Machete-Mobil

Ein PKW-Diebstahl in Halle (Saale) und seine bizarre Wende – "Ey man, wo is' mein Sprinter?"

Eine Machete auf einem Mobil? Keine Sorge, so martialisch fährt Roberto Lewandowski nicht durch die Gegend. Lewandowski (37) ist Teilinhaber der Firma Expovent, einer Firma für Veranstaltungstechnik und Messebau an der Leipziger Chaussee. Zu den Kunden gehören unter anderem die Mitteldeutsche Zeitung und das Peißen-Center in Halle. Sein Partner ist Andreas Hamann (42), der der Bruder des Autors ist.

„Die ganze Geschichte ist von komischen Zufällen gezeichnet“

Es ist Freitag, der 3. Juli. Heiteres Wetter mit gelegentlichen Wolken und milder Sommertemperatur. Auf dem Firmengelände parkt auch der ehemalige Privat-PKW von Roberto Lewandowski. Ein Mercedes Sprinter. Jahrelang im Einsatz für die Firma. An diesem Tag will der Motor aber nicht anspringen. Die Batterie ist leer. Und so, mit einem Starterkabel bewaffnet, lässt er den Motor einige Zeit laufen. 

Sein Fazit: Schlüssel bleibt stecken; Auto bleibt stehen. So geht er in den Feierabend und damit beginnt eine Geschichte, die – Zitat Lewandowski: von komischen Zufällen gezeichnet ist.

Am frühen Abend rollt ein Mann mit einem Elektroroller auf das Firmengelände. Der Hausmeister bemerkt diesen nicht und schließt pflichtgemäß die Toreinfahrt ab. Ergebnis, der Mann mit dem Roller – von Lewandowski und Hamann liebevoll „der Dude“ genannt – sieht sich „sichtlich genervt“ auf dem Gelände um und entdeckt da bereits vermutlich den offenen Sprinter mitsamt Zündschlüssel. Scheinbar versucht „der Dude“ auch das Tor zur Einfahrt zu öffnen, scheitert aber.

Der Dude
Der mutmaßliche Täter auf der Überwachungskamera.

Am nächsten Tag betritt Hamann das Gelände und findet den Elektroroller. „Das ist für uns eigentlich absolut ungewöhnlich. So weit außerhalb von Halle an der Messe fährt damit eigentlich niemand“. Nachdem er wenige Stunden später noch einmal nach dem Rad schauen will, ist es plötzlich verschwunden. Außerdem entdeckt er Spuren von Gewalteinwirkung am Tor und benachrichtigt den Vermieter.

“Der Dude 2.0”

Hamann spekuliert: „Der Dude hatte also versucht das Tor aufzubrechen, hat es aber nicht geschafft. Sein schweres Elektrorad hat er auch nicht über den Zaun bekommen. Den Punkt verstehe ich nicht. Würde dem aber auch zutrauen, dass er auf dem Gelände gepennt hat, um dann am Morgen mit seinem Roller zu verschwinden”.

Am Montag, dem 6. Juli, bemerkt ein Kollege den Diebstahl des Sprinters und man informiert die Polizei. Da das Firmengelände mit Kameras überwacht wird, kann man den Vorfall ungefähr rekonstruieren. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind zwei Männer auf das Gelände gelangt, haben einen Zaun beschädigt und sind dann mit dem Sprinter davongefahren.

Wir haben im Bekanntenkreis rumgefragt, ob jemand die zwei Männer kennt, aber die Reaktionen waren nur: ‚Die Karre siehst du nie wieder! Die wird weiterverhökert!‘“, so Lewandowski.

Wochen vergehen und tatsächlich gibt es keine Hinweise auf den Verbleib des PKWs. Im Mercedes-Sprint zum Freitag, den 24. Juli, am Vormittag. Lewandowski und ein Kollege sind im Firmenwagen zurück von einer Anlieferung bei Kunden im sächsischen Löbnitz. Auf einmal kommt beiden ein auffälliger Sprinter entgegen. Erste Reaktion von Lewandowski: „Boah! Das sieht ja hässlich aus! Der Grill schwarz lackiert“.

Im Vorbeifahren bemerkt er auch ein ungewöhnliches Lüftungsgitter. Das gleiche, das er auch an seinem Sprinter angebracht hatte. Sie wenden das Fahrzeug und folgen dem Mercedes, der ebenfalls mit zwei Männern besetzt ist. Dann bemerken Lewandowski und sein Kollege auch noch einen markanten Schriftzug an der Anhängerkupplung. Beim Gitter war ich mir schon zu 80% sicher. Es gibt aber KEINEN SPRINTER IN DEUTSCHLAND, der solche 3D-Aufkleber an der Anhängerkupplung hat“.

Sie verständigen die Polizei und fahren dabei den mutmaßlichen Dieben hinterher. Die Männer im gestohlenen Sprinter bemerken nun scheinbar, dass sie verfolgt werden, zumal ihre Verfolger ein Hallenser Kennzeichen haben. Dem Kollegen von Lewandowski gelingt sogar noch ein Foto beider Insassen zu machen. Schließlich endet die Verfolgung im beschaulichen Ort Brinnis in Nordsachsen.

Hund aufgenommen von der Seite
Ein niedlicher Hund (niedliches Symboldbild aus Niedlichkeitsgründen), der sehr niedlich ist.

“Der Fährtenhund aus Dresden ist erkältet!”

Die mutmaßlichen Täter verlassen das Fahrzeug vor dem örtlichen Gasthof „im gemächlichen Tempo“. Lewandowski ruft noch hinterher:Hey Jungs, kommt doch mal zurück“, aber beide setzen ihre Flucht fort. Kurze Zeit später trifft die Polizei ein. Mit sechs Kleinfahrzeugen und Helikopter war man im Einsatz, während Lewandowski im siebten Autohimmel schwebte: Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, weil das Auto wieder da war!

Der angeforderte Fährtenhund aus Chemnitz war bereits im Einsatz andernorts. Und dann kam noch die Durchsage: Der Fährtenhund aus Dresden ist erkältet. Doch ähnlich martialisch wie all das klingt – das Ende war friedlicher als jeder VW T1. Eine reguläre Streife trifft auf einen Mann, der in der Gegend des Vorfalls durch die Gegend schlendert. Mithilfe des übermittelten Fotos von Lewandowskis Kollegen heißt es für ihn nur noch: Kein guter Tag für dich.

Machete Mobil Devotionalien
Überbleibsel eines "komischen Zufalls".

Innerhalb kürzester Zeit sind die beiden Flüchtigen gestellt. Und der Mercedes Sprinter kommt nach der Spurensicherung auch zurück zu seinen Besitzern. Mit ein paar kurzfristigen Souvenirs. „Ich schau da so rein… und naja, und dann LAG DA EINE MACHETE“. Tatsächlich sind Macheten in Deutschland grundsätzlich als Werkzeuge deklariert, in Abhängigkeit von ihrer Verwendung. Die Beamten waren scheinbar davon ausgegangen, dass diese zum Inventar der Firma gehörten. „Wir also nochmal zur Polizei zurück, weil… Beweismittel.“

Machete, nennen die Jungs hier in der Firma jetzt auch schon unseren Transporter. Hat sich so eingeschliffen“, sagt Andreas Hamann.

Die ganze Geschichte ist und so kann man es stehen lassen, damit es nicht gestohlen wird von komischen Zufällen gezeichnet.  Dazwischen martialisches, das an sich selbst zugrunde geht.

*Der Mercedes Sprinter hat natürlich in der Realität KEIN Bild einer Machete auf der Fronthaube.

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