Achgut – Der „Treibsandeffekt“

Über die Selbstdenunziation eines neurechten Blogs

Seit Mitte Juni befindet sich der neurechte Blog „Achse des Guten“ (Achgut) in einer Auseinandersetzung mit mehreren anonymen Twitternutzer:innen. Diese machten Werbekunden auf problematische Inhalte und Autoren des Blogs aufmerksam, die deren Firmenethik aus Sicht der Nutzer:innen widersprechen. Bei Achgut redet man von „Antisemitismus“, einer „Kampagne“ und „Denunziation“. Eine Chronologie und ein Gespräch mit den Beteiligten über die Vorwürfe. Und: Wieso der Blog im finanziellen Überlebenskampf immer tiefer in den eigenen Halb- und Unwahrheiten zu versinken droht.

Logo von Achgut via Achgut.com. Weitere Abbildungen via Pixabay.com. Montage und Bearbeitung von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

Seit 2004 existiert Achgut. Ein Blog, der zu Beginn von anderen Medien eher als liberal oder neokonservativ eingeschätzt wurde. Mittlerweile hat sich an dieser Einschätzung einiges verändert. Lars Wienand schreibt auf t-online von einer „neurechten Plattform“ und der Volksverpetzer von einem „Rechtsaußen-Blog“.

Redaktionell geführt wird der Blog von Henryk M. Broder und Dirk Maxeiner. Broder schreibt bis heute Kolumnen für die WELT. Im Jahr 2013 verteidigte er seinen Kollegen Maxeiner, als dieser nach einem Gerichtsbeschluss vom Umweltbundesamt als Klimawandelskeptiker bezeichnet werden konnte.

Broder setzt sich seit Jahrzehnten gegen Antisemitismus ein, zog aber 2020 selbst Kritik der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) auf sich, nachdem er den Begriff „Kristallnacht“ verwendete. Aus Sicht von RIAS eine Bagatellisierung und Instrumentalisierung „des historischen Antisemitismus im Sprachgebrauch“. Alexander Roth berichtete damals über den Fall für den Zeitungsverlag Waiblingen. Im Jahr 2016 musste Broder sich schon einmal der Kritik stellen, eine antisemitische Fangemeinde zu dulden, wie Christoph Baumgarten in der taz schrieb.

Bis 2015 war am Blog auch der Journalist Michael Miersch beteiligt. Dieser zog sich jedoch komplett zurück, nachdem er eine Zunahme von AfD und Pegida-Klientel als Leser:innenschaft von Achgut feststellte. In seiner Begründung schrieb er: „Es gibt viele Belege dafür, dass ein Großteil der Anhänger von AfD, Pegida und verwandten Organisationen ausländerfeindlich und antisemitisch ist, und anti-westliche Verschwörungsgerüchte verbreiten.

Während der Pandemie ist der Blog mehrfach mit falschen und irreführenden Informationen aufgefallen. Etwa zur Wirksamkeit von Impfungen oder Impfempfehlungen der STIKO.

Chronologie: Über den Anfang vom Ende?

Erste Kritik an Werbepartnern

Auf Achgut schreibt auch der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg. Homburg hat während der Pandemie zahlreiche Falschinformationen zu Corona und laut Volksverpetzer sogar antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet. Auf diesen Umstand wies auf Twitter der Account Wahnsager am 10. Juni hin und machte den Werbekunden Audi – zugehörig zu Volkswagen – darauf aufmerksam. Audi kündigte eine Prüfung an. Anzeigen, so Audi weiter, würden auf dem Blog automatisiert ausgespielt.

Achgut-Autor Claudio Casula reagierte wenige Tage später via Twitter. „Anonymes Denunzieren ist eine Lieblingsbeschäftigung von Faschisten und Stalinisten.“ In den folgenden Tagen setzte Casula mehrere Beleidigungen gegen den Wahnsager ab.  Der Wahnsager sei ein „erbärmlicher mieser Denunziant“ und ein „Spacken“, heißt es in den entsprechenden Tweets, die weiterhin online einsehbar sind. Der offizielle Twitteraccount von Achgut reagierte ebenfalls. Man sprach von einer Verleumdung gegenüber Stefan Homburg sowie von „Cancel Culture“ und „Denunziantentum“.

Auf dem Blog wurde die Causa dann am 17. Juni erstmals aufgegriffen. Am 29. Juni kündigte die Werbeplattform Taboola – über die auch die Anzeigen von Audi ausgespielt wurden – an, die Unterbringung von Werbeinhalten auf dem Blog zu beenden. Der Beauftragte gegen Antisemitismus des Landes Baden-Württemberg – Michael Blumebegrüßte die Entscheidung. „Auch der [Zentralrat der Juden in Deutschland], meine Familie & ich sind über dieses Portal schon oft persönlich verhöhnt, ja angegriffen worden“, so Blume.

Bei Achgut sah man das anders. Die Autoren Broder, Maxeiner und Nicolay verwendeten in einer Reaktion auf die Entscheidung laut VolksverpetzerNazi-Vergleiche“ gegenüber dem Volkswagenkonzern und Taboola. Im entsprechenden Beitrag werden auch Social Media-Kontakte von Mitarbeiter:innen der entsprechenden Firmen genannt. Beim Volksverpetzer wird dies wiederum als „Denunziationsliste“ bezeichnet. Noch am 29. Juni veröffentlichte Broder auf dem YouTube-Kanal von Achgut ein Video, in dem er den Wahnsager als „Soziopath“ und „Psychopath“ bezeichnet.

Achgut-Autor Julian Marius Plutz – bekannt durch seine Teilnahme an einschlägig bekannten Diskussionsrunden von Querdenken auf Twitter – schrieb dort mit Bezugnahme auf die Aktion in Richtung Volkswagen: „Ein Konzern, der von Hitlers Gnaden gegründet wurde, kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Am Rande: In einer solchen Querdenken-Diskussionsrunde ist es laut Szene-Beobachter Steffen Hennermann am 24. Juli zu einer Drohung gegen einen anonymen Account gekommen, der nicht auf der Liste von Achgut steht. Ein bekannter Troll-Account drohte, die Identität eines Nutzers zu enthüllen, der sich auf Twitter gegen Querdenken einsetzt.

An dieser Runde war nach seinen Angaben unter anderem auch Plutz als Sprecher beteiligt. Niemand habe der Drohung widersprochen. Auch Plutz nicht, so Hennermann. Der bedrohte Nutzer sei wiederholt als „widerliches Stück Scheiße“ bezeichnet worden. Plutz selbst reagierte auf die Vorwürfe bislang nicht.

Es folgten zahlreiche weitere Beiträge auf Achgut, die sich mit der Sache um Volkswagen und Taboola beschäftigten. Immer wieder wird darin ein Vergleich zu Gerald Hensel gezogen, dessen Kritik am Blog im Jahr 2016 bereits zu einer Abwanderung einiger Werbekunden geführt haben soll. Bereits damals sprach Broder von einer „Denunziation“.

Antisemitismusvorwürfe, möglicher Aufruf zum Doxing und eine Strafanzeige
Die Erwähnung des bekannten Rechtsanwalts Chan-jo Jun auf einer Liste mit einem möglichen Aufruf zum Doxing könnte für den Blog noch ein juristisches Nachspiel haben. Jun erstattete vor wenigen Tagen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Würzburg. (Logo Achgut via Achgut.com / Justitia via Pixabay.com | Montage und Bearbeitung: Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Im Verlauf des Monats Juli machten andere anonyme Accounts weitere Werbekunden auf den Blog aufmerksam. Ein Tweet des Nutzers MT aus HB führte dazu, dass sich die Aktion Mensch als Werbekunde vom Blog zurückzog.

Die Journalistin Malca Goldstein-Wolf bemühte dazu am 7. Juli einen weiteren Vergleich zum Nationalsozialismus: „Es macht sich das Gefühl breit, dass die neuen Braunen in bunten Gewändern daherkommen, sie tragen keine Springerstiefel, ihre totalitäre Denke unterscheidet sie aber in nichts von denen, die sie vorgeben zu bekämpfen.

Am 16. Juli sprach Achgut-Autor Marcus Ermler in einem Beitrag sogar „von einer antisemitisch motivierten Twitter-Kampagne“, bezog sich dabei jedoch ausschließlich auf den Account HenningBuerger. Dabei stammte die erste Erwähnung des betreffenden Werbepartners gar nicht vom genannten Account, sondern von MT aus HB.

Am 19. Juli meldete sich die Commerzbank auf Anfrage der Nutzerin Snowleopard aus Kasachstan und kündigte an, die Werbepartnerschaft auf Achgut prüfen zu wollen. Am folgenden Tag gab es ähnliche Statements der Konzerne Kaufland und E.ON gegenüber der Nutzerin.

Der Journalist Jan Fleischhauer – vor einigen Jahren ebenfalls regelmäßiger Gastautor bei Achgut – warf daraufhin der Nutzerin vor „Stimmung gegen Juden zu machen“. Einen nachvollziehbaren Beleg für diese Behauptung lieferte er bislang nicht. Er sprach von einer Kampagne. Am Tag zuvor bat die Nutzerin Snowleopard unter anderem RIAS und den Zentralrat der Juden in Deutschland um eine Prüfung ihres Accounts, um die unbelegten Vorwürfe auszuräumen. Auf eine persönliche Nachfrage der Nutzerin antwortete Fleischhauer ebenfalls nicht.

Fleischhauer wandte sich ebenfalls gegen den Nutzer Titanix und zeigte einen Screenshot mit einem Ausschnitt, auf dem dieser gegenüber dem jüdischen Journalisten Benjamin Weinthal schreibt: „Gut wäre ein Staubsauger, der Weinthal gleich mit aufsaugt. Aber notfalls kann man diesem Menschen ja auch den Stecker ziehen.

Der anonyme Nutzer, der selbst jüdische Vorfahren habe, sieht sich davon verleumdet. Im Thread wird kein Bezug zu Weinthals Religion hergestellt. Ein Kontext, den Fleischhauer persönlich herstellt. Die Wortwahl mit dem „Stecker ziehen“ sei unglücklich gewählt, aber im Zusammenhang mit der Staubsauger-Metaphorik zu verstehen, so der Nutzer.

Weinthals Herkunft und Religion habe er damit keinesfalls gemeint. Er versteht dies als Kritik an Weinthal, der von Michael Blume auch als „rechtsextremer Trollbezeichnet wird und mit dem Achgut-Blogger und Anwalt Joachim Steinhöfel zusammenarbeite.

Auf Twitter bestärkte Achgut später seine unbelegte Behauptung und schrieb von einer von „erklärten Antisemiten betriebene[n] Kampagne“.

Am 21. Juli teilte Malca Goldstein-Wolf dann schließlich einen Newsletter von Achgut, den ich aus juristischen Gründen hier nicht veröffentlichen kann. Der Aufruf lautet: „Wir bitten daher unsere Leser, Follower und Freunde, mit uns zu recherchieren, wer hinter den Twitter-Accounts steckt, die feige-anonym ihren Hass verbreiten. Es folgte eine Liste von Accounts. Darunter auch der des Anwalts Chan-jo Jun, der auf Twitter mit Klarnamen auftritt und an der Aktion nicht beteiligt war. Der Vorwurf des Antisemitismus wird im Newsletter erneut vorgebracht.

Noch an diesem Tag veröffentlichte Joachim Steinhöfel folgenden Tweet:

Am 22. Juli erschien ein weiterer Aufruf zur Aufdeckung der zuvor bereits genannten Accounts auf Achgut. Man spricht in dem anonymen Artikel von einem „antisemitischen Milieu“. An diesem Tag verbreitete der Account von GETTR Deutschland den Aufruf zur Enthüllung der Identität der genannten Nutzer:innen. Die Twitter-Alternative GETTR gilt als „neue Heimat für Querdenker und Rechte im Netz“, so Alexander Roth-Grigori und Steve Haak für t-online.

GETTR-CEO Jason Miller nahm auf diesen Vorgang zwei Tage später Bezug und sprach davon, dass der Tweet „unsere Regeln verletzte und nicht mit den Unternehmenswerten von #GETTR übereinstimmte. Wir haben diesen Beitrag entfernt und das erneute Posten von Beiträgen durch den Urheber auf diesem Profil ausgeschlossen.“ Auf Nachfrage, ob die für den Tweet verantwortliche Person in irgendeiner Form mit Achgut assoziiert sei, antwortete Miller bislang nicht.

Zum Erscheinen von Anwalt Jun auf der Liste des Achgut-Newsletters veröffentlichte dieser ebenfalls einen Videobeitrag auf YouTube. Einem Eilantrag von Steinhöfel gegen Michael Blume räumte Jun am 24. Juli „keine Aussicht auf Erfolg“ ein. Am 26. Juli kündigte Chan-jo Jun offiziell an bei der Staatsanwaltschaft Würzburg eine Strafanzeige einzureichen, aufgrund der Liste im Newsletter von Achgut. Ausschlaggebend dafür war wohl auch der Kommentar eines GETTR-Nutzers, der davon sprach dem Wahnsager „den Saft abzudrehen“.

Bis heute hat Achgut auf die inhaltliche Kritik zur Beteiligung Stefan Homburgs nicht plausibel gemacht, weshalb sich die Betreiber trotz der belegbaren Vorwürfe hinter den Autoren stellen. Abgesehen von der Kritik am Nutzer HenningBuerger haben Broder et al. bislang auch nicht nachvollziehbar erklären können, worauf der Vorwurf einer antisemitischen Kampagne beruht.

„Das war und ist keine geplante Aktion“

Henryk M. Broder vermutet hinter den Geschehnissen eine antisemitische Kampagne. Mit Belegen für diese Aussage tut sich Achgut allerdings bislang schwer. Warum Broder weiterhin an Stefan Homburg als Autor festhält – der laut Volksverpetzer selbst antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet – und diesen sogar verteidigt, ist unklar. Die Accounts hinter der Aktion attestieren Achgut einen Mangel an Kritikfähigkeit. (Foto von Henryk M. Broder via Wikipedia / Nutzer Bernd Schwabe in Hannover, lizensiert unter CC BY-SA 3.0 | Bearbeitung von Gunnar Hamann, Ostprog.de)
Henryk M. Broder vermutet hinter den Geschehnissen eine antisemitische Kampagne. Mit Belegen für diese Aussage tut sich Achgut allerdings bislang schwer. Warum Broder weiterhin an Stefan Homburg als Autor festhält – der laut Volksverpetzer selbst antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet – und diesen sogar verteidigt, ist unklar. Die Accounts hinter der Aktion attestieren Achgut einen Mangel an Kritikfähigkeit. (Foto von Henryk M. Broder via Wikipedia / Nutzer Bernd Schwabe in Hannover, lizensiert unter CC BY-SA 3.0 | Bearbeitung von Gunnar Hamann, Ostprog.de)

Die Betroffenen waren bereit anonym über die Anschuldigungen und das bisher Geschehene mit mir zu sprechen. Der Nutzer Blake sieht als Hauptverursacher des Problems den Blog selbst. So hätten die Achgut-Autoren „die Tür selbst zugemacht“. Nachdem Volkswagen durch Autoren von Achgut „in die Ecke des Dritten Reichs gestellt wurde“, hätten andere Unternehmen sich dem Boykott von Taboola und Volkswagen angeschlossen, so sagt er. Diese Ansicht teilt auch die Nutzerin Snowleopard.

Man kannte sich bereits zuvor über Twitter. Dennoch, so Snowleopard: „Haben wir uns spontan zusammengefunden. Das war und ist keine geplante Aktion.“ Die Nutzerin kannte den Blog laut eigener Angabe vor dem ersten Tweet des Wahnsagers nicht, befasste sich danach aber mit den Inhalten. „Der Trigger war: ‚Oops, Audi reagiert? Wahnsager wird beschimpft? Was ist da los? Um wen und was geht es?‘

Blake ergänzt: „Es ist also kein Astroturfing, sondern eine Graswurzel-Bewegung, weil wir alle Achgut und dieses reaktionäre Gedankengut furchtbar finden.“ Auf die Frage, was er mit „reaktionärem Gedankengut“ meint, geht er auf die Geschichte des Blogs ein. „Achgut ist vor Jahren mal als Gegengewicht zu so selbst wahrgenommenem ‚linken Mainstream‘ angetreten. So bis etwa 2011 waren da noch Leute wie Jan Fleischhauer unterwegs. Danach ging es abwärts. Ohne Sinn und Verstand wird gegen Links, Grüne, Fridays for Future, Gendern, Transmenschen gehetzt und der Klimawandel verharmlost. Man ist also nicht konservativ, sondern wünscht sich 1950 zurück.

Ein weiterer Nutzer auf der Liste von Achgut hat ein sehr persönliches Motiv. Er hätte mitansehen müssen, wie eines seiner Kinder „in den Verschwörungssumpf“ geraten sei. Für ihn sei es daher eine persönliche Aufgabe, gegen Verbreiter von Fake-News vorzugehen. In diesem Fall war Stefan Homburg ausschlaggebend, so der Nutzer weiter. „Wichtig ist mir zu betonen: Es gab keinen Boykott-Aufruf. Und: Es gab keine konzertierte Aktion.“ Mit zunehmender Dauer, so der Nutzer weiter, verändere sich dies aber. Etwa aufgrund der juristischen Absicherung.

Stefan Homburg ist auch für den Wahnsager zentral, dessen Tweet vom Juni die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte. „Mein Motiv war Homburg, den ich seit 2 Jahren bei Twitter beobachte, wegen seiner Lügen und Desinformation über Corona. Eher zufällig habe ich entdeckt, dass er sporadisch Gastautor bei Achgut ist.“ Broder, so der Wahnsager, habe diese konkrete Kritik sehr schnell auf sich und seinen Glauben bezogen, obwohl es ihm in erster Linie um Homburg ging.

Der „Treibsandeffekt“

Man wirft auf allen Kanälen mit Dreck, in der Hoffnung, etwas würde hängen bleiben.“ Die Kritik sei auch in keiner Weise antisemitisch, so Blake zur Reaktion von Achgut. Snowleopard ergänzt: „Ich habe mich in der Zwischenzeit mehr mit dem Blog auseinandergesetzt. Es ging mir nie um die Person ‚Broder‘, sondern immer nur um Inhalte von ihm und auf Achgut, die mit Antisemitismus spielen und umstrittene politische Entscheidungen mit Vergleichen zur Zeit des Nationalsozialismus mindestens diskreditieren wollen. Das ist es, was ich als ‚kokettieren mit Antisemitismus‘ bezeichne.

Weiter sagen die Teilnehmer:innen am Interview, dass Achgut die Gelegenheit nutzen würde, um Michael Blume anzugreifen. Aus ihrer Sicht handele es sich dabei schlicht um einen Deutungskampf darüber, wer als legitime Stimme in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gelte. Snowleopard bezieht sich auf einen Tweet von Malca Goldstein-Wolf, in dem diese Broder kürzlich als „eine der wichtigsten jüdischen Stimmen in Deutschland“ bezeichnete.

Dabei gebe aus Sicht von Snowleopard bedeutendere Stimmen aus der jüdischen Gemeinschaft. Sie nennt hier Charlotte Knobloch – Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie Commissioner for Holocaust Memory beim Jüdischen Weltkongress (WJC) – und wirft Goldstein-Wolf vor, diese zu ignorieren.

Blake zweifelt die behauptete Wirkmächtigkeit von Broder in der jüdischen Gemeinschaft an. Seit seinem Foto mit Alice Weidel (MdB. AfD) im Januar 2019, habe dieser seine eigene Glaubwürdigkeit vermutlich verloren. Das Foto entstand bei einer Veranstaltung der Partei Anfang 2019, auf der dieser eine Rede hielt. Broder bedauerte das Foto öffentlich.

MT aus HB ist erstaunt über das Video der drei Achgut-Herausgeber vom 26. Juli: „Sie stellen es so dar, als würde Audi auch seine Werbung auf einem seriösen Nachrichtenportal stoppen, wenn wir es von ihnen forderten. Dass die Werbekunden von ihren Inhalten abgeschreckt werden, scheint Broder, Maxeiner und Nicolay nicht in den Sinn zu kommen.

Der Wahnsager sieht bei Achgut daher auch ein eindeutiges Problem in der Selbstkritik. Der Reflex sei „sofortiges Trump’sches Draufschlagen auf die Kritiker mit der haltlosen Behauptung von ‚Verleumdung‘ und ‚Antismititsmus‘.“ Für ihn hänge die Zukunft des Blogs vor allem von Achgut selbst ab. „Solange die sich in der Opferrolle befinden und um sich schlagen, greift der Treibsandeffekt.

* Titelbild: Logo von Achgut via Achgut.com. Weitere Abbildungen via Pixabay.com. Montage und Bearbeitung von Gunnar Hamann, Ostprog.de.

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