Bilder: Pixabay.org / Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostrpog.de.

Das pädiatrische Toleranz-Paradoxon

#OperationBlockQuerdenken

Falsche Toleranz? In diesem Beitrag zeige ich: BVKJ, DGKJ und DGPI sowie einige hochrangige Mitglieder dieser pädiatrischen Vereine, tolerieren auf Twitter weiterhin Accounts aus dem Umfeld von Querdenken. Zum Teil interagiert man mit diesen auch offen. Hinweise dazu werden von den Betreffenden leider zumeist ignoriert oder als persönlicher Angriff interpretiert. In der Vergangenheit blieben etwaige Presseanfragen mit Hinweisen – etwa zur Unterstützung der Initiative Familien und deren Hintergründe – größtenteils unbeantwortet, mit Ausnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendärzte.

Ein Einblick in den fragwürdigen Umgang pädiatrischer Verbände und Gesellschaften mit Accounts aus dem Umfeld von Querdenken und Kindertruppe sowie ein Kommentar über meine Vermutung, wie die Verbände aus dieser Misere herausfinden könnten, wenn ihnen etwas an der eigenen Reputation liegt.

In Deutschland gibt es zwei große pädiatrische Organisationen aus dem Bereich der allgemeinen Kinderheilkunde. Die größte und geschichtsträchtigste Fachgesellschaft ist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendärzte (DGKJ), die Ende 2020 rund 18.000 Mitglieder zählte. Die DGKJ besteht bereits seit 1883. Daneben gibt es den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der etwa 12.000 Mitglieder umfasst. Die BVKJ ging aus der „Abteilung für Berufsfragen“ der DGKJ im Jahr 1970 hervor. Die Geschichte der beiden Verbände ist eng miteinander verknüpft.

Die DGKJ ist für wissenschaftliche Aspekte der pädiatrischen Praxis zuständig, wohingegen sich die BVKJ als Interessenvertretung für den Berufsstand der Pädiatrie versteht. Derzeitiger Vorsitz der DGKJ ist Jörg Dötsch. Die BVKJ wird von Thomas Fischbach geleitet.

Eine weitere bedeutende Rolle spielt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Diese besteht seit 1991 und ging hervor „aus der Arbeitsgemeinschaft Infektiologie der Gesellschaft für Pädiatrie der ehemaligen DDR und der Kommission für Infektionskrankheiten der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde in der Bundesrepublik Deutschland.“ Letzteres ist der veraltete Name der DGKJ. Die DGPI hat laut eigenen Angaben rund 800 Mitglieder.

Keine Antwort, ist auch eine Antwort

Bereits Mitte November stellte ich mehrere Anfragen an den BVKJ. Konkret ging es um die Unterstützung und Unterschriften für die zu Querdenken offene Initiative Familien. Eine Antwort blieb aus. Stattdessen tauchte der BVKJ bei einem offenen Brief der Initiative im Januar sogar als Erstunterzeichner auf. Der Verband schloss sich trotz der Hinweise offenbar weiter der Initiative an, obwohl von meiner Seite mehrfach journalistisch belegt wurde, wie groß das Problem im Umgang mit Querdenken dort sein muss.

Auch Mitglieder der Bundesvorstände von DGKJ und DGPI haben in der Vergangenheit Briefe der Initiative unterstützt. Für die DGKJ gilt hierbei: Entweder taten sie dies unter Nennung ihrer Mitgliedschaft in der BVKJ oder sie gaben keinerlei offizielle Gesellschaft oder einen Verband an und unterschrieben als Privatperson. Einzige Ausnahme ist hierbei eine pädiatrische Ärztin, die allerdings nur einfaches Mitglied der DGKJ ist. Unterzeicher:innen wie Hans-Iko Huppertz und Thomas Fischbach sind parallel sowohl Mitglieder im Bundesvorstand der DGKJ, als auch der BVKJ.

Der fragliche Brief vom Januar wurde ebenfalls von den DGPI-Vorstandsmitgliedern Arne Simon und Johannes Hübner unterstützt. Nachtrag vom 06. Mai:  Simon und Hübner sind Beauftragte der DGPI und seit März 2021 nicht mehr Mitglieder des Vorstands. Den aktuellen Brief der Initiative vom März unterschrieben die beiden erneut. Daneben tauchen im März als Unterzeichner auch Thomas Fischbach und Hans-Iko Huppertz auf. Fischbach gibt dabei die BVKJ namentlich an, wohingegen Huppertz lediglich als Kinderarzt und Infektiologe erwähnt wird.

Die DGPI antwortete mir auf Anfrage dazu im Dezember: „Es erreichen uns derzeit viele Anfrage, die wir leider nicht alle beantworten können. Bitte haben Sie dafür Verständnis. (…) Sollte ihre Frage dennoch weiter bestehen, kommen Sie gerne erneut auf uns zu. Wir werden bestmöglich versuchen, Ihnen zu antworten.

Die DGKJ, die als einzige Fachgesellschaft auf diesbezügliche Anfragen antwortete, schrieb damals: „Als wissenschaftliche Fachgesellschaft setzt sich die DGKJ für die bestmögliche kinder- und jugendmedizinische Versorgung und Kindergesundheit ein und informiert Fachkreise und Öffentlichkeit. Dies geschieht in dem uns zur Verfügung stehenden Rahmen der Wissenschaftlichkeit, indem wir aktuelle Empfehlungen und Stellungnahmen erarbeiten und diese auch fachlich vertreten.“ Auf die Unterstützung der offenen Briefe durch Mitglieder der eigenen Fachgesellschaft, ging man nicht weiter ein.

„Sie sehen Gespenster!“ (Dominik Schneider, DGKJ)

Am 10. April ging in der Gruppe der Initiative Laut für Familien – siehe dazu auch meine Artikel zu den Gründerinnen Nele Flüchter und Nicole Reese – ein interessanter Beitrag herum. In der weitergeleiteten Nachricht einer anderen Elterninitiative namens Kinder brauchen Schule heißt es zum Wegfall der Maskenpflicht an Schulen unter anderem: „Wir haben uns mit euch, den Kinderärzte-Fach- und Berufsverbänden (DGPI, BVKJ, u.a.) und anderen Elterninitiativen lange dafür eingesetzt (…).

Eine Formulierung, die zwei Schlüsse zulässt: Entweder gab es zwischen den genannten Fachverbänden und den Initiativen eine direkte oder indirekte Zusammenarbeit, oder man sieht in den genannten Fachverbänden mindestens potentielle natürliche Verbündete für die eigenen Positionen. Beides sollte zu denken geben.

Dass es Unterstützung von den im obigen Zitat direkt erwähnten Gesellschaften/Fachverbänden bzw. deren Mitgliedern für die Initiative Familien gab, ist unstrittig. Eine wechselseitige Unterstützung ist mindestens auch daran erkennbar, dass diese Initiativen sich häufig argumentativ auf einzelne oder gemeinsame Stellungnahmen der Verbände stützen und diese sowohl auf den eigenen Webseiten, als auch in den sozialen Medien bewerben.

Meine schriftlichen Anfragen zur Erklärung des Zitats aus Sicht von BVKJ und DGPI blieb bisher unbeantwortet. Auf Twitter meldete sich diesbezüglich Dominik Schneider (DGKJ). Auf die Frage, ob man verdeckt mit solchen Elterninitiativen kooperiert, antwortete dieser zunächst: „Wenn ich Ihnen antworte, kooperiere ich dann mit Ihnen?

Auf meine Bitte um eine sachliche Antwort, erwiderte er: „Ich kann für mich und die DGKJ sprechen, bei der ich ja im Vorstand bin. Ich habe im Herbst einen Appell unterzeichnet, in dem eine konsistente Coronapolitik gefordert wurde, sonst nichts. Die DGKJ kooperiert auch nicht im Hintergrund mit Querdenkern, keinesfalls.

Zur Präzisierung wollte ich wissen, ob die DGKJ weder online oder offline im Austausch mit Vertreter:innen der fraglichen Initiativen steht. „Schauen Sie mal“, schrieb Schneider: „Wenn ich so höflich gefragt werde, antworte ich sogar Ihnen! Warum sollte ich dann nicht auch anderen antworten? Das hat doch mit Ihren Verschwörungszenarien, [sic!] die Sie hier aufbauen nichts zu tun. Sie sehen Gespenster!

Auf meinen Hinweis, dass es mir nur um die Klärung des Kontexts geht, den der Beitrag in der Gruppe zulässt, antwortete Schneider nach mehrfacher Nachfrage zwei Tage später: „Wie schon geschrieben stehen weder ich noch mein Vorstand mit den von Ihnen genannten Organisationen im Austausch. Nicht auszuschließen vermag ich punktuelle Kontakte nach Anfragen.

Die Pressestelle der DGKJ antwortete via Mail auf meine Frage: 

Sie hatten sich ja bereits im Dezember letzten Jahres mit einer ähnlich gelagerten Frage an die DGKJ gewandt. Im Grunde ist meiner Antwort von damals nichts hinzuzufügen: Nach wie vor setzt sich unsere Fachgesellschaft für die bestmögliche kinder- und jugendmedizinische Versorgung und Kindergesundheit ein und informiert Fachkreise und Öffentlichkeit. Unserer Arbeitsweise entsprechend geschieht dies nicht über Initiativen, sondern in dem uns zur Verfügung stehenden Rahmen der Wissenschaftlichkeit, indem wir aktuelle Empfehlungen und Stellungnahmen erarbeiten und diese auch fachlich vertreten. So finden Sie auf unserer Webseite ein Papier zu den Lockerungen in den Infektionsschutzmaßnahmen (Stand 3.3.2022) mit Ausführungen zum Masketragen.

Die Gespenster, die ich tolerierte?

Welche "Gespenster" ich noch so gesehen habe, wird sich in der weiteren Auswertung noch zeigen. Womit Schneider wohl recht hat: Eine direkte Kooperation zwischen DGKJ und diesen Initiativen ist nicht nachweisbar. Wohl aber eine Toleranz. | Bildquelle: Pixabay.com.
Folgefehler?

Knapp eine Woche später – am 20. April – machte ich Dominik Schneider darauf aufmerksam, dass er einem Account der Querdenken-Partei DieBasis folgt. Er erklärte am folgenden Tag: „Das ist mir nicht bewusst gewesen. Ich habe weder Kontakte mit noch Verständnis für diese Organisation und werde dieser entflogen. Danke für den Hinweis.“ Ich wies ihn anschließend auf zwei weiteren Personen aus dem Umfeld von Querdenken hin, denen er mit seinem Account folgt. Eine Antwort blieb bislang aus. Es handelt sich um die Accounts von René Becke und dem Musiker MIGO.

René Becke ist laut seinem Profil bei Facebook zuständig für die Kommunikation bei der Initiative Familien, Initiator von MV für Kinder und seit neuestem Mitglied im Bundesvorstand der Partei Lobbyisten für Kinder.

Die Initiative „MV für Kinder“ war zuvor bereits durch ihre Unterstützung für die Aktion #UnmaskOurKids aufgefallen, die überwiegend aus dem Spektrum von Querdenken getragen wird, wie ich im Rahmen einer Recherche aus dem Februar zeigen konnte. Vermutlich ist Becke über die Arbeit für die Initiative Familien und dem Kontakt mit der Querdenkerin Nele Flüchter zur Partei Lobbyisten für Kinder dazugestoßen.

Auf Twitter ist Becke erst seit wenigen Wochen offiziell angemeldet. Zu seinen Followern gehören neben zahlreichen Accounts aus der Kindertruppe auch Nicole Reese, Nele Flüchter und Dominik Schneider. Unter den Accounts denen Becke folgt, findet sich neben diesem Personenkreis auch ein Mitglied der Heiner Ultras, einer losen Internetgruppierung von Querdenken, die bereits durch Hetze gegen SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach aufgefallen war.**

Vor wenigen Tagen wurde eine extremistische Gruppierung festgenommen, die mutmaßlich die Entführung des Gesundheitsministers geplant haben soll. Lauterbach erhält seit Pandemiebeginn regelmäßig Drohungen aus dem Umfeld von Querdenken.

Der Account von #MVfuerKinder, den Becke mutmaßlich selbst betrieben hat, war bereits durch Interaktionen mit den Heiner Ultras sowie Querdenkern wie Friedrich Pürner und Stefan Homburg aufgefallen. Bezüglich der Interaktion mit Homburg antwortete die Initiative mir gegenüber auf Twitter: „Hier kann es sich tatsächlich nur um ein Versehen handeln, leider.“ Zu den anderen Kontakten schweigt man bis heute.

Der andere erwähnte Account dem Schneider folgt, ist dem Musiker MIGO zuzuordnen, der sich selbst als „Data Analyst“ bezeichnet und auf seinem Profil behauptet: „Omikron ist ziemlich mild.“ MIGO, der mit bürgerlichem Namen Maximilian K. heißt, arbeitet nach eigenen Angaben hauptberuflich an der Analyse von Webdaten.

Sieht man sich an, mit wem sich K. auf Twitter austauscht, scheint er überwiegend in Kontakt mit Personen aus der Kindertruppe und klassischen Accounts aus dem Umfeld von Querdenken zu stehen. Zacki, EKa.Systemanalysen, Mrs. M, Prof. Freedom und der bereits erwähnte Friedrich Pürner (detaillierteres zu den Accounts auch in meinem Dossier) sind nur eine Auswahl der Accounts, die für ihn von besonderer Relevanz zu sein scheinen, sich aber eindeutig dort verorten lassen.

Bei alledem muss aber auch festgehalten werden: Dominik Schneider hat mit beiden Accounts nach meinen Recherchen nie unmittelbar interagiert.

Systematischer Folgefehler?

Mich hat interessiert, ob es noch mehr solcher Verbindungen gibt und insbesondere, ob sich dies auch bei den Accounts der fraglichen Fachverbände und deren aktiven Mitglieder auf Twitter zeigt. Ich katalogisierte alle Accounts, denen Dominik Schneider (DGKJ), Thomas Fischbach (BVKJ/DGKJ), Johannes Hübner (DGPI), Tobias Tenenbaum (DGPI) sowie die drei pädiatrischen Verbände/Gesellschaften – BVKJ, DGKJ und DGPI – folgen.

Während der ersten Sammlung fielen mir weitere, bis dahin unbekannte Mitglieder auf, die ich ebenfalls in die Auswertung einbezog. Darunter befindet sich der DGKJ-Generalsekretär Burkhard Rodeck, Dehtleff Bantien (BVKJ), Christiane Thiele (BVKJ Nordrhein), Jürgen Funck (BVKJ Nordrhein/Neuss), Christoph Bornhoft (BVKJ Hessen), Ralf Moebus (BVKJ Hessen) sowie ein Zweitaccount von Thomas Fischbach, der jedoch inaktiv ist. Die Accounts von Thiele und Bornhoft sind ebenfalls bereits seit einiger Zeit inaktiv. Rodeck nutzt den Account sporadisch, twittert aber persönlich sehr selten.

Die gewonnenen Daten wurden in die Netzwerkanalysesoftware Gephi importiert. Im Datensatz befinden sich 2840 Accounts, zwischen denen es 3652 Verbindungen (Follows) gibt. Um die Anzahl an Accounts und Verbindungen für die spätere Auswertung einzugrenzen, wurde als Filter ein „Wertebereich Grad“ eingerichtet, mit einem Limit ab zwei Verbindungen. Damit wurden Accounts herausgefiltert, zwischen denen es lediglich eine einzige Verbindung gibt.

Damit blieben 456 Accounts und 1322 Verbindungen übrig. Die verbliebenen Accounts wurden einzeln typologisiert. Relevant waren dabei für mich die Selbstauskunft in der Twitter-Bio sowie die Interaktionen in der Like-Timeline. Bei regelmäßig ersichtlichen Interaktionen mit bekannten Accounts von Querdenken, wurde der entsprechende Account von mir als „Offen zu Querdenken“ typologisiert.

Accounts, die ich aufgrund früherer Recherchen bereits eindeutig der „Kindertruppe“ zuordnen kann, wurde von mir entsprechend zugeteilt. Ließ sich bei einem Account eine regelmäßige Interaktion mit Accounts der Kindertruppe feststellen, wurde dieser ebenfalls der Kategorie zugeordnet, solange hier ein möglicher Bezug zu den Elterninitiativen plausibel erschien. Mitglieder der pädiatrischen Fachverbände sowie die Accounts der Fachverbände wurden Typologisiert als „Fachverband / Vorstand“.

Für die manuellen Zuordnungen zu den ersten beiden Kategorien habe ich diese Seite eingerichtet, auf der ich die Kategorisierung jeweils im Detail für die einzelnen Accounts darlege. Die entstandene Abbildung kann man im folgenden betrachten oder auch hier herunterladen.

Überblick über das Netzwerk der ausgewählten Accounts mit mindestens zwei Verbindungen, die einer der drei Kategorien (siehe Legende, rechts unten) zuzuordnen sind. Insgesamt = 34 Accounts | Fachverbände: 8 Accounts | Kindertruppe: 17 Accounts | Offen zu Querdenken = 9 Accounts. Ausgelassen wurden Personen von Fachverbänden, bei denen keinerlei gegenseitige Überschneidungen bei Accounts von Kindertruppe oder Accounts mit Toleranz gegenüber Querdenken zu identifizieren waren. Eigene Darstellung und Auswertung, erstellt mit Gephi.

Überblick über das Netzwerk der ausgewählten Accounts mit mindestens zwei Verbindungen, die einer der drei Kategorien (siehe Legende, links unten) zuzuordnen sind. Insgesamt = 34 Accounts | Fachverbände: 8 Accounts | Kindertruppe: 17 Accounts | Offen zu Querdenken = 9 Accounts. Ausgelassen wurden Personen von Fachverbänden, bei denen keinerlei gegenseitige Überschneidungen bei Accounts von Kindertruppe oder Accounts mit Toleranz gegenüber Querdenken zu identifizieren waren. Eigene Darstellung und Auswertung, erstellt mit Gephi.

Aus der Auswertung geht klar hervor, dass es Verbindungen in die Kindertruppe sowie zu Accounts gibt, die sich nicht klar der Kindertruppe zuordnen lassen, aber eindeutig offen zu Querdenken sind.

Die meisten Verbindungen zu solchen Accounts weisen Johannes Hübner und Dominik Schneider auf, gefolgt von Jürgen Funck sowie dem Hauptaccount der DGKJ. Bei den übrigen Accounts sind die Überschneidungen diesbezüglich vernachlässigbar. Zuvor erwähnte Mitglieder der Fachverbände wurden ausgelassen, weil diese keinerlei Überschneidungen mit den Restkategorien aufwiesen.

Vergleichsweise besonders eindringlich sind diese Verbindungen im Fall von Dominik Schneider, denn er ist relativ zurückhaltend darin, wem er folgt. Ihm folgten bis vor kurzem 356 Personen. Schneider selbst folgen wiederum 5754 Accounts. Das Verhältnis „aktiv selbst folgen“ zu „passiv gefolgt werden“ steht somit in einem Verhältnis 1:16 und spricht für ein eher selektives Verhalten beim Folgen anderer Accounts. Eine Auswertung der weiteren hierfür relevanten Accounts findet sich in dieser Grafik:

Die meisten Überschneidungen bestehen zum Account von Doc Sophie von der Kindertruppe (5 Verbindungen), gefolgt von Franziska Briest, FrauDoktor und Science Thinking (jeweils 4 Verbindungen). Für Gerd Antes, David Weißflog, Ralph Brinks sowie Winfried V. Kern gibt es jeweils 3 Verbindungen. Diese weisen offene und regelmäßige Interaktionen mit Accounts auf, die sich Querdenken zuordnen lassen oder diese ebenfalls tolerieren.

Zu Kristina Schröder und Goldammer, die sich der Kindertruppe zuordnen lassen, führen ebenfalls drei Verbindungen. Schröder und Goldammer haben ebenfalls keine Berührungsängste mit Querdenken, wie dem Dossier zu entnehmen ist.

Werfen wir von diesen Beobachtungen ausgehend, im Einzelnen einen genaueren Blick auf die Timelines der verbleibenden Fachverbände und deren Mitglieder. Auch die allgemeine Haltung zur Initiative Familien wird dabei eine Rolle spielen. Schließlich lässt sich anhand solcher Verbindungen noch keine prinzipielle Toleranz ableiten.

Dominik Schneider (Mitglied des Vorstands der DGKJ)
Der Account von Dominik Schneider. Quelle: Twitter | @ProfDTSchneider. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Dominik Schneider. Quelle: Twitter | @ProfDTSchneider. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

In der Timeline von Schneider tauchen Mitglieder der Kindertruppe auf, deren Tweets er liket. Etwa Chriz und Zebragrün (beide folgen sich gegenseitig). Dies sind aber sehr sporadische Interaktionen und im Kern kann man Schneider für derartige Streiflichter auch keinen Vorwurf machen.

Interessant wird es aber, wenn man genauer hinschaut, welchen Accounts Schneider freie Hand lässt. So auch für den Account „Science Thinking“.

Der Account war zuvor als @RS_Eng_Brain auf Twitter aktiv und seit jeher eng mit der Kindertruppe vernetzt. Die Person hinter dem Account ist bekannt für seine Hetze gegen Ärzt:innen, Wissenschaftler:innen und Journalist:innen. Den Philosophen Michael Oberst nannte der anonyme Nutzer ein „widerwärtiges Stück Charakterabfall“ und zum Impfarzt Armin Philipp schrieb er: „Ein echt widerliches asoziales Schwein, der Armin!“ Entschuldigungen für solche verbalen Ausfälle waren dem Accountinhaber seit jeher fremd.

Die Rolle die der hinter einem Schloss versteckte und anonyme Account einnimmt, ist offensichtlich. Durch Retweets hat er eine Verteilerfunktion innerhalb der Kindertruppe. Dabei lässt der Inhaber zu, dass Heiner Ultras über seine Retweets auf Accounts aufmerksam werden. Damit trägt der Account zur Einschüchterung, nicht zur Versachlichung von Debatten auf Twitter bei.

Schneider ließ beispielsweise am 20. April einen Retweet durch Science Thinking zu, wie die Kommentare unter diesem Tweet des DGKJ-Vorstands belegen. Darunter erscheint dann auch ein Account mit klaren Bezügen zu Querdenken und verschiedenen Accounts der Heiner Ultras sowie ein Mitglied der Kindertruppe.

Auch am 26. April ließ er den Account einen Retweet setzen. Ein anderer Account der darauf reagierte, hat ebenfalls keine Hemmungen im Umgang mit den Heiner Ultras.

Auf meine Frage bezüglich einer möglichen Kooperation zwischen DGKJ und den fraglichen Elterninitiativen, reagiert Schneider und erhielt für seine Antwort einen Retweet von Science Thinking, was sofort Accounts der Kindertruppe auf den Plan rief, die im Hintergrund teilweise beleidigend gegen mich vorgingen. In der Folge, begann eine Schmierenkampagne aus der Bubble.

So wies ein anonymer Nutzer, der sich anhand der Timeline ohne weiteres zu Querdenken zuordnen lässt, auf einen Screenshot hin, in dem ein alter Tweet von mir zu sehen ist. Darin schrieb ich: „@hendrickstreeck ist ein Massenmörder.“ An der Verbreitung dieses Tweets im Vorfeld, waren ein Account der Kindertruppe namens @SchulenSchnell beteiligt. Was dabei bewusst ignoriert wird: Für den Tweet habe ich mich nun bereits mehrfach entschuldigt.

Eine andere Nutzerin aus der Kindertruppe versuchte es mit einer verzerrten Kritik an der Bebilderung meines Beitrags zu Kristina Schröder. Die vollständige Erklärung mit kompletten Kontext, den der Account hier verschweigt, gibt es hier. Im Kern:

Unklar ist, warum Schneider den Account nicht blockiert, denn er müsste eigentlich registrieren, welche anderen Accounts darauf anspringen. Das bringt ihm – allein mit Blick auf diese beiden Tweets – Likes aus der Kindertruppe sowie von Accounts aus dem Umfeld von Querdenken ein. Schneiders Tweets werden mitunter auch von einem Account der Partei dieBasis – nebenbei erwähnt: derjenige, dem er zeitweise gefolgt war – und Querdenkern wie Christian Winter geteilt. Im Übrigen knapp eine Woche, nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass er diesem Account folgt.

Johannes Hübner (Beauftragter des Vorstands der DGPI)
Der Account von Johannes Hübner. Quelle: Twitter | @HuebnerJohannes. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Johannes Hübner. Quelle: Twitter | @HuebnerJohannes. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Johannes Hübner ist weniger zurückhaltend mit seinen Interaktionen. Von Alrun Seidler bis hin zu eindeutigen Querdenkern wie Christian Winter, ist einiges vertreten. Hübner interagiert regelmäßig mit Accounts aus dem Spektrum der Kindertruppe. Darunter auch Haginho.

Steffen Hennermann – Szenebeobachter einer Querdenken-Bubble auf Twitter, der regelmäßig die Twitter-Spaces der Bewegung verfolgt und sich dieser dort immer wieder entgegenstellt – kennt Haginho. Er bestätigte mir, dass dieser seiner Meinung nach in seiner Haltung eindeutig Querdenken zuzuordnen sei.

Auch Hübner profitiert auf Twitter von der Exposition seiner Tweets durch die Kindertruppe sowie Querdenken. Würde er sein Verhalten ändern, wenn er verstehen würde, durch wen er sich dort z.T. bewerben lässt? Oder weiß Hübner dies und toleriert es?

Jürgen Funck (BVKJ Nordrhein / Obmann Neuss)
Der Account von Jürgen Funck. Quelle: Twitter | @Drjuergen_funck. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Jürgen Funck. Quelle: Twitter | @Drjuergen_funck. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Funck schrieb am 18. April einen Tweet, der oberflächlich zunächst wie eine polemische politische Meinungsäußerung erscheint. Das ist insofern nicht kritikwürdig. Fraglich ist jedoch, weshalb Funck dabei den Hashtag #Lauterbachluegt verwendet. Ein Blick durch die Timeline zum Hashtag zeigt recht eindeutig, aus welchem radikalen Spektrum diese Formulierung kommt. Den Hashtag verwendete Funck übrigens bereits im Mai 2021 und seitdem ungefähr in 40 separaten Tweets.

Berührungsängste mit Kindertruppe und anderen Accounts mit Abgrenzungsproblemen zu Querdenken, hat Funck jedenfalls nicht, wenn man sich seine Timeline ansieht.

Thomas Fischbach (Präsident der BVKJ / Vorstandsmitglied DGKJ)
Der Account von Thomas Fischbach. Quelle: Twitter | @judaco979490. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Thomas Fischbach. Quelle: Twitter | @judaco979490. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Fischbachs aktueller Account ruht jetzt bereits seit April. Anhand der direkten Interaktionen lässt sich wenig sagen. Ein Blick zurück lohnt aber, um sich anzuschauen, von welchen Retweets gewisse Tweets von Fischbach – die das Narrativ dieser Gruppierungen bedienten – profitiert haben. Zu Querdenken offene Elterninitiativen, deren Vertreterinnen sowie Mitglieder der Kindertruppe waren überdurchschnittlich an der Verbreitung bspw. dieses Tweets im Oktober vergangenen Jahres beteiligt. Auch hier zeigt sich der Einfluss des Accounts „Science Thinking“.

Ähnlich auch im März dieses Jahres. Ein Tweet wird gepusht von Mitgliedern der Kindertruppe sowie Agnes Horvath, von der Initiative Familien in Hessen. Horvath hat aus meinen Hinweisen auf ihre Verbindungen, Interaktionen und Toleranz für die Heiner Ultras in der Vergangenheit, nichts gelernt, so scheint es. Auch nicht aus ihrer Beteiligung an einem Webinar des Goldenen Aluhuts. Auch Thomas Fischbach hat weiterhin toleriert, dass die Initiative und die sie umgebende Kindertruppe sich hier auf seinem Account einbringen können, obwohl sowohl er, als auch der BVKJ über meine Recherchen informiert sind. Fischbach, der selbst als Präsident der BVKJ die Initiative unterstützt, handelt entgegen klarer Hinweise und toleriert den Support durch solche Initiativen sowie deren Online-Unterstützer:innen.

Burkhard Rodeck (Generalsekretär DGKJ)
Der Account von Burkhard Rodeck. Quelle: Twitter | @generalsekreta1. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Burkhard Rodeck. Quelle: Twitter | @generalsekreta1. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Rodecks Account lässt keinerlei Rückschlüsse auf irgendeine Form von Toleranz für Accounts von Kindertruppe oder zu Querdenken offenen Accounts zu. Rodeck spielt für diese Gruppierungen scheinbar eine untergeordnete Rolle, was eventuell auf die vergleichsweise geringe Reichweite des Accounts zurückzuführen sein könnte.

Als Randnotiz: Querdenker René Becke und seine mit entsprechenden Elterninitiativen verknüpfte Initiative MVfürKinder folgt Rodecks Account. Vermutlich, um sich entsprechend zu platzieren und längerfristig zu vernetzen.

Tobias Tenenbaum (Vorsitzender der DGPI)
Der Account von Tobias Tenenbaum. Quelle: Twitter | @TenenbaumTobias. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account von Tobias Tenenbaum. Quelle: Twitter | @TenenbaumTobias. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Toleranz für die Initiative Familien zeigte Tenenbaum noch bis in den Februar 2022. Tenenbaum selbst hat nie einen offenen Brief der Initiative mitgezeichnet. Hochrangige Vertreter:innen seines Verbands beteiligen sich jedoch bis heute an entsprechenden Schriftstücken der Initiative. Johannes Hübner und Arne Simon boten der Initiative im Juni 2021 sogar ein Webinar an.

Auf Anfrage bezüglich dieser Kooperationen vom April, mit Hinweisen zu den Hintergründen, hat die DGPI bis heute nicht reagiert. Zumindest lässt sich seitdem keine weitere Interaktion feststellen. Aktuell hat Tenenbaum keine eigenen Tweets verfasst, die auf eine Toleranz für diese Gruppierungen hinweisen.

In der Vergangenheit hat auch Tenenbaum Retweets vom Vorgänger von Science Thinking toleriert. Fairerweise muss man dazu sagen, dass Tenenbaum zu diesem Zeitpunkt zu den Hintergründen des Accounts nach meinem Wissen nicht informiert war.

Aktuell kann Tenenbaum kein Vorwurf bzgl. einer etwaigen Toleranz solcher Accounts gemacht werden. Als Vorsitzender der DGPI wäre er jedoch in der Verantwortung, die Unterstützung für zu Querdenken offene Initiativen zu unterbinden, denn auch wenn sich hinter den Namen nicht immer eine Benennung der DGPI findet: Auf die Wahrnehmung der Fachgesellschaft durch die Öffentlichkeit, könnte das einen Reputationsschaden bewirken.

Nachtrag vom 6. Mai: Tobias Tenenbaum hat gestern einen Tweet verfasst, der von Akteur:innen aus dem Umfeld von Kindertruppe und Querdenken geteilt, kommentiert und geliket wird. Dementsprechend lässt sich sogar sehr aktuell eine Toleranz nachweisen. Link zum Twitter-Thread dazu.

BVKJ
Der Account der BVKJ. Quelle: Twitter | @BVKJ. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account der BVKJ. Quelle: Twitter | @BVKJ. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Die BVKJ hat nur eine einzelne direkte Interaktion mit einem Account der Kindertruppe in diesem Jahr getätigt. Auf Twitter agiert man sehr zurückhaltend. Eine Policy zum Umgang mit Accounts aus dem Bereich von Querdenken / Kindertruppe scheint man sich jedoch in der Öffentlichkeitsarbeit bislang auch nicht auferlegt zu haben und toleriert entsprechende Accounts von in den Kommentaren. Darunter auch Heiner Ultras, wie dieser Tweet vom April, sowie ein weiterer Kommentar unter dem gleichen Ausgangstweet der BVKJ belegt.

Trotz meiner Hinweise, hat die BVKJ ihr Verhalten auf Twitter beibehalten und lässt diese Accounts frei gewähren.

DGKJ
Der Account der DGKJ. Quelle: Twitter | @DGKJ_eV. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account der DGKJ. Quelle: Twitter | @DGKJ_eV. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Zuletzt ließ sich ein tolerierter Retweet von Science Thinking am 4. März beobachten, der Accounts der Kindertruppe auf den Plan rief. Am 1. April ließ man den Querdenker Bergmensch (siehe Dossier) in den Kommentaren gewähren. Auch der Querdenker Christian Winter hat dort freies Geleit.

Retweets von mehreren zu Querdenken offen Elterninitiativen sowie Mitgliedern der Kindertruppe, lässt man im März auch bei diesem Tweet geschehen. Sogar einen Heiner Ultra lässt man den Tweet teilen.

Direkte Interaktionen lassen sich daneben nicht ausmachen.

DGPI
Der Account der DGPI. Quelle: Twitter | @DGPIeV. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.
Der Account der DGPI. Quelle: Twitter | @DGPIeV. Hintergrundbild: Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Auch die DGPI profitiert indirekt von der Toleranz für die Kindertruppe und Querdenken. Zuletzt im Februar dieses Jahres. Unter dem Tweet darf auch die zu Querdenken offene Initiative MVfürKinder zu Wort kommen. Dieses fehlen einer Policy im Umgang mit Querdenken zeigt sich auch daran, dass Henning Rosenbusch ohne Probleme einen Tweet des Verbands teilen kann. Wäre er gesperrt, wäre der Tweet bei ihm ausgeblendet. Die Kommentarsektion unter dem Tweet ist voll mit Mitgliedern der Kindertruppe.

Ebenfalls offensichtlich wird die Toleranz anhand eines Tweets vom 4. März. Retweetet wird dieser von den radikalen Querdenker:innen von ElternStehenAuf. Der Retweet ist auf dem Account von ElternStehenAuf weiterhin einsehbar. Geblockt wurde dieser von der DGPI also nicht.

Fazit

Eines vorneweg: Lässt sich daraus ableiten, dass pädiatrische Fachverbände und die hier ausgewerteten hochrangigen Vertreter Querdenker sind? Nein! Was es aber zeigt: Diesen Verbänden und Personen fehlt es wohl an einem Problembewusstsein.

Die Gründe dafür sind für mich journalistisch an dieser Stelle irrelevant. Fakt ist: Die Pädiatrie in Deutschland hat ein Abgrenzungsproblem, oder vielmehr ein Haltungsproblem, bezogen auf Radikalisierungsprozesse in digitalen Medien und welche Rolle diese dabei selbst einnehmen.

Im Gegensatz zur Initiative Familien – deren Mitglieder nachweislich nichts aus einem Webinar des Goldenen Aluhuts mitnehmen konnten – wäre hier noch Aufklärung möglich. Krisen begünstigen Radikalisierungsprozesse. Das ist nichts Neues. Aber damit ist diese Pandemie eben nicht nur eine rein naturwissenschaftliche Problemstellung, sondern auch eine Gesellschaftliche. Darauf nicht komplett eingestellt zu sein, ist verständlich. Probleme zu ignorieren, lässt diese aber nicht verschwinden.

Ich bin auch dafür, Kommunikation zu erhalten. Mit Personen, die für Argumente empfänglich sind. Querdenken und die damit mittlerweile eindeutig verbundene Kindertruppe – sowie zahlreiche Mitglieder der Initiative Familien – sind dies nicht mehr länger. Zu glauben, dass man diese nach über zwei Jahren Pandemie noch über das Internet erreichen kann, ist ein Trugschluss. Letztlich sind Personen aus diesem Milieu zumeist lediglich noch über den Familien- und Freundeskreis zu erreichen.

Eine umfassende Netzwerkanalyse von Ultralativ hat für die Videoplattform YouTube ergeben, dass Querdenken dort keinesfalls Teil des Gesamtnetzwerks ist, sondern eindeutig eine eigene abgetrennte Blase bildet. Für Twitter gibt es solche Auswertungen leider bislang nicht, aber es ist davon auszugehen, dass der Vernetzungsgrad auch dort nicht anders sein wird. Daran mitzuarbeiten, dass das Netz sich nicht weiter radikalisiert ist nicht allein Aufgabe der Plattformen, sondern auch der Nutzer:innen.

Nach der Erkenntnis folgt die Anwendung. Tools wie der Likers Blocker, den es sowohl für Chrome, Firefox als auch Opera gibt, stellen eine Möglichkeit dar, sich recht einfach von solchen Accounts zu distanzieren. Für Querdenken lohnt es sich, solche Tools über Tweets größerer derartiger bekannter Accounts laufen zu lassen.

Ich lade alle pädiatrischen Fachgesellschaften und Verbände zur #OperationBlockQuerdenken ein. Zeit wäre es. Denn wie der ehemalige Generalsekretär der DGKJ auf Twitter bereits durch einen Like mitteilte:

* Titelbild: Fotos von Pixabay.com. Bearbeitet von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

** Korrektur vom 30. Juli 2022: Ursprünglich war die Rede von Morddrohungen durch Mitglieder der Heiner Ultras. Der entsprechende Artikel auf den ich mich hier beziehe ist jedoch zweideutig im Bezug darauf.

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4 Comments

Internetführerschein für die Pädiatrie kommt! - OSTPROG · 11. Mai 2022 at 18:52

[…] hatte ich doch explizit im Fazit meines Beitrags geschrieben: „Lässt sich daraus ableiten, dass pädiatrische […]

BVKJ – Vize-Europameister im Desinformieren? - OSTPROG · 21. Mai 2022 at 0:59

[…] bei der Unterstützung einer zu Querdenken offenen Elterninitiative schweigt. Fischbach, der sich auf Twitter von Mitgliedern und Sympathisant:innen solcher Initiativen unterstützen lässt, wider besseren […]

Initiative Familien: Von allen guten Medien verlassen? - OSTPROG · 28. Mai 2022 at 12:19

[…] für psychische Erkrankungen im Kindesalter. Fachverbände, die selbst durch ihre unverminderte Toleranz gegenüber Querdenken und zeitweilig sogar direkter Desinformation aufgefallen sind. Desinformationen, die übrigens […]

„Initiative Kindeswohl“ – Sommer, Sonne, Aluhut - OSTPROG · 19. August 2022 at 10:13

[…] von zu Querdenken offenen Elterninitiativen Verbände und Gesellschaften von Kinderärzt:innen als natürliche Verbündete betrachten. Am 10. April diesen Jahres ging bereits in einer Gruppe der Initiative Laut für […]

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* Titelbild: Erstellt mit Artbreeder.com. Einzelne Abbildungen via Pixabay.com und Wikipedia. Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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Ein Globus. Darüber ein Rohrsystem mit der Beschriftung "AfD", dass Öl auf ein brennendes Europa gießt. Auf dem Rohr ist die Beschriftung "Desinformation" angebracht.

AfD-Europaabgeordnete unterstützt internationale Desinformationskampagne

In Deutschland wird derzeit vor einem „Wutwinter“ gewarnt. Gefahr geht insbesondere von Rechtsextremen und Querdenken aus. Eine Kampagne namens „Reignite World Freedom“ scheint nun ebenfalls diese Glut anfachen zu wollen. Christine Anderson (AfD) – Mitglied des Europäischen Parlaments – beteiligt sich direkt an der international vernetzten Aktion. Folgt man den Ankündigungen dahinter, geht es um nicht weniger als eine Destabilisierung von demokratisch verfassten Gesellschaften. Gearbeitet wird mit Desinformationen und Verschwörungsnarrativen. Eine Chronologie mit Beleuchtung einiger Beteiligter und weiterer Hintergründe.

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