedes Weltereignis sofort mitbekommen kann, sollte man einem Politiker doch auch zugestehen. Im finanzpolitischen Teil der FAZ habe ich an diesem Tag jedenfalls nichts davon mitbekommen. Sofort hieß es wieder, ich habe angeblich keine Empathie oder sei Egomane. Vor allem von Accounts aus der Schattenfamilien-Szene. Freiheit fängt beim Individuum an und Kollektivismus führt in den Untergang.

Ostprog: Die ersten Likes für diesen Tweet bekamen Sie direkt von den Twitteraccounts von Fränky und PunisherX1984

Martin H.:Ich glaube hier einen Punkt für die Freiheit machen zu müssen. Möglich. Ich bekomme viele Likes. Also für Tweets, die sich gegen den aufkeimenden Linksrutsch und die Coronakratie wenden. Selbst wenn die beiden knallharte Querdenker und Verschwörungsgläubige sein sollten und Stefan Homburg, Boris Reitschuster oder Rosenbusch als Experten wahrnehmen, was alles der Wahrheit entspricht: Diese Leute müssen als Individuen gehört werden! Ausgrenzung hat noch nie funktioniert. Da würden mir Extremismusexperten wie Ahmad Mansour mit Sicherheit zustimmen.

Ostprog: Vor der Pandemie und Ihrem Einzug in den Bayerischen Landtag führten Sie laut eigenen Angaben die »Martin H. Consulting«. Bei Recherchen im Registerportal der Länder, findet sich darüber jedoch kein Eintrag, auch nicht bei gelöschten Firmen. Nutzer:innen, die Sie darauf ansprachen, wurden von Ihnen blockiert.

Martin H.:Ich beobachte sowas leider regelmäßig. Auch das ist eine beliebte Strategie von radikalisierten Schattenfamilien, um mich in Misskredit zu bringen. Mir geht es nicht um Firmen. Mir geht es um die Menschen.

„Es ist so wie bei Franz Kafka“
"Sie wissen, ich bin Bartträger" (Politiker Martin H.). Auch der Rapper Sido (im Bild) trägt Bart, aber hier keine Maske. (Foto: Pixabay.org).
"Sie wissen, ich bin Bartträger" (Politiker Martin H.). Auch der Rapper Sido (im Bild) trägt Bart, aber hier keine Maske. (Foto: Pixabay.org).

Ostprog: Kommen wir auf die Maskenpflicht im Landtag zu sprechen…

Martin H.:Ich sage nur… (pausiert). DIKTATUR!

Ostprog:Wie bitte?

Martin H.: „Ich bitte um Verzeihung, meine Lebensgefährtin löst gerade ein Kreuzworträtsel. »Name für ein politisches System, in dem eine Person oder Gruppe über uneingeschränkte Macht verfügt (8 Buchstaben)«.

Ostprog:Also nochmal zu der Maskenpflicht.

Martin H.:Ich kann Ihnen sagen: Pflicht ist niemals gut. Ich nenne Ihnen ein Beispiel, wenn ich darf?

Ostprog: Sehr gerne.

Martin H.: Ich nenne Ihnen da mal die Impfpflicht über 60 gegen Corona.

Ostprog:Die gibt es ja nun nicht.

Martin H.:Ich sage es doch. Sehen Sie, weil es nicht funktioniert. Jetzt bitte nicht mit einem schrägen Vergleich zur Gurtpflicht kommen.

Ostprog: In Ordnung, aber wie geht es Ihnen als Mensch im Landtag mit der Maskenpflicht, mal ganz unabhängig von der Argumentation?

Martin H.:Ich empfinde es als enorme Belastung. Lesen Sie Franz Kafka? Kennen Sie »Der Prozess?« Es ist so. Man fühlt sich verloren als Individuum. Manchmal kommen einem dann schon so Gedanken. Wir Politiker werden verarscht, von denen da oben! Das würde ich so denken, aber niemals sagen. Kafka konnte das. Aber diese äußeren Zwänge, die zerstören Menschen und Biographien.

Ostprog:Wie geht Ihre Familie damit um?

Martin H.:Ich war mit meiner Familie in einem langen Aushandlungsprozess, aber wir haben uns darauf geeinigt: Alles was mit Masken zu tun hat, wird aus unserem Umfeld verbannt. Das heißt: Kein »Masked Singer« mehr und nur noch Musik von Sido ab 2007. Sobald der Pressesprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte in meinem Plasmafernseher erscheint, wird abgeschaltet. Noch bevor sein Name eingeblendet wird, versteht sich. Meine Frau trägt das mit. Es ist für uns im Haushalt aber auch nicht einfach nur Selbst- sondern auch Fremdschutz. Das verdrängen viele.

Ostprog: Und im Landtag?

Martin H.:Ich sehe darin politisch und menschlich meine schwierigsten Stunden. Sie wissen, ich bin Bartträger. Ohne die Plenarpausen zum Durchatmen, wäre ich vermutlich schon längst politisch und menschlich – beides trenne ich gewissenhaft – längst kollabiert. Es gibt nur wenige Fraktionsvertreter in Bayern, die den Schmerz dahingehend mit mir teilen. Deshalb – und ich weiß, Sie sehen das anders – sind die Gespräche mit der Initiative Familien für mich auch so wichtig. Man schwimmt da auf einer Wellenlänge.

Ostprog: Aber geht es der Initiative Familien nicht in erster Linie um die Maskenpflicht bei Kindern und Jugendlichen?

Martin H.: Ich weiß. Natürlich. Aber das Gesprächsfundament ist da. Ich glaube, dadurch kann man sich – unabhängig vom Alter – auch gut in meine Lage hineinversetzen.

„Die Zukunft liegt in der Rückblickslosigkeit“
Eigentlich steht die Brücke ja schon längst. Die Zukunft liegt jedoch noch im Nebel. (Foto: Pixabay.org).

Ostprog: Sehen Sie denn eine Perspektive für sich?

Martin H.:Ich trage – zum Glück – keine Brille. Das erleichtert mir den Blick auf die Dinge im Parlament. Was fehlt, ist eine Art Aufarbeitung. Es muss kein Tribunal sein, das finde ich übertrieben. Vielleicht einfach eine unabhängige Expertise. Menschen wie Jonas Schmidt-Chanasit, Hendrik Streeck, Klaus Stöhr, Ulrike Guérot, Lars Weisbrod oder Martin Machowecz – um jetzt ein paar Beispiel zu nennen – diesen gehört mein Vertrauen. Sie sollten bei diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen.

Ostprog:Meinen Sie mit »Prozess« jetzt Kafka, einen abstrakten Vorgang oder eine konkrete gerichtliche Aufarbeitung der Pandemie? Ich frage deshalb, weil Tom Bohn im Januar ganz konkret Prozesse gefordert hat und Sie persönlich anscheinend auch sehr schätzt.

Martin H.:Ich habe da eine klare Haltung. Man sollte das alles nicht ausschließen. Ich bin gegen Denkverbote, das wissen Sie ja. Dass Tom jetzt an einem Drehbuch zur »Heinsberg-Studie« schreibt und sich mit Hendrik dafür austauscht, finde ich eine gelungene Synergie, dieser talentierten freiheitsliebenden Individuen. Ein Film, den ich mir vermutlich sogar privat anschauen würde, mit Freunden und einem Glas Champagner. Selbst mit Fränky und PunisherX1984 würde ich das ohne Bedenken und Masken tun.

Ostprog: Reicht Vergangenheitsbewältigung – so verstehe ich Sie gerade – aber für eine gesellschaftliche Veränderung?

Martin H.:Ich antworte auch hier literarisch. Franz Kafka hat »Die Brücke« geschrieben. Diese möchte ich sein. Eine Brücke in der Gegenwart, um Vergangenheit und Zukunft zu ermöglichen. Zu oft liegt die Zukunft in der Rückblickslosigkeit der Gegenwart. Wer sich nicht umdreht, verliert. Worauf ich hinauswill, versteht sicherlich jeder, der schon einmal am Boden liegend über einem Bach hing und von einem Stock gepiesackt wurde. Der Bach ist die Zukunft. Der Stock die Bevormundungsgesellschaft. Ich bin die Brücke. Und ich drehe mich um und ich verbiege mich, wenn es der Freiheit meiner Wählerschaft nutzt.

Ostprog: Danke für das Gespräch.

Martin H.:Ich habe zu danken.

* Titelbild: Foto von Martin H. von der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag  via Wikipedia. Lizensiert unter CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0. Maske via Pixabay. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de

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