* Titelbild mit Foto von Kristina Schröder: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons). Stopschild via Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Gut gemacht, Frau Schröder!

Der Moment, als Kristina Schröder die Grenze überschritt

Kristina Schröder wollte immer nur die dauergrinsende Familienministerin a.D. sein, die die Entscheidungen ihrer Politik dem Lobbyismus überlässt. Doch ab einem bestimmten Punkt der Corona-Pandemie (ca. April 2020) begann sie plötzlich, selbst aktiv Lobbyismus zu betreiben. Je mehr Kritik sich daran regt, desto … – Eigentlich gab es keine Kritik daran. Auch jetzt nicht, wenn Schröder immer offensichtlicher mit Personen aus dem Umfeld von Querdenken interagiert. Gut gemacht, Frau Schröder. Eine Glosse.

Kristina Schröder kämpft nicht mehr um die Rolle in den Geschichtsbüchern. Sie hat sich dort ihren festen Platz erkämpft. Als Unterstützerin von Elterninitiativen, die keinerlei Problembewusstsein gegenüber Querdenken an den Tag legt. Nicht einmal, nach einem Webinar beim Goldenen Aluhut.

Als jemand, der sich sehr erfolgreich gegen eine soziale Pandemiebekämpfung eingesetzt hat. Jemand, der über die WELT inmitten einer Pandemie die Mär vom ideologischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet, die man sonst nur aus der schäbigen Stammkneipe um die Ecke kennt.

Dennoch bekommt Schröder Aufmerksamkeit vom ÖRR. Etwa beim NDR-Magazin DAS! im Januar. Den laschen Corona-Shutdown im Februar 2021 konnte sie bei Maybrit Illner als „totalitär“ bezeichnen, als wähne sie sich bereits im sibirischen Gulag. Die Cancel-Culture muss schwer auf Schröder lasten. Im Februar dieses Jahres, wurde sie sogar zu Hart aber fair zum Thema Corona eingeladen.

Neben einer echten Wissenschaftsjournalistin wie Christina Berndt (Süddeutsche Zeitung), konnte die Wiesbadener Popul(ärw)is(senschaf)t(ler)in ihr absolut ungefährliches Halbwissen ins nationale Gedächtnis brennen. Für eine kleine Minderheit ihrer loyalen Fanbasis ein freudiges Zischen im Wassertrog, für die schweigende Mehrheit eher wie ein Viehzüchter mit dem Brandeisen.

Eine Behandlung, die an den Verteidiger des PEGIDA-Begriffs „Staatsfunk“ – Jan Fleischhauer –erinnert. Das mediale „Stockholm-Syndrom“ kann man auch gerne als „Schwedischen Weg“ bezeichnen.

„Wir werden einander wahrscheinlich viel zu verdanken haben“

Es ist sehr erfreulich, dass Kristina Schröder ihre politischen Kontakte dazu genutzt hat, um sich für konkrete Vorschläge zur Entlastung von Familien einzusetzen. Historiker:innen werden dafür zwischen ihren Meinungen zum Schulsingen, ihren Retweets von Querdenkern und Desinfomationen zur Schulsituation in Deutschland danach suchen müssen. Man sollte die Philanthropie auch nicht zu offen vor sich hertragen.

Für ein Kinder-Grundeinkommen hat sich Schröder bisher nie öffentlich eingesetzt. Während ihrer Zeit als Bundesfamilienministerin lehnte sie ein solches Modell stets ab. Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden. Zuletzt nahm Schröder an einer Podiumsdiskussion – moderiert von Richard David Precht – teil, in der es sogar gleich um das Bedingungslose Grundeinkommen ging. Man erahnt die Haltung. Interessant, dass Schröder dort gleichberechtigt neben drei Personen vom Fach auftrat.

Es ist gut, dass Kristina Schröder tiefstapelt. Manche könnten sie sonst für eine Hochstaplerin halten.
Eltern vergessen nicht?

Risikogruppe. Risikofamilien. Risikokinder. Schattenfamilien. Diese Worte gibt es für die angeblich sozial engagierte Kristina Schröder auf Twitter nicht. Das meine ich so, wie ich es schreibe. Manche Eltern – so wie Kristina Schröder – vergessen eben doch hin und wieder. Nämlich die Bedürfnisse anderer. Das meinen jedenfalls böse Zungen. Schrecklich, dass Frau Schröder diesem Gaslighting ausgesetzt wird.

#NullLebenGerettet, schreibt die Querdenkerin Nele Flüchter unter ihrem Pseudonym auf Twitter. Die ehemalige CDU-Politikerin retweetet das. Es ist gut, dass Kristina Schröder Querdenken vertritt und das Querdenken anscheinend die Meinung der Lobbyistin/Kolumnistin wiedergibt. Null Leben wurden also gerettet durch die Maßnahmen? Der Eindruck bleibt hängen. Hoffentlich auch der, dass Schröder ein großes Herz für Querdenken hat.

Als ich ihren Kollegen und Extremismusexperten Ahmad Mansour (R21) fragte, wie er es mit Frau Schröders Offenheit bezüglich Querdenken hält und ihn auf eine Quelle aufmerksam machte, blockierte mich dieser. Gut, dass Mansour sich von Journalist:innen abgrenzen kann. Bei Querdenken gelingt ihm das leider nicht ganz so gut, wenn man einen Blick in seine Twitter-Timeline wirft.

Warum, darüber möchte ich nicht spekulieren. Manche kommen da bei Verschwörungsnarrativen raus. Ich denke mir nur: Er wird schon seine Gründe haben, wegzuschauen. Einmal Schröder, immer Schröder.

Danke, Frau Schröder

Vielen Dank Frau Schröder, dass Sie querdenkende Eltern gut durch die Pandemie gebracht haben. Sie haben ihnen Hoffnung gegeben, in dieser geradezu „totalitären“ Zeit. Aber auch den skrupellosen Firmen, für die Maßnahmen an Schulen ein Dorn im Auge sein könnten. Sie wissen schon: Bloß nichts riskieren. Das heißt, solange es um das Kapital geht. Humankapital nicht zwangsläufig eingeschlossen.

Danke und bleiben Sie sich treu. Das funktioniert für Personen ähnlichen Schlags wie Ulrike Guérot ja auch sehr gut, solange es niemanden interessiert. Die jüngste Familienministerin Deutschlands. Was für ein Rekord! Das bleibt hängen. Was kann da schon schiefgehen? Dann klappt es auch mit dem Lobbyismus.

Frau Schröder ist eine mutige Grenzgängerin. Mag sein, dass sie diese Grenzen zu Gunsten einer anti-demokratischen Bewegung verschiebt, aber wen interessiert das schon. In Deutschland offensichtlich nur eine kleine Minderheit.

Insofern: Danke, Frau Schröder und bleiben Sie so, wie Sie sind. Für Ihre Fans!

* Titelbild mit Foto von Kristina Schröder: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons). Stopschild via Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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