Sommer, Sonne, Aluhut

Die „Initiative Kindeswohl“ - Querdenkensynergien

Seit dem 11. August läuft eine Kampagne der „Initiative Kindeswohl“ gegen Coronamaßnahmen für Kinder. Eine Aktion mit der Beteiligung von Personen und Initiativen aus dem Spektrum von Querdenken. In diesem Beitrag geht es um die Entstehung und Vernetzungen, was das alles mit AllesAufDenTisch sowie der Initiative Familien zu tun hat und weshalb nicht davon auszugehen ist, dass die Kampagne dem Kindeswohl dienlich ist. Außerdem ergeben sich weitere Fragen zur Auswahl von externen Mitgliedern in die Evaluierungskommission und der möglichen Rolle von Klaus Stöhr dabei.

* Titelbild: Logo der Initiative Familien via InitiativeFamilien.de. Weitere Graphiken via Pixabay.com. Montage / Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Aya Veláquez trat 2020 als Autorin bei Rubikon in Erscheinung. Ein Onlinemagazin, welches Desinformationen zur Pandemie sowie Verschwörungsmythen verbreitet. Wenig überraschend also, dass Velázquez zwischenzeitlich selbst Verschwörungsnarrative verbreitete, so der Tagesspiegel. Etwa das Markus Haintz und weitere führende Personen hinter den Protesten von Querdenken V-Leute seien.

Oder auch im September 2021, als sie in einem Gesprächsformat mit Paul Brandenburg Verbindungen zwischen der „Corona Task Force“ der Bundesregierung und der Kommunistischen Partei Chinas vermutete. Gegen Paul Brandenburg laufen derzeit Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Am 22. Juni dieses Jahres verfasste Aya Velázquez einen längeren Thread auf Twitter. Darin bezeichnet sie Masken für Kinder als „Verbrechen“, spricht von einem „Krieg gegen die Kinder“ und bezieht sich auch auf die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).

Noch am gleichen Tag veröffentlichte Velázquez auf ihrem Telegramkanal einen Beitrag. Darin kündigte sie die Gründung eines „Dachverbands für Maßnahmenfreiheit und Kindeswohl in Deutschland“ an. Als Kooperationspartner genannt wird Bastian Barucker. Barucker forderte Ende 2020 eine Talkshow mit Wissenschaftlern im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die „abweichende Meinungen“ zur Pandemie vertreten. WDR-Programmchef Jörn Schönenborn lehnte diese ab.

Zuletzt äußerte sich Bastian Barucker öffentlich wohlwollend gegenüber Martin Kulldorff. Kulldorff ist Mitautor der sogenannten Great Barrington Declaration. Eine Strategie zur Pandemiebekämpfung, die von der Mehrheit der Wissenschaft eindeutig abgelehnt wird und einen fragwürdigen Hintergrund hat. Barucker sprach auf seinem Blog im Oktober 2021 noch von einer „angeblichen ‚Pandemie‘“.

Am 23. Juni eröffnete Velázquez schließlich den Telegramkanal Dachverband Kinderschutz, der mittlerweile umbenannt wurde in Kinderschutz Vernetzungsgruppe.

Kinderschutz Vernetzungsgruppe

Jürgen Müller

Einige bekannte Gesichter fanden sich in der Vernetzungsgruppe ein. Darunter auch Jürgen Müller. Müller ist Mitbegründer der Querdenken-Initiativen Kinderrechte Jetzt sowie des Wir-Gemeinsam Bündnis.

Konstantin Kaip sprach in der Süddeutschen Zeitung bezüglich des Vorgehens des Vereins Kinderrechte Jetzt von einer „perfiden Strategie.“ Mit Blick auf die Homepage, verfestigt sich dieser Eindruck. Auf dieser wird weiterhin folgende Falschinformation wiedergegeben: „Insbesondere sind sie aktuell gefährdet durch eine Impfkampagne, die mittlwerweile [sic!] auf Kinder und Jugendliche ausgeweitet wurde, obwohl diese von der Impfung in aller Regel keinen Nutzen haben, jedoch einem noch nie dagewesenen Risiko ausgesetzt sind.

Gefordert werden zudem Strafanzeigen gegen „Ärzte, Schulleiter und Lehrer (…), die sich an der Impfkampagne beteiligen.“ In dem sehr ausführlichen Beitrag bezieht man sich unter anderem auf die sogenannte Pathologie-Konferenz. Über die Konferenz hat der Volksverpetzer bereits ausführlich berichtet.

Die beiden Medikamente Ivermectin und Hydroxychloroquin haben keine Zulassung zur Behandlung gegen COVID-19. (Symbolbild / Pixabay.com)
Die beiden Medikamente Ivermectin und Hydroxychloroquin haben keine Zulassung zur Behandlung gegen COVID-19. (Symbolbild / Pixabay.com)

Müller schrieb im Mai 2021: „Die Impfung ist eine Katastrophe – für fast alle.“ Weiter behauptete er: „Ein Hoch auf die Pharmalobby und die die WHO stark beherrschenden „Philanthropen“. Es müssen keine wirksamen Behandlungmethoden eingesetzt werden wie ivermectin, Hydroxchloroquin [sic!] etc., nachdem diese sauber in Verruf gebracht wurden (…).

Abgesehen vom Verschwörungsnarrativ über eine angeblich Pharmalobby und die WHO beherrschende „Philanthropen“ in diesem Zusammenhang, enthält Müllers Text zahlreiche Desinformationen. Etwa war die Unwirksamkeit von Hydroxychloroquin bereits ein Jahr zuvor als gesichert anzusehen. Ivermectin wiederum hat weiterhin keine Zulassung zur Behandlung von COVID-19, wie das Robert Koch Institut feststellt. Dort heißt es auch, dass das Medikament bislang nur einen niedrigen Evidenzgrad in der Behandlung habe.

Müller nahm zudem an mehreren Demonstrationen der Querdenken-Gruppierung von München steht auf – mitunter sogar als Redner – teil. Im September sprach er gemeinsam auf einer Podiumsdiskussion der Gruppierung mit dem Coronaleugner Andreas Sönnichsen. Es ist also mehr als offensichtlich, dass Müller bestens in die Querdenkenszene vernetzt ist.

Müller wurde trotz alldem im Februar 2022 von Jörg Phil Friedrich für die WELT interviewt. Kritische Nachfragen zu diesen und ähnlichen Aussagen von Müller oder seiner Initiative Kinderrechte Jetzt sucht man dort vergeblich.

Claudia Oberbeil

Eine weitere Teilnehmerin der Gruppe ist Claudia Oberbeil. Auch Oberbeil ist Mitbegründerin von Kinderrechte Jetzt und dem Wir-Gemeinsam Bündnis. Zusätzlich hat sie den österreichischen Verein Zukunft Kinderrechte begründet, gemeinsam mit der Filmemacherin Patricia Marchart. Marchart ist verantwortlich für Schutzfilm.

Dabei handelt es sich um ein Filmteam, das im Laufe der Pandemie traurige Bekanntheit für seine Dokumentarfilme erhalten hat, die Desinformationen zur Pandemie verbreiten, sowie Verschwörungsnarrative. Dem jüngsten Werk mit dem Titel „Eine andere Zukunft“ habe ich vor etwa einem Monat eine umfassende Filmkritik gewidmet.

Am Film „Eine andere Zukunft“ war auch Claudia Oberbeil als Kamerafrau beteiligt.

Zudem wird Oberbeil im Impressum einer Webseite namens Virushype angegeben, für deren Layout sie verantwortlich gewesen sei. Auf der Seite werden Impfrisiken überbetont. Vorteile der Impfungen werden nicht benannt.

Oberbeil wurde in der Vergangenheit auch auf einer Unterstützungsliste der Ärzte für Aufklärung genannt. Die Ärzte für Aufklärung sind eine Desinformationsgruppe um den Coronaleugner Heiko Schöning. Im April dieses Jahres berichtete Correctiv, wie die Gruppierung und Mitglieder wie Schöning am Aufbau eines internationalen Netzwerks von Coronaleugnern beteiligt war.

Sabrina Loyda

In der Vernetzungsgruppe trat eine Nutzerin namens „Federwolke“ in Erscheinung. Als es um die Suche nach Kooperationspartner:innen ging, gab diese folgenden Hinweise:

Zudem gab die Nutzerin noch diesen Kommentar ab:

Die Nutzerin hatte als Handle auf Telegram den Namen @Sabrina_Loyda gewählt. Sabrina Loyda ist Mitglied der Initiative Familien. Loyda ist selbst in der Vergangenheit bereits namentlich mit einem Aufruf der Initiative Familien Berlin an die Öffentlichkeit gegangen. Die Entdeckung, dass ein Mitglied der Initiative Familien dem Kanal beiwohnte, machte die Journalistin Annette Bulut.

Zuvor hatte Velázquez am 23. Juni zur Teilnahme an einem Treffen der Berliner Initiative Familien aufgerufen. Es wurde eine mögliche Kooperation vermutet. Die Initiative Familien widersprach auf Twitter.

Velázquez nahm kurz darauf ebenfalls erneut Stellung zum Treffen: „Hier lag allerdings offenbar ein Missverständnis vor: Es handelt sich um ein internes Treffen, das gar nicht beworben werden sollte. Die Leiterin des Treffens hat sich soeben für das Missverständnis bei mir entschuldigt.

Die Teilnahme von Loyda sowie ihre Hinweise für Kooperationspartnern widersprechen der offiziellen Behauptung der Initiative Familien. Via Telegramm konfrontierte ich Loyda mit meinen Recherchen. Meine Frage hat sie bislang nicht beantwortet. Etwa, ob sie auch an der internen Vernetzungsgruppe beteiligt war. Nach meiner Anfrage änderte Loyda ihr Telegram-Handle. Die von Loyda beigetragenen Inhalte sind jedoch weiterhin zu lesen.

Dass Loyda Ursel Heudorf, Matthias Schrappe und Klaus Stöhr empfiehlt, ist interessant, aber nicht unbedingt überraschend. Die genannten sind alle Mitglieder der Lobbygruppe Initiative COVID-Strategie (auch: „Corona Strategie“), der auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit angehört. Diese ist wiederum vernetzt mit der Info-Plattform Corona, der Schrappe, Stöhr und der Medizinstatistiker Gerd Antes angehören. Antes trat im Film „Eine andere Zukunft“ von Schutzfilm auf und gab dabei folgenden Verschwörungsnarrativ wieder:

Aber auch Andrea Knipp-Selke ist an dieser Gruppe beteiligt. Sie ist Mitglied der Initiative Familien, trat ebenfalls bei „Eine andere Zukunft“ sowie bei AllesAufDenTisch auf. Letzteres teilt sie als Gemeinsamkeit ebenfalls mit Antes und Stöhr, wobei Stöhr sogar gleich an mehreren Videos bei AllesAufDenTisch mitwirkte.

Stöhr wurde auf Vorschlag der CDU nach dem Ausstieg von Christian Drosten in die Evaluierungskommission gewählt. Als weitere beteiligte Expert:innen tauchen auch Namen aus dem Umfeld der Initiative COVID-Strategie auf. Darunter auch: Andrea Knipp-Selke.

Die Initiative Familien ist in der Vergangenheit wiederholt mit Kontakt zu sowie Interaktionen mit Personen aus dem Umfeld von Querdenken aufgefallen. Zuletzt ergaben Recherchen von mir, dass die Initiative einen aktuellen Appell – der ebenfalls von Personen der Initiative COVID-Strategie mitgezeichnet wurde, darunter auch Klaus Stöhr – mit der Unterschrift eines Rechtsanwalts absegnete, der in der Vergangenheit bereits für Impfgegner:innen eine Popularklage in Bayern führte.

Auch Jakob Maske, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), zeichnete wie auch Johannes Hübner, Beauftragter der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), in der Vergangenheit Schreiben der Initiative Familien. Ebenso wie Peter Walger, Ehrenmitglied der DGPI sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Walger beendete im März diesen Jahres abrupt ein Telefongespräch mit mir, nachdem ich ihn auf seine Unterstützung für die Initiative Familien und deren nachweislichen Verbindungen zu Querdenken ansprach. Wie Tobias Tenenbaum als erster Vorsitzender der DGPI sich in diese Empfehlung von Loyda einreiht, ist unklar, denn er war nach meinem Wissen bislang nie als aktiver Befürworter in Erscheinung getreten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mitglieder von zu Querdenken offenen Elterninitiativen Verbände und Gesellschaften von Kinderärzt:innen als natürliche Verbündete betrachtenAm 10. April diesen Jahres ging bereits in einer Gruppe der Initiative Laut für Familien – siehe dazu auch meine Artikel zu den Gründerinnen Nele Flüchter und Nicole Reese – ein bemerkenswerter Beitrag herum. In der weitergeleiteten Nachricht einer mit der Initiative Familien vernetzen Elterninitiative namens Kinder brauchen Schule heißt es zum Wegfall der Maskenpflicht an Schulen unter anderem: „Wir haben uns mit euch, den Kinderärzte-Fach- und Berufsverbänden (DGPI, BVKJ, u.a.) und anderen Elterninitiativen lange dafür eingesetzt (…).

Zur Kooperation des Mitglieds mit der Vernetzungsgruppe: Zarah Abendschön-Sawall (Bundesvorstand Initiative Familien) schien in der Vergangenheit auf Twitter ebenfalls bereits kein Problem im Umgang mit Aya Velázquez zu haben. Eine Anfrage via Mail beantworte die Initiative Familien bisher nicht.

Sammelplattform für die Initiative Kindeswohl

In der öffentlichen Vernetzungsgruppe – in der auch dieser möglicherweise antisemitische Verschwörungsmythos geteilt wurde – gab es zunächst keinerlei inhaltlichen Austausch über die geplante Aktion. Für die Absprache zum Vorgehen nutzte man eine interne geschlossene Gruppe. Zur Aufnahme in diese wurden im Vorfeld Gespräche geführt.

Ich nahm an einem solchen Gespräch verdeckt teil und stellte fest, dass dieses von Bastian Barucker geführt wurde. Die Abschaffung von 3G beschrieb er im Verlauf der gegenseitigen Vorstellung als Erfolg der Bewegung, sowie „das viele Maßnahmen erstmals im Mainstream kritisch hinterfragt werden“. Zudem habe man, so Barucker in dem Gespräch weiter, „verhindern können, dass es Umerziehungslager gibt.“ Der Verschwörungsnarrativ über angeblich geplante Umerziehungslager ist nicht untypisch für die Coronaleugnerszene. In der Öffentlichkeit hat sich Barucker nach meinem Wissen jedoch bisher nie entsprechend geäußert.

In die interne Gruppe wurde ich nicht aufgenommen, aber Barucker lieferte später selbst die nötigen Hinweise dafür, dass die Initiative Kindeswohl mit Sicherheit aus dieser internen Vernetzungsgruppe hervorgegangen ist. So suchte er am 4. August über seinen eigenen Telegramkanal – geteilt wurde dieser Aufruf von Kinderrechte Jetzt – „für ein paar Stunden“ Unterstützung für die Gestaltung einer Webseite für „ein kommendes Projekt, welches sich für eine maßnahmenfreie Bildungslandschaft für Kinder und Jugendliche einsetzt.“ Eine deckungsgleiche Formulierung zum Ziel der Initiative Kindeswohl.

Im Impressum der Seite der Initiative Kindeswohl wird dazu ein Martin Sell genannt. Sell ist Verleger eines Buches von Barucker, so dieser selbst in seinem Telegramkanal.

Genau eine Woche nach dem Aufruf von Barucker, ging die Aktion am 11. August online mit einer Webseite als auch einer Petition, die zwischenzeitlich aufgrund fehlender Angaben gesperrt war. Seit einigen Tagen ist diese Petition wieder erreichbar. Dabei gibt es weiterhin inhaltliche Fragen zur Glaubwürdigkeit der Quellen sowie der davon abgeleiteten Aussagen.

So verweist die Initiative auf die Organisation PANDATA als Quelle. Wenig überraschend, da Barucker mit der Organisation bereits in der Vergangenheit bei einer Übersetzung kooperierte und diese der Initiative Kinderrechte Jetzt zur Verfügung stellte. Bei PANDATA handelt es sich um ein im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekanntes Desinformationsnetzwerk. Das belegen Recherchen des britischen Journalisten Karam Bales.

Eine Nachfrage vom Dienstag beim Team von OpenPetition, ob aufgrund dieser Mängel nicht ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen nach Punkt 1.4 der Plattform vorliege, wurde bisher nicht beantwortet. Nachtrag vom 20. August: OpenPetition hat angekündigt, die Petition erneut zu prüfen.

Verbreitung der Kampagne

Auf Telegram teilte den Aufruf zuerst der Kanal von Querdenker Henning Rosenbusch. Via Twitter kam Querdenkerin Nele Flüchter Rosenbusch zuvor, gefolgt von ihrer Kooperationspartnerin Nicole Reese.

Weitere erwähnenswerte Personen / Gruppierungen, die den Aufruf mit dem entsprechenden Hashtag auf Twitter teilten sind in chronologischer Reihenfolge: Jürgen Müller, Iris Giesler, Christoph Lütge, René Becke (siehe hier), Bastian Barucker, dieBasis Berlin, Friedrich Pürner (siehe hier und hier), MVfuerKinder (siehe hier), Lobbyisten für Kinder (siehe etwa hier), dieBasis KV Steinfurt AG Bildung, Stefan Homburg (siehe hier), dieBasis Kreisverband Nürnberg-Fürth-Erlangen, Kinderrechte Jetzt, Wir-Gemeinsam Bündnis, München steht auf, MEGA! (die gemeinsame Plattform von Kinderrechte Jetzt und dem Wir-Gemeinsam Bündnis) sowie Gerhard Vierfuß (Sprecher der AfD-Oldenburg).

Einige von den genannten Personen – darunter auch Friedrich Pürner und Stefan Homburg – haben den Aufruf sogar selbst mitgezeichnet.

Daneben verbreitete auch Agnes Horvath (Initiative Familien Hessen) den Beitrag von Christoph Lütge zur Initiative Kindeswohl. Horvath interagiert mit der Initiative – nach allem was bislang bekannt ist – weiterhin regelmäßig mit dem Kulturausschuss des Landtags in Hessen, sowie mit der CDU in Hessen. Kristina Schröder, eine der bekanntesten Förderinnen der Initiative, ist Mitglied der CDU Wiesbaden.

Bemerkenswerterweise teilte auch die Querdenken-Bewegung Halle den Aufruf. Im Januar hatte ich über die Toleranz innerhalb der Bewegung für rechtsextremistische sowie antisemitische Verschwörungsnarrative berichtet.

Wer ist intern beteiligt?

Neben Barucker und Velázquez ließ sich für ein paar weitere Personen später nachweisen, dass diese ebenfalls in der internen Organisationsgruppe integriert waren. Darunter auch Claudia Oberbeil, die im Impressum der Seite genannt wird. Daneben gab es jedoch kurz nach Erscheinen eine weitere Nachricht im Telegramkanal der Vernetzungsgruppe, der auf eine weitere Person hindeutet.

Bianca Höltje ist Gründerin der Querdenken-Gruppierung Schulleiter für Aufklärung und betreibt zudem einen eigenen Telegramkanal. Höltje trat im Dezember 2021 auf dem YouTube-Kanal der Epoch Times auf. Einem Medium, das unter anderem Narrative von Querdenken ohne Einordnung zu bedienen scheint und laut Berichterstattung von Deutschlandfunk Kultur als rechtspopulistisch einzuordnen ist.

Höltje kandidierte im vergangenen Jahr für die Querdenken-Partei dieBasis in Nordrhein-Westfalen für den Bundestag. Im verlinkten Interview bezeichnet sie Maßnahmen an Schulen als „Terror“. Der Kreisvorsitzende der Partei aus der Region von Höltje hatte kurz zuvor eine Distanzierung zur AfD abgelehnt, so der Bericht der Celleschen Zeitung weiter.

Laut einem Beitrag in der Zeitschrift Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen – herausgegeben von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft in Niedersachen – sei Höltje aktiv bei den Demonstrationen von Celle steht auf. „Ende August posiert sie stolz auf einer Demonstration in Berlin mit »Querdenken«-Gründer Michael Ballweg für ein Foto“, so der Journalist Andreas Röpke in dem Beitrag weiter zu Höltje.

Synergie-Effekte

Beobachtungen zum Netzwerk und dessen Verbindungen in die Szene

Anhand der Unterschriften von mir bereits bekannten Personen auf Petition und Aufruf sowie der genannten Recherchen habe ich einen Netzwerküberblick erstellt. Es war auffällig, wie viele direkte Verbindungen zu Personen bestehen, die in der Vergangenheit bei AllesAufDenTisch mitgewirkt haben, aus dem Organisationsumfeld der Querdenken-Proteste von FriedlichZusammen stammen, oder sich an der Petition des Teams Coronaausöhnung beteiligt haben. Auch Personen, die an Produktionen von Schutzfilm mitgewirkt haben, sind vertreten.

Neben der Verbindung nach Österreich über Oberbeil und Schutzfilm sind auch die Anknüpfungspunkte zur Desinformationsgruppe PANDATA über Barucker interessant. Dennoch handelt es sich vorwiegend wohl um eine nationale Vernetzungsanstrengung, die zeigt wie stark um eine Aufrechterhaltung der Bewegung gerungen wird.

Aufgrund der Beteiligung von und Unterstützung durch zwei Mitglieder von Landesverbänden der Initiative Familien habe ich zusätzlich noch den Unterstützungskreis abgebildet, der wiederum zu anderen Personen und Initiativen aus dem Netzwerk Verbindungen aufweist.

Ulrike Guérot, Nicole Reese, Nele Flüchter, Martin Hirte und Claudia Oberbeil – geordnet nach Anzahl an Verbindungen, wobei Guérot die meisten Verknüpfungen aufweist – spielen als Personen die größte Rolle im Netzwerkausschnitt.

Die Quellennachweise für die einzelnen Verbindungen können via Datawrapper hier eingesehen werden. Die Daten für die Knoten und Verbindungen für Graph Commons stehen hier als ZIP-Archiv zum Download zur Verfügung.

Initiative Kindeswohl und die Evaluierungskommission

Als die Evaluierungskommission im Juli ihre Ergebnisse präsentierte, gab es einiges an Kritik für den Bericht und Teile der dort extern hinzugezogenen Expert:innen. Silke Jäger und Marianne Falck berichteten für Riffreporter von methodischen Mängeln und auch der fragwürdigen Verbindung zur Initiative Familien.

Einige der namentlich genannten Expert:innen stammen direkt aus der Arbeitsgruppe von Klaus Stöhr. Mitglieder, die wiederholt die Initiative Familien unterstützt haben oder bei Schutzfilm bzw. AllesAufDenTisch aufgetreten sind.

Doch nach meinem bisherigen Wissen hat keiner dieser Person die Aktion der Initiative Kindeswohl unterstützt. Keine bis auf Iris Giesler.

Giesler steht weder zur Initiative Familien noch der Initiative COVID-Strategie in direkter Verbindung. Ihre Timeline auf Twitter offenbart aber eine sehr einseitige Fixierung auf die Expertise von Personen aus dem Umfeld der Initiative COVID-Strategie.

Berührungsängste mit Kinderrechte Jetzt – die sie zum Teilen eines Briefs von Laut für Familien aufrief – hatte Giesler in der jüngeren Vergangenheit jedenfalls nicht, inklusive Hinweis an die Initiative Familien und Interaktionen mit Personen aus der Kindertruppe.

Wer Giesler, in die Kommission eingeladen hat, ist weiterhin unklar. Auf eine private Nachfrage via Twitter – auch auf ihre Unterstützung der Petition – reagierte Giesler bislang nicht.

* Titelbild: Logo der Initiative Familien via InitiativeFamilien.de. Weitere Graphiken via Pixabay.com. Montage / Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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2 Comments

Warum ich die Initiative Familien jetzt offiziell Querdenken zuordne · 20. August 2022 at 11:11

[…] tauchen letztlich dann nicht in der Unterstützungsliste der daraus entstandenen Initiative Kindeswohl auf, aber es zeigt doch eindrücklich, wie wenig der direkte Kontakt gescheut wird, sobald man sich […]

OSTPROG - Reignite World Freedom: Desinformationspipeline · 5. September 2022 at 22:31

[…] Gruppen sind bekannt dafür, Desinformationen zur Pandemie zu verbreiten. Der deutsche Querdenker Bastian Barucker übersetzte mehrere Texte von PANDATA. Eine dieser Übersetzungen stellte Barucker einer radikalen […]

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* Titelbild: Erstellt mit Artbreeder.com. Einzelne Abbildungen via Pixabay.com und Wikipedia. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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